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Schamlos Scheitern: Ein Ausweg aus einem ewigen Kreislauf

Seit Ostern gibt es einen Ausweg aus dem ewigen Kreislauf von Scheitern und (Selbst-)Anklage, weiß Pastor Jan Hanser.

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Der junge Mann mir gegenüber rauft sich die Haare und starrt auf die Tischkante. „Ich wünsche meinem ärgsten Feind nicht, was ich durchmache!“, stößt Tim aus und windet sich. Seit drei Tagen ist er Single und völlig am Boden. „Ich liebe Anna doch! Ich werde sie immer lieben. Ja, ich habe sie betrogen, das stimmt.“ Als wolle er es ungeschehen machen, wischt er mit der Hand einen Krümel von der Tischplatte.

Ich lausche seiner Selbstanklage und höre, wie er sich selbst verurteilt. „Ich könnte mich ohrfeigen!“, ruft er, schlägt sich selbst auf die Wange und blickt mich an. „Was machst du jetzt, Tim?“, frage ich. „Ich geh’ ins Bett. Hab mich krankschreiben lassen.“ Mühsam drückt er sich hoch und steht auf. Ich bleibe noch einen Moment sitzen. Hat mein Glaube für Tims Situation eine gute Nachricht? Oder für seine Ex-Freundin?

Nur dumm gelaufen?

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Was tue ich selbst nach einem solchen Absturz? Im Scheitern? Könnte man das, was Tim getan hat, Sünde nennen? Und was ist da eigentlich mit Anna passiert? Ist es einfach nur tragisch, dass sie betrogen wurde? Dumm gelaufen? Schicksal? Vielleicht macht sie sich ebenfalls Vorwürfe: „Habe auch ich meinen Teil beigetragen?“ Oder denkt sie doch eher: „Ich weiß, wo sein Auto steht. Na warte!“?
Wir alle kennen es, zu scheitern. Scheitern beißt sich intensiv mit unserer Vorstellung eines gelungenen Lebens. Heißt die Lösung, sich wie Tim selbst anzuklagen, sich zu verurteilen, sich mit einer saftigen Ohrfeige zu bestrafen, sich unter der Bettdecke zu begraben, um – wenn Gras über die Sache gewachsen ist – sich wieder irgendwie aus eigener Kraft aufzurichten? Gott steht wie kein anderer für die Befreiung aus zerstörerischen Lebensmustern, und er steht wie kein anderer für den Start in ein heilsames Leben! Und ob man es glaubt oder nicht: Das hat etwas mit Karfreitag und Ostern zu tun!

Bitterer Kreislauf

Sünde ist ein Wort, das zu Recht mit Argwohn beobachtet wird. Viel zu oft wurde uns mit diesem Wort – mit erhobenem Zeigefinger – ein schlechtes Gewissen gemacht. Das Wort Sünde wurde missbraucht, um Menschen klein zu halten und gefügig zu machen. Letztlich haben wir es verniedlicht, um besser damit klarzukommen. Wir schmunzeln über Temposünden, wir genehmigen uns eine süße Sünde und essen das Stück Torte, obwohl wir gerade erst den Vorsatz gefasst hatten, uns gesünder zu ernähren. Wenn die Bibel von Sünde spricht, dann meint sie damit kein moralisches Fehlverhalten und auch keine lila Schokolade. Es geht vielmehr darum, ein Ziel nicht zu erreichen. Es geht um Scheitern und um Tragik und um zerbrochene Beziehungen. Wie bei Tim und Anna. Und wie bei mir! Versagen und Tragik brechen immer wieder in meine kleine Welt ein.

Wir Menschen sind ständig damit beschäftigt, unser Scheitern zu verarbeiten.

Selbstverantwortetes Scheitern, wie man es Tim zurechnen könnte, und – nennen wir es einmal – „tragisches Scheitern“, wie bei Anna. Wenn ich mich und andere beobachte, stelle ich fest, dass wir unser Versagen in ähnlichen Kreisläufen bewältigen. Ich möchte Ihnen das am Beispiel von Tim aufzeigen.Tim scheitert ganz offensichtlich. Seine Beziehung zerbricht und er hat es verschuldet. Er klagt sich selbst an. Er verurteilt sich selbst. Dann bestraft er sich selbst. Eine saftige Ohrfeige mitten ins Gesicht („Ich könnte mich ohrfeigen!“: Wer hat sich das nicht schon einmal sagen hören?). Er vergräbt sich. Kopf unter die Bettdecke. Niemanden mehr sehen. Scham spielt eine Rolle. Es vergeht einige Zeit und er steht aus eigener Kraft wieder auf. Mühsam.

Scheitern – Anklagen – Verurteilen – Bestrafen – Begraben – Aufstehen.

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Ein Kreislauf. Ich stelle mir vor, wie Tim mit diesen Erfahrungen jongliert. Mehr Bälle als Hände. Ein immer wiederkehrender Prozess zur Bewältigung des Scheiterns.

Ostern: Wenn einer die Bälle fängt

Für die Jünger, also die Nachfolger von Jesus, welche die aufwühlende Karfreitagsnacht hinter sich hatten, war das Geschehen an Tragik nicht mehr zu überbieten. Alles gescheitert! Der junge Mann, den sie für den von Gott gesandten Retter hielten: Angeklagt! Der römische Stadthalter Pontius Pilatus hatte ihn verurteilt. Er hing am Kreuz. Tot. Jetzt war er begraben. Drei Tage später steht er auferweckt vor ihnen. Scheitern – Anklagen – Verurteilen – Bestrafen – Begraben – Auferweckt werden. In Jesus erlebt Gott genau das, was jeder von uns auch kennt. Es gibt allerdings einen kleinen, aber wichtigen Unterschied zu unserem Scheitern: Jesus steht nicht aus eigener Kraft auf. Er wird von Gott wieder aufgerichtet.

Petrus war einer der Nachfolger dieses Jesus von Nazareth. Er war dabei, als Jesus starb. Und er leugnete dreimal, seinen besten Freund zu kennen. Wollte ihn nie gekannt haben. So jämmerlich gescheitert! Jesus trifft sich nach seiner Auferweckung noch einmal mit Petrus. Er tut etwas Unglaubliches. In der Bibel, im letzten Kapitel des Buches Johannes kann man das nachlesen: Jesus legt sein Lebenswerk in die Hände dieses Petrus! Es ist Gottes Kernkompetenz, aus Mist Gold zu machen. Er ist es, der uns aus unseren Kreisläufen des Scheiterns befreit. Wir müssen nicht mehr jonglieren: Scheitern – Anklagen – Verurteilen – Bestrafen – Begraben – Aufstehen!

Der Gnade vertrauen

Der, der jeden Menschen als Original erschaffen hat, der, in dessen Vorstellungskraft (und er besitzt jede Menge davon) es nichts Großartigeres gibt als uns, der hat gesehen, dass wir mit unserem Scheitern nicht alleine klarkommen. Darum hat er sich selbst dem Scheitern unterworfen. In seinem Sohn Jesus Christus. Er hat jeden Schritt des Kreislaufes durchlebt. Doch es gibt einen deutlichen Unterschied: Er hat Jesus wieder auferstehen lassen. Und uns mit ihm! Wenn wir dabei sind, uns zu begraben, dann dürfen wir die Augen öffnen. Gott ist da. Ohne uns anzuklagen! Ohne uns zu verurteilen! Ohne Bestrafung! Ohne Scham und Ohrfeigen! Wir können damit aufhören! Er hebt uns wieder auf!

Er liebt und schätzt uns schon immer – jeden einzelnen Menschen. Und das, ohne dass wir es uns verdient haben. Das nennt die Bibel Gnade. Es ist nur an uns, auf diese Gnade zu vertrauen. Das wird alles verändern! Menschen, die die Angst vor dem Scheitern hinter sich lassen, leben auf. Sie wagen neue Dinge! Sie gewinnen an Selbstbewusstsein! Sie werden gnädig sich selbst und anderen gegenüber! Sie leben!

Im Muffelkeller

Das Haus, in dem ich wohne, hat schon zwei Kriege mitgemacht. Im Zweiten Weltkrieg schlug eine Fliegerbombe direkt im Eingangsbereich ein. „Et war en riesiges Loch. Dat klaffte inner Wand“, berichtet mir die Dame aus dem Erdgeschoss. „Ne zweite Bombe hat direkt hinter Ihnen eingeschlagen.“ Sie sagt das, als wär‘s eben passiert, und ich blickte erschrocken nach hinten. „Darum is der Keller auch so feucht“ sagt sie. „Se ham doch nich etwa wat ringestellt?“ „Ich geh mal nachsehen“, sage ich und flitze die ausgetreten Stiegen nach unten.

Es mieft mir schon entgegen, als ich die klamme Holztür öffne. Eine Mischung aus altem Fisch, brackigem Wasser, zu lange feucht gelegenen Lappen und … Ich brauche wohl nicht fortzufahren. Ich trete ein. Es ist eng und dunkel und feucht. Kaum auszuhalten. Überall liegt altes Gerümpel rum. Schimmel kriecht an einigen nassen Kartons hoch. Hinten ist ein kleiner Holzverschlag. Er ist die Krönung des Kellerschreckens. Während ich vorsichtig versuche, mich aufzurichten, ohne mit den Haaren in die Spinnenweben zu geraten, kommt mir eine Aussage von Jesus in den Kopf: „Ich bin das Licht der Welt.“

Ja, ich brauche Licht in diesem düsteren Keller und ich muss feststellen, dass auch ich so einen Muffelkeller in mir habe. Da hat eine Bombe eingeschlagen, durch die Verletzung tröpfelt bis heute das muffige Wasser in mein Kellerloch und vergiftet mich. Tragisch. Ich habe jemanden verletzt. Bin gescheitert. Und alles habe ich in meinen feuchten Keller gesteckt: schön sortiert und archiviert.

Licht in Dunkel

Jeder hat einen solchen Ort. Einen Ort, an dem die Dinge versteckt sind, die wir an uns selbst nicht mögen. Das, wofür wir uns vielleicht sogar hassen und selbst ohrfeigen möchten. Einen Ort, an dem wir vielleicht unser Potenzial vergraben haben, an dem es vor sich hinmodert. Jesus steht zu uns mit allem, was wir sind. Auch mit unserem Scheitern. Zärtlich leuchtet sein Licht der Vergebung unseren Keller aus. Schluss mit Verstecken. Schluss mit unseligem Jonglieren. Dieses Licht von Jesus gibt mir die Kraft, zu meinem Scheitern zu stehen. Ich kann es vor mir selbst, vor meinen Mitmenschen und vor Gott eingestehen, weil ich weiß, dass Jesus mich nicht verurteilt. Rückwärts verlasse ich den alten muffigen Keller. Ich gehe die ausgetretenen Stufen nach oben. Ich habe eine wertvolle Erkenntnis gewonnen. Die Sonne scheint. Es ist Ostern!

Jan Hanser ist Pastor der Gemeinde „unterwegs“ in Mönchengladbach


Dieser Artikel stammt aus dem lebenslust Oster-Special „Ostern – „Nach dem Leben geht es weiter“, das es zu günstigen Mengenpreisen gibt. Das kleine Heft eignet sich besonders gut zum Weitergeben an Freunde, Nachbarn, Kollegen oder an Gottesdienstbesucher.

 

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