Matthäus 26
Während sie aßen, nahm Jesus einen Laib Brot, dankte und bat Gott um seinen Segen. Dann brach er ihn in Stücke und gab sie den Jüngern mit den Worten: „Nehmt und esst, denn das ist mein Leib.“ Und dann nahm er einen Becher mit Wein und dankte Gott dafür. Er gab ihn seinen Jüngern und sagte: „Jeder von euch soll davon trinken, denn das ist mein Blut, das den Bund zwischen Gott und den Menschen besiegelt. Es wird vergossen, um die Sünden vieler Menschen zu vergeben. Merkt euch meine Worte – ich werde keinen Wein mehr trinken bis zu dem Tag, an dem ich ihn wieder mit euch im Reich meines Vaters trinken werde.“ Dann sangen sie ein Loblied und gingen hinaus auf den Ölberg.
Dieser kurze Text hat in der Theologiegeschichte heftige und ausufernde Diskussionen ausgelöst. Wie ist der Satz „Dies ist mein Leib“ zu verstehen? Wörtlich (wie es etwa die katholische Kirche meint) oder symbolisch (wie es zum Beispiel die meisten Freikirchen verstehen)? In jedem Fall erteilt Jesus hier eine nachhaltige Gegenstandslektion, die wir bis heute in unseren Kirchen nicht nur sehen, sondern auch schmecken können.
Warum ist das Abendmahl als Tradition überhaupt eingesetzt und fortgeführt worden? Braucht der Mensch was fürs Gemüt? Oder irgendetwas Feierliches? In erster Linie ist das Abendmahl ein Denkmal, ein Denkmal für das Leiden des Herrn. Allerdings ein Denkmal in Aktion. Wir stehen im Abendmahl staunend vor der Tatsache, dass der Sohn Gottes sich für uns alle hingegeben hat. Daran kann man sich nicht oft genug erinnern, denn das ist der Kern unseres Glaubens. Würden wir das vergessen, würden sich rasch andere vorgebliche Kerne herausbilden, die dann allerdings nicht mehr viel mit dem wahren Zentrum zu tun haben.
