Johannes Hartl (Foto: johanneshartl.org)
Die Einheit der Christen ist eine Voraussetzung für gelingende Evangelisation. Darüber diskutierte der katholische Theologe Johannes Hartl auf dem Festival SPRING mit dem Leiter von Campus für Christus Schweiz, Andreas Boppart.

Von Moritz Breckner

„Du bist des Teufels.“ Mails mit solchen Sätzen bekommt Andreas Boppart, wenn er mal wieder mit der „falschen“ Kirche zusammengearbeitet hat. Der Leiter von Campus für Christus Schweiz weiß, dass es unter evangelikalen Christen zuweilen Vorbehalte gibt gegen gemeinsame Aktionen, etwa mit der Katholischen Kirche. Bei einem gemeinsamen Referat mit dem katholischen Theologen Johannes Hartl, Gründer des Gebetshauses Augsburg, ist Boppart dennoch entspannt. Vor mehreren hundert Zuhörern auf dem Gemeindeferienfestival Spring am Mittwoch in Willingen stimmten beide zu Fragen der Einheit der Christen überein.

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Hartl erklärte zunächst klipp und klar: „Ich habe überhaupt nicht den Anspruch, Menschen katholisch zu machen, ich will Menschen für Jesus begeistern.“ Er verglich die Christen in Deutschland mit Fussballspielern, die nicht wüsste, dass sie in der gleichen Mannschaft spielen. „Die verschwenden jede Menge Energie, weil sie nicht wissen, dass sie das gleiche Tor, also das gleiche Ziel, haben“, sagte Hartl. Dieses Ziel sei, dass Menschen Jesus Christus kennenlernen. „Wer das will, gehört offensichtlich mit mir in ein Team. Man kann dann immer noch sagen: ,Dein Style gefällt mir nicht‘. Man muss nicht in allem übereinstimmen, wenn man das gleiche Tor hat!“, erklärte Hartl.

Wenn Christen sich gegenseitig bekämpfen

Er wolle damit nicht sagen, dass alle lehrmäßigen Unterschiede zwischen den Konfessionen irrelevant seien. Aber: „Du kannst einen Menschen lieben, obwohl du nicht in allem mit ihm übereinstimmst.“ Der Theologe äußerte den Wunsch, dass Christen aufhören, gegeneinander zu spielen, und ging dabei besonders auf die Debattenkultur im Internet ein. „Es ist faszinierend zu sehen, mit welchem Eifer Menschen Zeit und Ressourcen verschwenden, um Menschen zu bekämpfen, die grundsätzlich das gleiche wollen“, sagte er. Doch ein jeder Christ müsse bedenken: „Es gibt Menschen, die Jesus total lieben und die Bibel hervorragend kennen, und die trotzdem anders denken als du!“

Hartl bedauerte, dass es Christen oft so schwer falle, Christus in ihrem Gegenüber zu erkennen. In seiner Wahrnehmung schrecke Uneinigkeit auch Menschen von außen ab, die noch keine Christen sind. Im Reich Gottes solle es eine Kultur der authentischen Wertschätzung geben. „Wenn wir das nicht schaffen, wie sollen dann Menschen, für die Jesus gekommen und gestorben ist, jemals auf die Idee kommen, dass bei uns der Ort der Annahme zu finden ist?“, fragte er. Die Menschen seien Jesus in Scharen nachgelaufen, weil er eine ansteckende Liebe ausgestrahlt habe.

Hartl: Ich bin evangelikal

Boppart und Hartl warben gemeinsam für die Initiative „Europe Shall Be Saved“, die sich für einen geistlichen Aufbruch in Europa einsetzt. Boppart sagte, Gott beginne „mit Europa ganz neu“. „Wir als Christen haben die Aufgabe, da Hoffnung hineinzusprechen“, sagte er. „Wenn wir als Christen aufhören, für die Kirche in Europa zu hoffen, dann wird sie sterben“, führte Boppart aus. Der Schweizer stellte außerdem fest: „Eine hoffnungslose Gesellschaft ist nie das Problem, sondern eine Kirche, die aufgehört hat, Hoffnung hineinzutragen.“

Hartl sagte, dass er sich auf dem Gemeindeferienfestival zwischen den vielen landes- und freikirchlichen Protestanten zuhause fühle. Er verstehe nicht, warum das Wort evangelikal für viele Christen eine negative Bedeutung habe: „Ich bin ja auch ein Evangelikaler. Das dürft ihr nur keinem sagen“, scherzte er.

 

10 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Ja ich mag Johannes H … Er gibt mir in seinen Vorträgen viel davon was ich von Jesus auch bekomme. Jetzt wird man sagen,“Dann bleib doch bei deinen Jesus“. Nein das möchte Jesus aber nicht, er sagt das ich losgehen soll und erzählen soll was ich mit mit ihm erlebt habe. Das bedeute für mich evangelikal leben und Jesus segnet das und so kommen Menschen zum Glauben an ihn.
    „Ich bin ja auch ein Evangelikaler. Das dürft ihr nur keinem sagen“, scherzte er …. Ja richtig, nur, wer versteht diesen Scherz nun wirklich. Für manch einen war es so Gott will das kleine Senfkorn welches noch wachen muss, so wie wir alle noch nicht vollkommen sind.
    LG … P.N.

    • Ich kann auch nur davor warnen mit Hartl im selben Team zu spielen. Der einzige objektive Gradmesser ist die Heilige Schrift. Vieles von Herrn Hartl hört sich richtig an, genau das macht ihn aber auch sehr gefährlich. Die Bibel sagt: „Wer mein Wort liebt und hält, der hat mich lieb“ (Joh. 14,23). Die Lehre der Kath. Kirche ist von Anfang an, mit heidnischen Elementen vermischt worden (Maria,Heilige und vieles mehr). Die Kath. Kirche hat sehr viel dazu gemacht, die Evang. Kirche lässt immer mehr weg, beides ist nicht stimmig mit dem Wort Gottes. „Sola scriptura“
      Lasst Euch nicht verführen – der Feind kommt manchmal auch sehr fromm daher!

  2. Liebe „Hartl-Fans“, seid Ihr Euch eigentlich bewusst wie oft in der Bibel vor falschen Propheten gewarnt wird? Wie könnt Ihr einem (mit Sicherheit überaus sympathischen) Menschen trauen, wenn er in seinen Büchern absolut zu den Dogmen „seiner“ Kirche steht? Wisst Ihr genau, was bei einer katholischen Messe für Götzendienst abläuft? Das sind Opfer des Alten Testaments, doch Jesus Christus hat das EINMALIGE OPFER FÜR ALLE EWIGKEIT vollbracht (Hebräerbrief) – basta! Und wenn ein Mensch auch 95% Richtiges sagt, doch mit 5% daneben liegt, dann heißt das immer noch „vorbei am Ziel“!

  3. In all den Internetdiskussionen scheint die Menschlichkeit die Oberhand zu haben. Die Menschen sollten anfangen sich vom Geist, vom Heiligen Geist leiten zu lassen, dann würden sie sich nicht so erregen. Wenn der Geist einmal die Oberhand bei einem Menschen gewonnen hat, erregt er sich nicht bei jedem Windstoß. Vielleicht wird er mehr zu leiden haben, aber niemals würde er Groll gegen den anderen im Herzen tragen.
    Jesus interessiert der Glaube, die Liebe in einem Menschen. Ich denke an die kananäische Mutter, die verstanden hat ein Hündlein des Hauses zu sein. Ja glaubt ihr denn nicht, dass aus ihr eine Tochter des Vaters wurde, die an seinem himmlischen Tisch Platz fand?
    Ich finde Dr. Hartl hat recht damit evangelikal zu sein. Damit steht er über dem Streit und propagiert die Nächstenliebe, an der man den Christ erkennen muss. Egal ob evangelisch oder katholisch, Baptist usw. Wir sind noch nicht mal würdig uns Christ zu nennen, solange wir uns gegenseitig bekämpfen. Stattdessen gehen wir damit in Wirklichkeit dem Widersacher auf den Leim, weil es uns am Ende mehr um Rechthaberei als um die Wahrheit geht.
    Prüft euer Herz und redet nur, wenn es in Gottes Frieden ruht!

  4. Im NT haben sich die Christen auch versucht, sich „einzuteilen“: Ich bin paulisch. Ich bin apollisch. Eben je nach Apostel, der sie damals von Jesus überzeugt hat. Wer das NT aufmerksam liest, wird auch hier feststellen, dass der Glaube an sich wichtig und entscheidend ist und nicht dessen Urheber.

  5. können diese Augen lügen?
    Können schon, aber er scheint eine ehrliche Haut zu sein und Menschen wenden sich durch seinen Dienst Jesus zu, das ist ausschlaggebend!
    Wir sollten stolz und dankbar sein, dass es noch ein paar effektive Arbeiter in Gottes Weinberg gibt !

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