Markus 5
Jesus ging mit ihm, gefolgt von einer dichten Menschenmenge. In der Menge war auch eine Frau, die seit zwölf Jahren an Blutungen litt. Sie hatte in dieser Zeit bei vielen Ärzten Schlimmes durchgemacht. Ihr ganzes Vermögen hatte sie eingebüßt, um sie zu bezahlen, ohne dass es ihr besser ging. Es war sogar schlimmer geworden. Diese Frau hatte von Jesus gehört. Sie kämpfte sich durch die Menge in seine Nähe und berührte den Saum seines Gewandes. Denn sie sagte sich: „Wenn ich nur seine Kleider berühre, werde ich gesund.“ Und im selben Augenblick hörte die Blutung auf, und sie spürte, dass sie geheilt war! Jesus merkte sofort, dass eine heilende Kraft von ihm ausgegangen war. Er wandte sich um und fragte: „Wer hat meine Kleider berührt?“ Seine Jünger sagten zu ihm: „Die Menschen umdrängen dich von allen Seiten, wie kannst du da fragen: ,Wer hat mich berührt?‘“ Aber er schaute weiter umher, um festzustellen, wer es gewesen war. Zitternd vor Angst trat die Frau auf ihn zu, denn sie wusste, was mit ihr geschehen war. Sie warf sich ihm zu Füßen und sagte ihm, was sie getan hatte. Und er sagte zu ihr: „Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht. Geh in Frieden. Du bist geheilt.“
Gleich zwei Wunder auf einmal werden hier erzählt, die ineinander verwoben sind. Die Situation zeigt aber auch, welchem Stress Jesus ausgesetzt war. Offenbar herrschte eine Aufgeregtheit wie beim Konzert eines Pop-Superstars. Aber dabei ging es um weit existenziellere Fragen.
Da ist der Mann, der sich aufgemacht hat, weil seine Tochter im Sterben liegt. Hier ist anscheinend höchste Eile geboten. Jesus macht sich auch gleich mit dem Mann auf den Weg. Da werden sie plötzlich von einer Frau aufgehalten, die Jesus am Gewand berührt. (Und Jesus lässt sich hier auch aufhalten!) Eigentlich hat im Gedränge jeder irgendwie Jesus berührt, aber Jesus hat wohl gemerkt, dass hier ein besonderer Fall vorliegt. Die Frau hatte seit vielen Jahren blutigen Ausfluss, was sie unrein machte und damit nicht gesellschaftsfähig. Dass sie dem Gewandsaum Heilkräfte zuschreibt, zeugt von magischem Denken. Aber Jesus lässt sich auch auf die verqueren Vorstellungen der Frau ein, und diese wird geheilt.
Nicht geheilt wird anscheinend zunächst die Tochter des Synagogenvorstehers, denn inzwischen trifft die Todesnachricht ein. Doch Jesus fordert den Vater zum Vertrauen auf. Als sie dann zu Hause eintreffen, erweckt er sie wieder zum Leben (wobei unklar bleibt, ob sie vielleicht nur scheintot gewesen ist).
Die zwei Beispiele zeigen: Jesus wartet nur darauf, dass wir ihm vertrauen.
