Jesus spricht: Ich bin das Licht der Welt. | Johannes 8,12

Von Marcus Tesch

Am 1. Februar 2003 stürzte die Raumfähre Columbia ab – alle sieben Astronauten kamen bei diesem Unfall ums Leben. Allerdings, zwei CDs der schottischen Folkrock-Band Runrig überstanden unversehrt den Absturz, eine davon in einem CD-Player. Es war die Lieblingsgruppe der amerikanischen Astronautin Laurel Clark. Am Tage des Absturzes sollte sie das Lied „Running to the Light“ für den Tag wecken. Dazu kam es dann nicht mehr. Stattdessen wurde es auf der Beerdigung von Laurel Clark gespielt. Eine bewegende Geschichte, finde ich. Auch mir gefällt die Musik und ganz besonders auch dieses Lied: „Running to the Light.“

„Running to the Light“ – „Ich laufe ins Licht.“ Mir gefällt dieses Lied so gut, weil es mich an einen meiner Lieblingsverse aus der Bibel erinnert. An Johannes 8,12:

Ich bin das Licht der Welt.
Wer mir folgt, irrt nicht mehr in der Finsternis umher.
Vielmehr wird er das Licht des Lebens haben.

Vor fast 40 Jahren habe ich mich entschlossen, dem Mann zu folgen, der dieses Wort gesprochen hat: „Ich bin das Licht der Welt!“ Und seitdem stellt sich in meinem Alltag immer wieder neu die Frage, ob er sein Versprechen einhält oder nicht. Eine spannende Frage. Denn für mich geht es da um mehr als nur um religiöse Gefühle oder ein spirituelles Hobby. Es geht um die entscheidende Orientierung in meinem Leben. Um die Frage: Ist das ein guter, wenn nicht sogar der richtige Weg – oder führt er mich in die Irre?

Ich kann von keinen großartigen und spektakulären Erfahrungen berichten. Mein Leben verlief in überschaubaren Bahnen. Irgendwann habe ich geheiratet. Habe zwei Kinder bekommen. Mittlerweile ein Enkelkind. Ich habe keine ungewöhnlichen Hobbys und habe keine großen Reisen unternommen. War nie im Fernsehen, habe keine Bücher geschrieben und bin kein Influencer im Internet (zumindest kein bekannter). Was ich erlebe, sind schlicht und einfach die Höhen und Tiefen eines „normalen“ Alltags.

Glauben ohne Zweifel gibt es nicht

Als ich damals angefangen habe, bewusst Jesus zu folgen, wusste ich nicht, wohin mich mein Weg führen würde. Und ich wusste nicht, dass ich mich auch den Ängsten und Zwängen stellen würde müssen, die ich im Rucksack meines bisherigen Lebens mitschleppte. Ich ahnte nicht, dass der Glaube, den ich zu haben meinte, sich im Laufe der Zeit verändern würde, teilweise sogar sehr deutlich.

Ich musste feststellen, dass meine Erwartungen und Glaubenseinsichten oft an den Niederungen des Alltags gemessen und manchmal auch dort scheitern mussten. Es gibt, das ist zumindest meine Erfahrung, keinen Weg mit Jesus, der nur von Erfolg gezeichnet ist. Keinen Weg, der ohne Schuld, Enttäuschung und Verletzungen auskommt. Es gibt Tränen, es gibt Rückschläge, es gibt Zweifel und manchmal auch ein Verzweifeln.

Doch je mehr ich diese Erfahrung gemacht habe, desto wichtiger wurden mir die Worte von Jesus: „ICH BIN das Licht der Welt!“ Dass es also beim Glauben nicht so sehr darum geht, keine Fehler zu machen, mehr zu wissen oder besser zu sein als andere. Nicht darum, besonders „heilig“ zu sein. Sondern um ihn und darum, mit ihm in eine Verbindung zu treten. Sich auf ihn und seine bedingungslose Liebe zu verlassen, selbst in den dunklen Stunden. Das befreit. Glaube, das ist zumindest meine Erfahrung, ist dann echt, wenn er die Weite, wenn er in die Freiheit führt.

Ich will mit Jesus gehen

Ich habe diesen Glauben schon lange zu meinem Beruf gemacht. Ich bin Pfarrer der Evangelischen Kirche geworden. Aber im Kern geht es mir bei allem, was ich tue, um das, was Jesus in diesem Bibelvers versprochen hat und was ich immer wieder selbst erfahren habe: „Ich laufe ins Licht!“ Ich gehe ihm entgegen. Egal, was kommt oder auch geschieht: Das erfüllt mein Leben mit einer großen Hoffnung. Ich gehe zu Jesus ins Licht. Er kommt mir entgegen.

Im Moment habe ich das Gefühl, dass sich da in meinem Leben ein Kreis schließt. In meiner Familie, in meiner Arbeit in der Gemeinde und nicht zuletzt auch im Blick auf meine eigene Biografie: Ich laufe ins Licht! Dafür bin ich sehr dankbar und fühle mich geborgen. Mein Leben hat eine Richtung, es hat ein Ziel!

„Running to the Light“ von Runrig – dieses Lied drückt es für mich darum sehr gut aus. Und das ist mein Wunsch, dass es auch irgendwann – hoffentlich erst in vielen, vielen Jahren – auch mal auf meiner Beerdigung gespielt werden wird.

Marcus Tesch ist Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland in Wissen

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1 KOMMENTAR

  1. Ich bin das Licht der Welt

    „Ich bin das Licht der Welt“, sagte Jesus. Pfarrer Marcus Tesch hat deutlich formuliert, dass dieses Leben mit Jesus, auf den Wegen in Raum und Zeit, in den Niederungen des Lebens, sich nicht immer wie ein Königsweg anfühlt. Seit Kindertagen, und die sind seit fast 60 Jahren vorbei, bin ich den Kindergottesdienst gegangen. Wir wohnten damals in einer malerischen Kleinstadt, in der die Welt in Ordnung war, die schöne Martinskirche war nur 200 Meter entfernt und meine Eltern meinten: „Es kann ihm ja nichts schaden“. Da bin ich Mitte der 1950er Jahren auch der allerersten Pfarrerin begegnet. Wir Kinder haben sie betrachtet wie ein Weltwunder. Aber ihre Erklärung eines Glaubensaspektes sind mir heute noch nahe, als wäre sie nur wenige Tage alt. Sie sprach von einem Schiff, schwer beladen und mit einem großen Tiefgang in dem kleinen Fluss, der unsere malerische Kurstadt durchfließt. So fühlt sich ein Mensch, der zu Jesus kommt. Einer, der die Lasten ablädt, sodass wir wieder leicht werden und auf dem Wasser unseres Leben weiterfahren können. Also eine richtige Befreiung. Wie sie es sagte, habe ich es verstanden: Kindgemäß, aber nicht kindisch und banal. Ein Sinnbild, dass gut nachvollziehbar ist. Ich hielt dann den Glauben für ein Fürwahr-Halten, welches genügt. Das machte mir keine Probleme. Die Gedanken sind nämlich wirklich frei, sie tun nicht mir selbst noch anderen Schmerzen bereiten und mit ihnen brauche ich nicht anzuecken. So ging ich auch schon beinahe erwachsen sogar am Sonntag in den Gottesdienst – eher ein Außenseiter unter den vielen älteren Frauen und Männern. In diesen spätpubertären Tagen überkam mich dann aber eine innere Krise. Über das Universum, die vielen Sterne in einem fast unendlichen Raum, hatte ich seit Kindertagen gelesen. Dies war/ist Literatur meiner Leidenschaft, die Phantasie anregend und gut geeignet, darin gedankliche Entdeckungsfahrten zu unternehmen. Aber nun sah ich, reichlich verzweifelt und an mir zweifelnd, dazu noch manchmal romantisch veranlagt, in den Sternenhimmel. Es war in mir wie ein starkes Gebet, ein Ruf nach Hilfe: „Lieber Gott, wenn es dich gibt, dann antworte mir bitte. Gibt es dich wirklich“? In einer der nächsten Nächte hatte ich einen religiösen Traum. Ich begegnete so etwas wie einem großen hellen Licht, welches eine große Wärme und Liebe ausstrahlte und mich zärtlich umarmte. Ich wusste, es ist Gott und er ist Liebe. Leider bin auch ich gerne vergesslich und hatte alles längst verdrängt. Aber da klingelten zwei junge Männer an unserer Haustür. Sie sagten, dass sie zufällig zu mir kämen und sie wollten mich zum Jugendkreis der Gemeinde einladen. Sie luden mich in keine fremde Gemeinde ein, aber ich war noch kein Teilnehmer einer Gruppe. Also ging ich hin, wuchs ins Gemeindeleben hinein, in die Gemeinschaft der Christinnen und Christen. Damit begann ein wunderschönes, aber kein leichtes Leben. Mein Glauben und meine theologischen Auffassungen haben sich immer wieder gehäutet wie eine Schlange. Der Glaube ist mit mir erwachsen geworden. Daraus ist ein großes Vertrauen in Gott geworden. Aber umso mehr erkenne ich, wie ich immer wieder mit leeren Händen vor Gott stehe. Und dann denke ich wieder an das Schiff, im kleinen Fluss unserer malerischen Kurstadt, welches mit viel Last durchs Leben fährt und ich weis, wo ich diese Last loswerde. Bei dem, der über mir nicht den Stab bricht und ich daher auch versuche, dies auch bei anderen nie soweit kommen zu lassen. Ich erzähle die Wunder in meinem Leben, für die niemand die Naturgesetze infrage stellen muss und meine Aufgabe ist es, diese wunderbarste aller Botschaften des Universums weiterzugeben. Mit meiner Leidenschaft für die Wunder des Universums und die Wunder von Jesus Christus in meinem Leben, wurde Gott immer mehr zu meiner himmlischen Mutter und meinem himmlischen Vater, der mich von allen Seiten umgibt und der trotzdem so groß ist, dass er alle Wirklichkeit umfasst: Als Herrscher der Liebe über das unendliche Universum. Gott ist genauso unendlich und seine Gedanken schaffen Wirklichkeit. Seine Engel müssen keine Flügel haben und auch nicht im Raumschiffen durch die Unendlichkeit jetten. Es reicht, wenn sie meine Seele aufsuchen und als Wohnzimmer für Gott herrichten.

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