Keine Kirchensteuer, keine Immobilien, keine Konfessionsgrenzen: Wie sieht das Christentum von morgen aus? Und welche Rolle könnten Kleingruppen und Hauskreise dabei spielen?
In seinem Buch „Kirche am Ende“ präsentierte der evangelische Pfarrer Tilmann Haberer vor einigen Jahren 16 Thesen zur Zukunft der Kirche (Leseprobe). Die evangelische Arbeitsstelle midi hat diese Überlegungen bei ihrer Fachtagung zur Hauskreis- und Kleingruppenarbeit aufgegriffen und für die Diskussion in Kleingruppen zugespitzt.
These 1: Das Christentum von morgen zieht keine Steuern ein
Hauskreise und Kleingruppen leben nicht von Kirchensteuern und anderen extern eingeforderten Finanzen. Alle teilen das, was sie haben: Räume, Essen, Glauben. Sie leben „bring and share“.
These 2: Das Christentum von morgen hat kein verbeamtetes Personal
Hauskreise und Kleingruppen organisieren sich selbst und versorgen sich selbst mit gutem Material. Sie kommen ohne Hauptamtliche aus, können aber von Hauptamtlichen profitieren.
These 3: Das Christentum von morgen ist nicht „Volkskirche“, sondern das Familientreffen der Kinder Gottes
Hauskreise und Kleingruppen sind das Familientreffen der Kinder Gottes und offen für Menschen, die sich für den Glauben interessieren.
These 4: Das Christentum von morgen setzt nicht auf Versorgung, sondern auf Beteiligung.
In Hauskreisen und Kleingruppen bringen sich alle mit ein. Sie leben als Gemeinschaft schon immer von Beteiligung. Sie versorgen sich selbst über eine innere Leitungsstruktur.
These 5: Das Christentum von morgen lebt in einer bunten Vielfalt an Formen, die sich auch immer wieder ändern können
Hauskreise und Kleingruppen setzen geistliche Impulse in ganz unterschiedlichen Formen je nach Neigung und Interesse.
These 6: Das Christentum von morgen besitzt keine Immobilien
Hauskreise und Kleingruppen treffen sich an unterschiedlichen Orten in der Regel unabhängig von kirchlichen Gebäuden.
These 7: Das Christentum von morgen kennt Verbindlichkeit nur auf Zeit
Hauskreise und Kleingruppen sind Gemeinschaften auf Zeit. Manche haben Projektcharakter mit einem klaren Anfang und Ende.
These 8: Das Christentum von morgen ist theologisch klar, offen und weit
Hauskreise und Kleingruppen sind theologische Lerngemeinschaften mit Christus im Zentrum.
These 9: Dem Christentum von morgen ist nichts heilig – dem Christentum von morgen ist alles heilig
Hauskreise und Kleingruppen entdecken Jesus Christus im Alltag und ihr Glaube wächst in die Tiefe.
These 10: Die Christen von morgen leben mit den Armen ihrer Gesellschaft
Hauskreise und Kleingruppen sehen das Elend dieser Welt und engagieren sich für Menschen in Not.
These 11: Das Christentum von morgen ist m/w/d, es ist schwarz, weiß und bunt.
Manche Hauskreise und Kleingruppen sind bunt, andere weniger. Sie bieten jedenfalls die Chance, dass sich Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit kennen- und verstehen lernen.
These 12: Das Christentum von morgen ist demütig – es tut Buße
Lebendige Hauskreis- und Kleingruppenarbeit zeigt sich an der Offenheit für Buße, etwa in Zweierschaften. Hier kann man Rechenschaft voreinander ablegen, belastende Dinge und eigene Schuld benennen.
These 13: Das Christentum von morgen hat keine missionarische Agenda – Aber es lebt einen glaubwürdigen Lebensstil
Wenn Hauskreise und Kleingruppen im Miteinander ihr Christsein authentisch leben, haben sie missionarische Ausstrahlung unabhängig von ihrer Agenda.
These 14: Das Christentum von morgen übt sich in der Arkandisziplin: Es betet und tut das Gerechte (D. Bonhoeffer)
Im Hauskreis und in Kleingruppen wird im Zuhören und Mittragen im stillen Gebet für andere Gerechtigkeit geübt in der Erwartung, dass sich Gott erweist.
These 15: Das Christentum von morgen schert sich nicht um Konfessionsgrenzen
…Hauskreise und Kleingruppen auch nicht.
These 16: Das Christentum von übermorgen wird möglicherweise wieder ganz anders aussehen als das Christentum von morgen
Hauskreise und Kleingruppen sind an keine bestimmte Form gebunden, sondern vielfältig und wandlungsfähig.

Dieser Artikel ist im Hauskreismagazin erschienen. Das Hauskreismagazin gehört zum SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de zählt.
