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„Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“ – Markus 6, 50

Von Kerstin Wendel

Ich gebe es ja ehrlich zu: Konfliktgespräche sind nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Die eigene Unruhe im Herzen bemerken? Mut aufbringen und sich mit anderen um Klärung bemühen? Einen Weg durch den Gedankensturm finden? Für mich ist das anstrengend. Doch ja, ich hatte auch meine Learnings in den letzten Jahren. Bin mutiger, offensiver und angstfreier geworden. Aber dennoch: Ich kenne sowohl in Konflikten als auch anderen Situationen das Gefühl, dass der Wind von vorne weht und meine Anstrengung scheinbar nicht ausreicht. Erinnere Situationen, in denen sich meine Furcht eher verschlimmert statt bessert.

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In guter Gesellschaft

Beim Lesen der Evangelien bemerke ich, dass ich nicht alleine bin mit meinen Angsterfahrungen. Selbst die gestandenen Jesusjünger kennen das. Einmal schickt Jesus sie los nach Bethsaida, weil er eine Auszeit mit seinem Vater haben möchte. Das kann ich gut verstehen. Er ist so oft durch Menschen gefordert und hat ja immer so viel Kraft aus der Auszeit mit Gott geschöpft. Nur, die Sache geht zunächst nicht gut für seine Jünger aus. Denn die kämpfen im Boot mit den Naturgewalten. Es ist dunkel, es ist stürmisch, es ist bedrohlich. Anstrengend! Und anstatt ihnen das Leben sofort zu erleichtern, verstärken sich zunächst ihre Ängste durch einen Jesus, der gespenstisch auf dem Wasser an ihnen vorbeigeht. Dadurch erkennen sie ihn nicht auf Anhieb.

Flashback

Puh. Ich fiebere mit und fühle mit. Obwohl ich weiß, dass die Jünger kurz vorher in ähnlicher Bedrohung waren, als sie nachts im Boot übersetzten (Markus 4, 35 ff. – „Die Stillung des Sturms“) und das durch ein Wunder gut überstanden haben. Dort hatten sie erlebt, dass Jesus die Dinge in den Griff bekam. Und nun? Werden sie zunächst wieder eingeholt von der natürlichen Welt, die sie ängstigt und von den übernatürlichen Möglichkeiten Gottes wegzuziehen scheint. Ach ja, wie gut ich das kenne! Da kommt überraschend der nächste Sturm in Form eines Konflikts oder einer anderen Herausforderung in mein Leben hinein. Ich fange an zu rudern, strenge mich an und kann Jesus auf Anhieb nicht darin erkennen. Herr, wo bist du?

Worte verwandeln Welten

Und dann kommt das Jesuswort zu den Jüngern im Boot: “Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!” Kurz, kraftvoll, weltbewegend. Wenn jemand die Ängste vertreiben kann, dann ist das einfach fantastisch. Jesus treibt kein Versteckspiel mit ihnen. Er stellt klar, wer hier spricht und erinnert dadurch an alttestamentliche Worte, in denen sich Gott ähnlich zu erkennen gab. Für die, die tiefer einsteigen möchten: Lesetipp ist Jesaja 43, 10 ff. Warum ist es so wichtig, dass die Jünger wissen, wer spricht? Nun, das kennen wir eigentlich seit unseren Kindheitstagen: “Mama ist da, Papa ist da“ – das ist die Grundberuhigung, die im finsteren Keller oder auf dem Zahnarztstuhl funktioniert hat. Damals wollten wir unsere Vertrauenspersonen um uns haben. Genau das ist Jesus: Vertrauensperson! So hat er sich den Jüngern in vielen Situationen gezeigt. Hier auf dem See tut er es wieder. Er sagt damit: “Ich bin euer Angstbesieger, denn mir unterliegt die natürliche Welt in Form von Hunger, Durst, Angst, Sorge, Trauer und sogar Tod. Über all das habe ich Autorität und Herrschaft.” Das ist wirklich fantastisch und überwältigend.

Und gleichzeitig ist es auch herausfordernd. Denn es öffnet uns den Blick dafür, dass auch wir nicht abhängig bleiben müssen von der natürlichen Welt mit ihren Ängsten, Sorgen, Herausforderungen. Kann sein, dass wir ihn also zunächst nicht erkennen. Aber auch in meine und deine Konflikte, Konfliktgespräche, Herausforderungen und Stürme des Lebens spricht er sein Wort hinein. Angstvertreibend, wegweisend und weltbewegend. Mehrfach habe ich es schon erlebt, wie gut das tat. Es hat mein Herz beruhigt und die Stürme oft ebenso.

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In der Jesusschule

Mit einem Mal ist da Ruhe! Eben waren die Jünger noch an Brötchens Ende, verängstigt und bestürzt, orientierungs- und haltlos. Und nun herrscht Ruhe. Ich halte den Atem an. Wie werden sie denn jetzt reagieren? Ihm um den Hals fallen mit Jubel und Dank? Ihn fragen, wie seine Zeit mit dem Vater war? An diesem Tag kommen sie in der Jesusschule nicht recht voran. Das Herz ist hart. Trotz der erlebten Wunder. Diesmal also kein wirklich rundes Ende. Damit stellt die Sturmstillung auch an mich und uns eine Frage: Wie gehen wir raus aus unseren kleineren oder größeren Jesuswundern? Ein weiches Herz wäre dankbar, ehrfurchtsvoll, vertrauensvoll. Ein hartes undankbar und misstrauisch. Es ist sicher gut, uns deshalb einen kleinen geistlichen Reminder einzubauen: Achtung, es ist gerade wieder Sturm! Volle Ausrichtung auf die geistliche Welt ist angesagt, damit die natürliche uns nicht außer Gefecht setzt.

Kerstin Wendel ist Autorin, Speakerin und Seminarleiterin aus Wetter/Ruhr (Homepage)

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