Lassen wir den Hauskreis ausfallen, wenn „nur“ drei Leute da sind? Christof Klenk stellt fest: Zu oft schauen wir auf die, die nicht da sind, statt die zu feiern, die es geschafft haben.
Es war eine Andacht in der Passionswoche. Ich hatte den Klavierdienst und schaute zusammen mit unserem damaligen Pastor kurz vor Start der Veranstaltung in ziemlich leere Reihen. Ich war enttäuscht. Zusammen mit uns Mitwirkenden verteilten sich vielleicht ein Dutzend Leute im Gottesdienstraum. „Wie machen wir es? Halten wir am Plan fest?“, fragte ich. „Natürlich, wir machen alles wie geplant. Man darf die Anwesenden nicht dafür bestrafen, dass es nicht so viele sind, wie erhofft“, erwiderte unser Pastor.
Würdigen, was ist
Zugegeben, das ist kein revolutionärer Gedanke. Wenn man nur kurz darüber nachdenkt, kommt man zu dem Schluss, dass es eigentlich absurd ist, ausgerechnet die Teilnehmenden spüren zu lassen, dass man eigentlich auf mehr Resonanz gehofft hat. Diese Leute haben sich auf den Weg gemacht und sind mit der Erwartung gekommen, dass das stattfindet, was angekündigt war. Mit großer Wahrscheinlichkeit können sie nichts dafür, dass die anderen weggeblieben sind. Warum sollte man an ihnen also auch noch auslassen, dass man nicht zufrieden ist?
Und doch passiert genau das viel zu häufig. Seit ich durch unseren Pastor dafür sensibilisiert wurde, wird mir immer wieder bewusst, dass wir allzu oft nicht das würdigen, was ist, und stattdessen über das klagen, was nicht ist. Es sind kleine, subtile Bemerkungen wie: „Wir sind noch nicht so viele, aber wir fangen schon mal an.“ Der Subtext könnte lauten: „Doof, dass ihr nicht alle pünktlich seid. Solange nur ihr da seid, sind wir ein defizitärer Haufen, aber es hilft ja nix, wir starten trotzdem.“ Allerdings können das nur die Pünktlichen hören. Wenn ich im Hauskreis darüber klage, dass heute alle so unverbindlich sind, dann treffe ich vor allem diejenigen, die zumindest an diesem Abend verbindlich dabei sind.
Drei sind auch eine Gruppe
Ich finde es wichtig, dass wir zuallererst die feiern, die da sind. Dass wir einander Wertschätzung zeigen und uns über das Vertrauen von denjenigen freuen, die gekommen sind. Immerhin haben wir die Verheißung: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Sobald außer mir noch jemand da ist, kann also etwas passieren, denn der Herr ist dabei. Barbara Wehrstein schrieb in einem Artikel im Hauskreismagazin, dass sie sich „an Abende erinnern kann, wo ich mit zwei anderen auf dem Sofa saß – und die beiden mir hinterher sagten, dass das für sie ein besonderer Abend war.“
Solche Abende müssen nicht defizitär sein, und die Klage über die Unverbindlichkeit der Welt, der Gen Z oder wahlweise meiner Mitchristen ist sicher manchmal berechtigt, weiter bringt sie uns in diesem Zusammenhang wahrscheinlich nicht.
Es spricht natürlich trotzdem nichts dagegen, sich zu fragen: Wie läuft ein Hauskreisabend ab, wenn viele nicht teilnehmen können, die sonst dabei sind? Vielleicht kann Yvonne dann berichten, was sie gerade so beschäftigt, und Levi hat die Chance, ein bisschen was von seiner Geschichte zu erzählen. Oder wir lesen mal einen längeren Abschnitt aus der Bibel als sonst.
Genaue Analyse
Das heißt nicht, dass wir es feiern sollten, wenn unsere Gruppen kleiner werden und Gemeinden schrumpfen. Es geht nicht darum, irgendetwas zu beschönigen. Wichtig ist dann, sich zusammenzusetzen und genau hinzuschauen: Fehlt uns der Nachwuchs? Kommt das, was wir machen, nicht mehr bei den Leuten an? Gibt es Konflikte, die dazu führen, dass Leute wegbleiben? Können wir Verbindlichkeit fördern? Hat sich das Format vielleicht überlebt? Müssen wir nochmals neu denken? Vielleicht auf einen anderen Abend ausweichen?
Hauskreise müssen keine Projekte sein, die erst enden, wenn die Teilnehmenden aufgrund ihrer Gebrechlichkeiten nicht mehr das Haus verlassen können. Wir haben nicht versprochen, dass wir zusammenbleiben, bis der Tod uns scheidet. Es kann also auch eine Option sein, einen Hauskreis zu beenden, wenn Menschen weiterziehen möchten – das ist legitim und es sollte auch möglich sein, das auszusprechen, ohne dass emotionaler Druck aufgebaut wird. Ein sauberes gemeinsames „Das war’s!“ ist dann viel besser als ein schleichendes Ende. Wenn es eine klare Absprache gibt, kann daraus Neues entstehen! Vielleicht wollen einige in neuer Runde und mit neuer Themenstellung weitermachen und wieder andere Menschen einladen?
Aber vielleicht ist es auch nur die Grippewelle und beim nächsten Mal sind wieder alle am Start! Dann sollten wir auch das feiern!
Christof Klenk ist Redakteur im Bundes-Verlag.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen im Hauskreismagazin, das wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.
Weiterlesen:
