Gemeinde auf Augenhöhe? So schwer ist das nicht. Es braucht weniger Hierarchie und mehr Vertrauen in die Gaben aller.
Von Martin Striez (Diakon)
Es wird Zeit! Das Priestertum aller Gläubigen muss gelebt werden. Allzu oft ist das Priestertum aller Gläubigen nur was „dogmatisch Richtiges“. Zu viele haben sich daran gewöhnt, dass mittelalterliche Klerus-Standards und Top-Down Rollendenken immer noch gelten. Was wäre, wenn der schmerzhafte Rückbau dabei hilft, sich auf den gemeinsamen Auftrag zu besinnen?
Das Potenzial von Gemeinde entfesseln
Der Auftrag ist eindeutig: „Macht zu Jüngern alle Völker.“ Warum nicht mit dem direkten Umfeld anfangen und aus den gegebenen Bedingungen kreativ und mutig das Bestmögliche rausholen?
Und das als ganze Gemeinde – als Einheit in der Vielfalt und ein Leib mit vielen unterschiedlichen Gliedern, die alle (!) ausnahmslos von Gott begabt und eingesetzt sind zum Dienst. Wir brauchen verschiedene Rollen mit unterschiedlichen Professionen und Beauftragungen.
Was wir garantiert nicht brauchen ist „Pfarroganz“ oder ein „Pfaffensockel“. Weg damit. Warum nicht ein Zeichen setzen und eine Duz-Kultur einführen? Schließlich sind wir Schwestern und Brüder im Herrn – siezt ihr euch in der Familie? Die ganze Welt duzt sich in der Gemeinde – warum wohl? Sprache bildet Realität ab. Wir können auch mit unterschiedlichen Rollen als Ordinierte und ganz ordinär Lebens- und Gemeindeerfahrene zusammenarbeiten – auf Augenhöhe versteht sich.
Hauptamtliche als Trainer
Warum braucht man für einen Gottesdienst einen studierten Theologen? Manche der besten Predigten, die ich mit meinen 50 Jahren gehört habe, kamen von Handwerkern (das „einfache“ habe ich bewusst weggelassen – das ist der Punkt). Es geht nicht um ein „Entweder-Oder“. Viele fähige Pfarrpersonen tun einen hervorragenden Dienst. Und sie freuen sich auch über alle, die sie nicht nur „notdürftig“ unterstützen, sondern die Seite an Seite mit ihnen die Gemeinde nicht nur am Laufen halten, sondern entscheidend mitgestalten.
Auch die stabilen Gemeinden backen an vielen Stellen mittlerweile kleinere Brötchen. Aber man kann aktiv was dafür tun – z. B. mit guter, ehrenamtlich getragener Konfirmandenarbeit und anschließendem Trainee-Programm, das jedes Jahr neue, gut ausgebildete junge Mitarbeitende in die Gemeinde bringt. Von nix kommt nix.
Wir Hauptamtlichen werden gebraucht als Trainer für die Ehrenamtlichen. Wenn man die Leute dafür vor Ort nicht hat, warum dann nicht mit anderen zusammenarbeiten? Lokalpatri(di)otismus hilft nicht. Feindbilder helfen nur dem Niedergang. Wer will, dass sich was verändert, muss investieren – Geld, Zeit, Kraft. Das geistlich verantwortet und planvoll mit den richtigen Prioritäten zu tun, hat in der Kirchengeschichte viel bewirkt. Was, wenn Gott mit dir und durch dich an deinem Ort, in deiner Region Geschichte schreiben will? Bist du bereit dazu? Such dir Verbündete und gründe eine Gemeinschaft der Willigen, die nach dem Pareto-Prinzip agiert: 20 % Ressourcen bringen 80 % Erfolg, die restlichen 20 % brauchen 80 % Mehraufwand für Perfektion –und das ist nicht Teil des Auftrags.
Fangt doch mal betend und trotzig hoffnungsvoll an, stolpert mutig voran und „macht mal“! Bestimmt hast du Leute im Blick, die nicht nur Schwierigkeiten sehen, sondern Leidenschaft haben, aus Möglichkeiten Realitäten zu machen. Dass nicht alle sofort „Hurra“ schreien, ist normal und ein Zeichen, dass du es mit Menschen zu tun hast.
Spoiler: Du kannst nicht alle mitnehmen. Lieber ein paar Unwillige verlieren statt alle anderen, die sehnsüchtig darauf warten, dass endlich mal jemand die Initiative ergreift. Vielleicht bist du das? Du bist Kirche! Es gibt keine Laien – nur unterschiedlich Berufene.
Das abwertende Wort ‚Laie‘ muss geächtet werden.
Martin Striez
Kirche braucht Leute wie dich, die mit anderen zusammen anpacken, Gemeinde leben und Reich Gottes sichtbar machen. Natürlich sind Absprachen nötig. Aber denkst du, es gäbe unsere Kirche, wenn die Apostel darauf gewartet hätten, dass „die Obrigkeit“ erst ihr Okay gibt?
Also findet raus, welche Gaben bei euch in der Gemeinde vorhanden sind, beschäftigt euch mit natürlicher Gemeindeentwicklung. Rauft euch zusammen und feiert eure Unterschiedlichkeit! Gott hat sie erfunden – mit Absicht.
Du bist Kirche, Teil der „Gemeinschaft, die zum Herrn gehört“. Also: Betrauert, wo was stirbt – und nutzt es als Humus für das Priestertum aller Gläubigen: Gemeinde auf Augenhöhe. Kirche ist kein Gebäude – es ist eine lebendige Gemeinschaft. Auch ohne Pfarrperson. Gemeinsam sind wir stark – weil er uns stark macht. Es gibt keine Laien – nur unterschiedlich Berufene. Das abwertende Wort „Laie“ muss geächtet werden. So viel Mittelalter sei uns gegönnt.
Martin Strienz ist Diakon der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Bezirksjugendreferent im Evangelischen Jugendwerk Böblingen mit den Schwerpunkten Schulung, Zukunftsentwicklung und Junge Erwachsene.
Dieser Artikel erschien im Kirchenmagazin 3E, das wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.
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Da wird sich für das „allgemeine Priestertum“ eingesetzt, und wenn jemand, wie ich, hier etwas schreibt, wird es nicht veröffentlicht, weil es vielleicht einen link enthält. Das ist geradezu konträr zu diesem Beitrag.
Mein erster Beitrag zu diesem Thema wurde, wie gesagt, nicht genehmigt. Ich protestiere dagegen, auch im Namen des Grundgesetzes der BRD. Es ist eine Dikriminierung, wenn die Kommentare bestimmter Personen nicht zugelassen werden. Ich habe eine Recht darauf, dass auch meine Beiträge veröffentlicht werden. Bitte halten Sie sich an die Gesetze!
Herr Reichelt,
das Grundgesetz schützt das Recht jeder Person, ihre Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten. Dieses Recht gilt primär im Verhältnis zwischen Bürger und Staat (sog. Abwehrrecht gegen staatliche Eingriffe), nicht jedoch unmittelbar gegenüber privaten Plattformbetreibern. Auf Basis von §§ 903 und 1004 BGB gibt es bei Jesus.de wie bei allen Online-Plattformen ein „virtuelles Hausrecht“ mit Regeln bzw. Nutzungsbedingungen (siehe dazu Urteile BGH Az. III ZR 179/20 und III ZR 192/20). Ja, das virtuelle Hausrecht ist nicht grenzenlos, erlaubt es Plattformbetreibern jedoch, Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen und unwahre Behauptungen zu ahnden (durch das Löschen von Beiträgen oder die Sperre von Nutzerinnen und Nutzern).
Über 150 Beiträge von Ihnen sind hier online (soviel dazu, dass Ihre Meinung unterdrückt wird), obwohl Sie in der Vergangenheit etliche Male durch Verlinkungen Werbung für Ihre eigene Seite gemacht haben – trotz mehrmaliger Aufforderung unserereits, dies zu unterlassen (Nutzungsbedingungen, Punkt 3) – und obwohl Sie sich wiederholt abwertend gegenüber anderen Kommentierenden geäußert haben. Dazu schrieben wir Ihnen am 12.3. 20206:
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Weiterhin haben Sie uns in der Vergangenheit „Heuchelei“ und „Sektiererei“ vorgeworfen und unseren Glauben in Frage gestellt. Allein das hätte eine Sperre gerechtfertigt.
Insofern: Bitte halten Sie sich an die Nutzungsbedingungen, dann können Sie hier weiter schreiben.
Mit freundlichen Grüßen
das JDE-Team
Ähnliches liest man mindestens einmal pro Jahr. Sorry, ist so.
In Kirchen wo das gelebt wird, bringt das auch viel. Aber „vom Sockel runter“ reicht nicht. Man muss auch ein offenes Ohr haben für alle Menschen, nicht nur für die eigene Blase.
Denn das ist aktuell mit das größte Problem der evangelischen und katholischen Kirche: Die Menschen fühlen sich nicht wahrgenommen.
super Artikel und so wahr !!!