Die beiden christlichen Kirchen in Deutschland haben unterschiedlich auf die geplante Lockerung des Werbeverbots für Abtreibungen reagiert.

Die evangelische Kirche begrüßte die vorgeschlagene Lösung. Sie trage dem Schutz des ungeborenen Lebens Rechnung und sichere das Informationsbedürfnis Betroffener, sagte der Sprecher der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Carsten Splitt, am Dienstag (29. Januar) dem Evangelischen Pressedienst (epd). Außerdem schütze der Gesetzentwurf vor mutwilliger Kriminalisierung.

Dagegen bezeichnete die katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK) die „geplante Öffnung des Paragrafen 219a“ als überflüssig. Frauen könnten „bereits heute vielfältige Informationen aus unterschiedlichsten Informationsquellen erhalten“, erklärte DBK-Sprecher Matthias Kopp auf epd-Anfrage.

Information soll zulässig sein

Nach dem Gesetzentwurf der großen Koalition sollen Ärzte und Krankenhäuser künftig ohne Risiko der Strafverfolgung darauf hinweisen dürfen, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Außerdem soll die Bundesärztekammer eine zentrale Liste mit Ärzten, die Abtreibungen vornehmen, führen, die auch von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung veröffentlicht werden soll. Der Gesetzentwurf soll am 6. Februar im Kabinett beraten werden.

Beide Kirchen betonen die Bedeutung der verpflichtenden Beratung von Frauen, die abtreiben wollen. Eine gute Beratung von Frauen in Konfliktlagen schließe selbstverständlich alle notwendigen Informationen ein, heißt es in der Mitteilung der Bischofskonferenz. „Die jetzt geplanten Listen, die über die Ärzte und Methoden des Schwangerschaftsabbruchs informieren sollen, wären nach unserem Dafürhalten am besten im geschützten Raum der Beratung aufgehoben“, sagte Kopp. „Da die Beratung für den Schwangerschaftsabbruch verpflichtend ist, wäre auch gewährleistet, dass alle Frauen Zugang zu diesen Informationen erhalten.“

Evangelische Kirche unterstützt Beratung

Die EKD teilte mit, man fördere und unterstütze die verpflichtende Beratung mit einem breiten Angebot an Beratungsstellen, in denen ohnehin alle Betroffenen umfassend über alle Fragen des Schwangerschaftsabbruchs informiert würden.

Seit dem Jahr 1995 gilt die sogenannte Beratungsregelung für einen Schwangerschaftsabbruch, nach der eine Abtreibung innerhalb der ersten zwölf Schwangerschaftswochen erlaubt ist, wenn die Schwangere vorher eine Beratung in Anspruch genommen hat. Kirchliche Wohlfahrtsträger wie Diakonie und Caritas bieten die sogenannte Schwangerschaftskonfliktberatung an.

3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Juristische Haarspalterei gegen ethisches Dilemma beseitigt

    Natürlich ist das Ungeborene von Beginn der Zeugung an ein werdender Mensch. Selbstverständlich würde ich persönlich aufgrund meiner grundsätzlichen reilgiösen und sich daraus ergebenden ethischen Überzeugung nie eine Schwangerschaft abbrechen. Es gibt andere Möglichkeiten: Bei Überforderung bzw. einer Notlage ist auch eine Adoption möglich und als allerletzte Möglichkeit die Babyklappe. Aber soll man trotzdem über Schwangerschaftsabbrüche informieren dürfen ?

    So weit, so gut. Aber ich als Person bin ein Mann. Erstens kann ich kein Kind bekommen, zweitens bin ich nicht in einer ganz schwierigen Konfliktsituation und drittens sollte man (vielleicht) dem Leben des Kindes nicht gegenüber dem der Mutter den Vorrang geben (die mögliche Konstellation drei ist noch auserordentlich schwieriger).

    Aus dieser christlich/ethischen und moralischen Gemengelage heraus gibt und gab es die Schwangerschaftskonflikt-beratung, die vor einem Schwangerschaftsabbruch durch den Gesetzgeber obligatorisch ist und die (insbesondere auch finanzielle Hilfen aus Stiftungen) sowie eine Unterstützung der betreffenden Person und/oder Familie durch sozialarbeiterische Beratung vorsieht. Wer sich trotz Beratung für einen Abbruch entscheidet, bekommt eine Bescheinigung.
    Das schreibt der Gesetzgeber vor. Dies bedeutet immerhin: Es wurde alles mögliche getan, um werdendes Leben zu schützen. Hätte man nur verboten, die Hände in Unschuld gewaschen, würden Frauen zur Selbsthilfe greifen oder ähnliches.

    Hier kann ich die Katholische Kirche nicht wirklich verstehen, daß sie aus der kirchlichen Schwangerschaftskonfliktberatung seinerzeit ausgestiegen ist, nur weil (angeblich) die Bescheinigung der Beratungsstelle einen Freibrief zur Abtreibung ausstellt. Dort werden doch zuvor Hilfen und Alternativen angeboten. Man kann sich die Wirklichkeit nicht nach dem Rezept zurecht biegen nach dem Motto „ich mache mir die Finger nicht schmutzig und bleibe sauber“. Ein Verband der Kath. Frauenarbeit hat deshalb ohne ausdrücklichen Segen der Kirche damals die Beratungsarbeit fortgesetzt und hilft wie evangelische Beratungsstellen Frauen in schweren Konfliktsituationen, sich für das Leben zu entscheiden. Der damalige Bischof Kamphaus und auch Kardinal Lehmann u.a. haben den Konflikt mit dem Vatikan seinerzeit leider nicht gewonnen.

    Bei der ganzen Maleise hat auch der Gesetzgeber ursprünglich damals juristische Haarspalterei betrieben. Denn – so sehr man Abtreibung auch zu Recht ablehnt – wenn der Schwangerschaftsabbruch ein Rechtsbruch ohne Bestrafung ist – muss es doch auch erlaubt sein, auf Mediziner und Krankenhäuser hinzuweisen, die dies tun. Ein reiner Hinweis hat nun überhaupt nichts mit Reklame für die Tötung ungeborenen Lebens zu tun. Es geht nicht um Abtreibungsfabriken, sondern um Informationen. Rigeroser Moralismus hilft betroffenen Frauen überhaupt nicht. Das Tun des Guten ist besser für die, welche nicht unmittelbar betroffen sind – auch gegenüber dem geborenen Leben und betroffenen Müttern.

    Wenn es keine Ärzte gäbe die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, würden Betroffene zu Kurpfuschern gehen. Ein Arzt, der ungeborenes Leben tötet oder töten muss, dem kann es genauso gehen wie denen in der Rechtsordnung vorgesehenen Verteidiger auch für Menschen, die (mit hoher Wahrscheinlichkeit) unsägliche Verbrechen begingen. Andere mögen es für eine einfache Frage halten, ob man als Verteidiger eines schlimmen Unholdes agieren sollte oder als Arzt einen
    Schwangerschaftsabuch durchführt, und dann eine ethische Mitschuld tragen muss bzw. diese ggfls. marginalisiert. Schon gar nicht ist aber ein Sozialarbeiter moralisch einer Beihilfe zum Mord am ungeborenen Leben schuldig, nur weil er bescheinigt, dass die betreffende Person an einer Beratung teilnahm. Es kommt durchaus nicht nur ganz selten vor, dass Frauen mit Beratungsschein sich trotzdem danach eines Besseren besinnen. Angebot und Information hilft auch zeitversetzt.

    Der teilweise kuriose Umgang mit dem Thema in der Zusammenfassung: Abtreibung ist Mord. Deshalb darf es niemand tun. Man darf sich mit einer Menschin mit dieser Absicht gar nicht erst beschäftigen, denn wenn sie die in ihrem Schwangerschaftskonflikt angebotene Hilfe nicht annimmt, bekommt sie einen Beratungsschein. Dieser ist der Freibrief für diesen Mord. Also beraten wir nicht, nutzen wir keine Chance Hilfe anzubieten und dann sind wir einem moralischen Dilemma entflohen. Wir blieben sauber. Wer in seinem Faltblatt schreibt, dass er über Schwangerschaftsabbrüche berät, den werden wir anzeigen. Welch hervorragende Moral. Jesus hat der Sünderin eine zweite Chance geboten. Die Pharisäer wollten sie lieber steinigen. (Radikale) Abtreibungsgegner sagen hoffentlicht nicht: „Betroffene, Berater und Ärzte, alle in einen Sack und mit dem Knüppeldrauf drauf schlagen. Man triftt immer den Richtigen“!)

    Es gibt schönere und positivere Entscheidungen, aber leider gibt es zwischen Gut und Böse auch viele Zwischentöne und deshalb ist die Entscheidung des Bundestages eines besseren Informationszuganges über diesbezügliche Ärzte zumindest nachvollziehbar. Es hat sich sicher niemand auch im Bundestag diese Entscheidung leicht gemacht. Die Politik muss manchmal auch zwischen Pest und Colera entscheiden.

  2. Inhaltlich leider nicht ganz richtig. Schwangerschaftsabbrüche sind nicht erlaubt, sondern ohne strafrechtliche Verfolgung innerhalb der ersten 12 Wochen. Ein Schwangerschaftsabbruch ist immer eine Straftat, bleibt aber unter bestimmten Voraussetzungen ohne Strafe. Nachzulesen in unserem StGB Paragraph 218.

  3. Im Bundesstaat New York dürfen „Abtreibungen“ mittlerweile bis zum 9. Monat durchgeführt werden. Sind wir auf dem Weg in diese Richtung? Radikale Befürworter werden auch nach der Neureglung durch unsere Bundesregierung keine Ruhe geben. Man muss sich außerdem die Grundsätzliche Frage stellen, ob es richtig ist, Informationen zur Begehung einer Straftat zu verbreiten. Eine „Abtreibung“ (eigentliche wäre der Terminus Kindestötung korrekt) ist immer noch eine Straftat, bei der unschuldiges Leben getötet wird.

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