Katja Zimmermann
Katja Zimmermann (Foto: Jesus.de / Daniel Wildraut).
Einmal als Musikerin zu arbeiten war für Katja Zimmermann lange nicht vorstellbar. Doch nach einer großen Enttäuschung stellte sie die Weichen in ihrem Leben neu. Ein Gespräch über Scheitern, Loslassen und Vertrauen.
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Katja, was wie sahen deine ersten musikalischen Gehversuche aus?

Katja Zimmermann: Ich habe in der Grundschule angefangen, Blockflöte zu spielen. Unsere Nachbarn haben dann einen Kinderchor gegründet und mich eingeladen mitzusingen. Dort stellte sich raus, dass ich das ganz gut konnte. Für mich ist das einfach Gottes Führung gewesen, dass Menschen mich so beschenkt und ermutigt haben. Später habe ich immer wieder bei verschiedenen Projekten mitgemacht, zum Beispiel bei News Challenge. Mit Gesang, Tanz und Schauspiel haben wir dort gemeinsam eine Show auf die Beine gestellt, die dann in Gemeinden oder auf öffentlichen Plätzen aufgeführt wurde. So haben wir in einer modernen Form von Jesus erzählt. Das war ein Meilenstein, der mich geprägt hat, nicht nur musikalisch, sondern auch geistlich.

„Für mich ist das einfach Gottes Führung gewesen,
dass Menschen mich so beschenkt und ermutigt haben“

Aber du bist nicht direkt Sängerin geworden, sondern hast erstmal etwas ganz Bodenständiges gelernt.

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Ich habe einfach nicht gedacht, dass man mit Musik überhaupt Geld verdienen kann. Deshalb habe ich erstmal Erzieherin gelernt. Ich fand es cool, mit Kindern zu arbeiten. Im letzten Jahr meiner Ausbildung bin ich dann aber nicht zur Abschlussprüfung zugelassen worden und musste überlegen, wie es weitergehen sollte. Ich wollte die Ausbildung gerne zu Ende machen, weil ich ein Mensch bin, der Sachen gerne durchzieht. Aber ich war auch enttäuscht, dass es so kurz vor dem Ziel nicht geklappt hat. Deshalb habe ich erstmal ein Jahr Pause gemacht und in einer Fabrik Geld verdient, Gesangsunterricht genommen und eine Band gegründet. In dieser Zeit hatte ich den Kopf frei, um mich mit Musik zu beschäftigen. Ein prägender Mensch in meinem Leben war meine Gesangslehrerin. Sie hat mich immer wieder gefragt, warum ich die Musik eigentlich nicht zum Beruf mache. Nach meiner Erzieherausbildung habe ich mich also an der Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl beworben.

Wie bist du mit dem Scheitern deines Lebensplans umgegangen?

Ich habe heute einen ziemlich festen Glauben. So dass ich Dinge, die passieren oder die Gott macht, nicht so heftig anzweifle, weil ich darauf vertraue, dass er es gut mit mir meint. Vielleicht hat sich das in dieser Zeit entwickelt. Nach der Enttäuschung und dem Frust habe ich mehr und mehr gemerkt: Es wird einen Grund haben, dass alles so gekommen ist. Im Nachhinein ist es mir total klar, dass es diesen Bruch geben musste, weil ich aus mir heraus diesen Schritt wahrscheinlich gar nicht gegangen wäre. Es lief ja alles glatt. Und dann wäre ich vielleicht immer noch Erzieherin.

Katja Zimmermann
Katja Zimmermann (Bild: Yasmina Hunzinger)

Wann kam der Punkt, an dem du dein Hobby endgültig zum Beruf gemacht hast?

Der Schritt von der Schule in die Selbstständigkeit lief nicht ganz so reibungslos. Ich war noch nicht so gut vernetzt in der christlichen Musikszene, das musste erstmal wachsen. Weil ich nicht wusste wie ich es anstellen sollte, habe ich es lange vor mir hergeschoben, überhaupt anzufangen. In dieser Zeit habe ich mich an verschiedenen Stellen beworben. Ich hatte sogar nochmal ein Bewerbungsgespräch in einem Kindergarten. Als ich aus diesem Gespräch kam, wusste ich plötzlich ganz genau, dass das nicht mein Platz war. Schließlich habe ich von einer befreundeten Sängerin meine erste Schülerin vermittelt bekommen – das war der Start. Dann habe ich bei einer privaten Musikschule angefangen, Gesangsunterricht zu geben, und so wurde es langsam immer mehr.

Gab es einen Moment, in dem du alles hinschmeißen wolltest?

Ich hatte immer Lust, Musik zu machen, aber es gab einige Momente, in denen ich so wenig Arbeit hatte, dass ich total in Geldnot war. Da stellt man sich natürlich die Frage, wie es weitergehen soll. Zum Beispiel, als ich mit der Ausbildung fertig war. Da musste ich mich erstmal arbeitslos melden. Irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich entscheiden musste, ob ich mich für einen „normalen Job“ vermitteln lasse oder ob ich die Sicherheiten aufgebe und etwas in meinem Beruf als Musikerin suche. Bis zu einem bestimmten Tag musste ich mich entscheiden. An dem Tag bekam ich von einem Produzenten die Anfrage für eine Studioaufnahme. Das war für mich ein Zeichen – so, als wenn Gott sagen würde: Du gehst jetzt diesen Weg und ich versorge dich. Es ist zwar immer wieder aufs Neue herausfordernd, alles loszulassen und darauf zu vertrauen, dass Gott sein Versprechen auch hält, aber dieser Moment hat mich sehr darin bestärkt.

Ist Loslassen ein wichtiges Thema für dich?

Ich bin ein großer Fan von Entwicklung und Veränderung. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es total wichtig ist, Dinge loszulassen, die verhindern, dass ich mich verändern kann und frei werde.

Wie ist das mit Lob und Kritik, da musst du als Künstlerin wahrscheinlich auch sondieren, was du annimmst und was nicht?

Mit Kritik ist es ja meistens so, dass, wenn dir fünf Leute sagen, wie toll du es gemacht hast und einer etwas zu meckern hat, oft nur das Negative hängen bleibt. An solchen negativen Dingen sollte man sich nicht festhalten. Wenn es aber etwas ist, das mich weiterbringt, ist es gut, darüber nachzudenken.

Wie entstehen deine Lieder?

Manchmal entsteht aus einem Alltagsmoment ein Lied. Ich habe aber auch schon oft erlebt, dass Gott Situationen schenkt, in denen er zu mir spricht. Dann fließt ein kompletter Text aus mir heraus, ohne dass ich erklären könnte, wo der herkommt. Das sind für mich solche Heiliger Geist-Momente, in denen mir das einfach geschenkt wird.

„Ich habe aber auch schon oft erlebt,
dass Gott Situationen schenkt,
in denen er zu mir spricht“

War es so auch bei den Texten in deinem neuen Buch „Himmelherz“?

Ja, ich hatte in dem ganzen Entstehungsprozess immer wieder den Eindruck, dass Gott mir gewisse Texte schenkt. Gott hat in diesem Buch sein Ding gemacht, um Menschen zu erreichen, die das hören müssen.

Wie kommt es, dass du jetzt auch noch als Autorin unterwegs bist?

Vor zwei Jahren habe ich mein erstes Album rausgebracht. Ich wollte das Booklet etwas umfangreicher gestalten, mit weiteren Texten zu den Liedern und Bildern. Ich habe vor Jahren angefangen, immer wieder kleine Texte in mein Handy zu tippen, und ich dachte mir, dass es schön wäre, diese Notizen als Ermutigung abzudrucken. Da ich das Projekt aber selbst finanziert habe, musste ich irgendwann einsehen, dass ich mir das gar nicht leisten konnte. Je mehr Seiten so etwas hat, umso teurer wird es. Also habe ich es Gott überlassen, ob so ein Projekt irgendwann Realität werden kann. Ein halbes Jahr bevor meine CD veröffentlicht wurde, bekam ich eine Anfrage von einem Verlag, ob ich mir vorstellen könnte, ein Lyrikbuch zu veröffentlichen.

Was machst du, wenn du weder Bücher schreibst, noch auf der Bühne oder hinter dem Mikro stehst und auch keine Schüler hast?

Mir wirklich Zeit für Sachen nehmen. Das Schöne ist, dass ich an freien Tagen nichts muss. Dann mache ich nur gemütliche Dinge.

Danke für dieses Gespräch.

Die Fragen stellte Julia Kallauch


Dieses Interview ist zuerst im Frauenmagazin JOYCE erschienen, das wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört. 

Neben ihrer Arbeit als Studio-Sängerin, Vocal Coach und Gesangsdozentin unterstützt Katja Zimmermann auch Bands und Formationen mit ihrer Stimme. Seit 2006 wirkt sie bei den Willow Creek-Kongressen in Deutschland mit. 2007 gewann sie beim „Deutschen Rock & Pop Preis“ den ersten Platz als „Beste Popsängerin des Jahres“. Nach einer englischsprachigen Solo-EP erschien im Februar 2016 ihr erstes Album „Himmelwärts“, mit hauptsächlich deutschen Liedern. Knapp ein Jahr später wurde ihr Buch „Himmelherz“ beim Neukirchener Verlag veröffentlicht.

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