Bayerns früherer Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) hat sich von der Kritik der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr teilweise distanziert.
«Ich selbst habe mich schon ein Stück weit an den konkreten Aussagen der Bischöfin zur Afghanistan-Politik gestoßen», sagte der CSU-Politiker der «Süddeutschen Zeitung» (Donnerstagsausgabe). Der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich verteidigte unterdessen Käßmanns Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz und verwies auf die christliche Friedensethik.
Beckstein, der Vizepräses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, sagte: «Man muss sich vergegenwärtigen, dass das Amt einer Bischöfin nicht das Amt eines Verteidigungsministers ist.» Eine Bischöfin müsse sicherstellen, dass ihr Amt nicht unter der politischen Einmischung leidet. Die Kirchen hätten aber durchaus auch eine politische Aufgabe. Sie müssten sich einmischen und politische Stellungnahmen abgeben. Die Grenze sei allerdings erreicht, wenn es um «reine Tagespolitik» gehe.
Es sei wichtig und richtig, dass auch das Thema Afghanistan von den Kirchen angesprochen werde. Diese müssten «das Gewissen der Menschen schärfen für die Frage, wie weit Deutschlands Engagement in Afghanistan gehen soll und darf», sagte der Protestant Beckstein. Die politischen Entscheidungen lägen aber bei anderen.
Der bayerische Landesbischof Friedrich sagte, nach dem Verständnis der Kirche und der christlichen Friedensethik müsse der Einsatz von Gewalt immer das «äußerste Mittel» bleiben. Käßmann habe zu Recht betont, dass zuerst alle Möglichkeiten einer friedlichen Konfliktbewältigung ausgeschöpft werden müssten, bevor militärische Gewalt angewendet werde.
Für den Aufbau des Landes sollte statt in militärische Aktionen in Bildung investiert werden, sagte Friedrich, der auch Leitender Bischof des Kirchenbundes Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) ist. Die Bekämpfung der Taliban sei jedoch ohne militärische Gewalt nicht möglich. Dadurch werde wiederum «Gegengewalt» erzeugt.
(Quelle: epd)
