Derbygottesdienst (Bild: Jonas Tacke)
„‚You’ll never walk alone‘ zum Auftakt des Derby-Gottesdienstes“ twittert Sky-Sportreporter Stephan Schäuble. Wann schickt einen die Redaktion auch schon mal in eine Kirche? Und wann erschallt an so einem Ort die bekannte Fußballhymne? An Abenden wie heute, wenn die Vereins-Symbole des FC Schalke 04 und des BVB rechts und links neben einem königsblauen Kreuz aufleuchten. Derbygottesdienst. Und wir sind mittendrin – zwischen schwarz-gelben und blau-weißen Trikots.

Von Laura Schönwies

Die Hoffnungskirche Herten wurde anlässlich des anstehenden Bundesligaspiels zwischen S04 und dem BVB herausgeputzt. An den Wänden hängen die Banner der „Totalen Offensive Dortmund BVB“ und des Fanclubs „Mit Gott auf Schalke“. Die Besucher tragen fransige Fanschals, obwohl es im Kirchraum warm ist. Aber sie gehören natürlich dazu. Und auch die Songtexte beim Lobpreis werden in weißer Schrift auf blauem Hintergrund präsentiert. Hier wird keine Farbsymbolik dem Zufall überlassen.

Doch trotz der symbiotischen Verbindung zwischen Fußball und Glaube darf der Fußball nicht überhand nehmen, das ist Anke Ballhausen, zweite Vorsitzende des Fanclubs „Mit Gott auf Schalke“, ganz wichtig. „Man muss natürlich schon schauen, dass es immer noch ein Gottesdienst ist, auch wenn wir lachen und ein bisschen Klamauk machen.“

„Ich könnte mir gar nicht vorstellen ohne Gott ins Stadion zu gehen“

Der Derby-Gottesdienst findet bereits zum zehnten Mal statt. Alles begann 2013 in Bochum – auf neutralem Boden sozusagen. Seitdem wechseln sich die Schalker und Dortmunder als Gastgeber ab. Die Idee dazu ist übrigens ganz weltlich in einer Kneipe entstanden. „Da haben die Dortmunder gesagt ‚Die spinnen die Schalker mit ihren komischen Ideen'“, erinnert sich Ballhausen und lacht.

Anke Ballhausen, zweite Vorsitzende des Fanclubs „Mit Gott auf Schalke“, mit Sky-Reporter Stephan Schäuble im Gespräch.

Nicht nur die Kombination Dortmund – Schalke erscheint manchem gewöhnungsbedürftig, auch die Verbindung Gottesdienst – Fußball treibt einigen tiefe Falten auf die Stirn. „Komisch, dass damit so viele Leute ein Problem haben. Christen sagen mir immer wieder: ‚Fußball ist zu banal‘ und Fußballfans sagen ‚Fußball ist super, aber lass mich mit deinem Glauben in Ruhe‘. Ich finde, es passt super zusammen. Es gehört auch zusammen“, unterstreicht Ballhausen. Wir haben einen Gott, der im Alltag bei uns ist. Und für uns hat Alltag viel mit Fußball zu tun. Ich könnte mir gar nicht vorstellen, ohne Gott ins Stadion zu gehen. Bei einer richtig herben Niederlage bin ich dankbar dafür, dass Gott an meiner Seite ist. Und wenn wir gewinnen, dann freu ich mich, dass Gott mit mir feiert.“

Beide Kombinationen funktionieren. Der Gottesdienst ist lebhaft. Berührungsängste gibt es keine. „Jetzt steht mal alle auf und geht auf jemanden zu, der andere Farben trägt als ihr selber und sagt ‚Schön, dass du da bist'“, fordert der Pfarrer die Gemeinde auf. „Wo ist denn hier der Kölner?“, fragt ein Dortmunder laut, der wohl den einzigen Fan aus dem Rheinland lieber drücken möchte, als einen Blau-Weißen.

Dennoch ist die Stimmung herzlich. Trotz der Sprüche, die sich die Anhänger gegenseitig um die Ohren hauen, beten sie doch um ein friedliches Miteinander – gerade auch beim Derby.

Schalke-Star im Gottesdienst

Olf Rudzio, Pastor der Hoffnungskirche Herten (Bild: Jonas Tacke).

Natürlich kann sich auch der Pfarrer mit dem blau-weißen Schal den ein oder anderen verbalen Seitenhieb nicht verkneifen. Für Olf Rudzio, Pastor der Hoffnungskirche Herten, gehört das gemeinsame Lachen sowieso mehr in den Gottesdienst. Er verweist auf das Ritual des Osterlachens, wie es früher Tradition war. Doch das soll nicht die einzige Emotion an diesem Abend bleiben: Tore, die in die Geschichte der Schalker eingegangen sind und jedes Fanherz berühren, erscheinen auf den beiden großen Leinwänden neben dem Kreuz. Da muss sich eine Dame in Blau-weiß doch ein Tränchen wegwischen. Eine ganz große Überraschung für alle Schalker steht auch noch an:

Der Ex-Schalker Martin Max (Bild: Jonas Tacke)

Martin Max, zweimaliger Bundesliga-Torschützenkönig und beim Europapokaltriumph der Königsblauben in Mailand vor 20 Jahren beteiligt, ist gekommen, um das Projekt „Schalke hilft“ vorzustellen. Neben gefährlichen Einsätzen im Libanon, bei dem der ehemalige Profi hilft Kinder von der Straße auf den Fußballplatz zu holen, setzt er sich auch für die Königsblauen ein, bei denen sich unter dem Trikot eine Fußball-ähnliche Kugel abzeichnet. Hier ist nicht nur Sport gucke gefragt, sondern Sport machen.

„Jetzt brauchen wir Lobpreis zum Runterkommen“, meint Rudzio nach so viel Aufregung. Danach spendet er den Segen – auch für die Schwarz-Gelben.

Jetzt bekommt Sky-Reporter Schäuble mit Max auch noch einen echten Promi vor die Kamera. Und wie fand der Ex-Profi den Gottesdienst? „Heute war mein erster Derby-Gottesdienst und ich hab es genossen. Es war ein kurzweiliger Abend, der viel zu schnell zu Ende gegangen ist. Er hat mir gezeigt, wie so ein Derby sein sollte. Die Rivalität gehört zwar mit dazu, das ist keine Frage und man kann sich auch mal einen Spruch schicken, nur es muss friedlich bleiben. Ich hoffe, dass es am Samstag auch so wird.“

„Der Glaube hat mir viel fürs weitere Leben gegeben“

Max sitzt aber nicht „nur“ als Schalker im Derby-Gottesdienst, sondern auch als Christ. „Ich komme aus einer strenggläubigen Familie. Ich bin katholisch erzogen worden, da gehörte es dazu, dass ich als Kind jeden Sonntag zur Kirche gegangen bin. Das hat mir sehr viel fürs weitere Leben gegeben.“

Das Abschlussbild nach dem Derbygottesdienst (Bild: Jonas Tacke)

Stephan und sein Kameramann packen ihre Utensilien zusammen. Der Reporter resümiert: „Es ist so schön zu sehen, wie diese beiden großen Rivalen miteinander feiern und sich in den Armen liegen. Wir sind mit der Kamera ja meistens auf dem Trainingsplatz oder im Stadion dabei. Und dann sowas zu erleben in einer ganz anderen Atmosphäre, das ist schon sehr angenehm. Es war kein klassischer Gottesdienst, in den die Menschen nicht eingebunden sind, sondern da ist Leben drin. Da wird mitgeklatscht, mitgesungen, mitgefeiert. Eine sehr schöne Abwechslung, auch für uns als Reporter.“

Ein vielseitiger Beitrag sei entstanden, nicht nur für Christen: „Wir bringen das für alle Fußballfans“, so Schäuble. „Diejenigen, die nicht dabei sein konnten oder wollten, bekommen vielleicht den ein oder anderen Anstoß, was hier gesagt und gebetet wurde. Gerade die Fürbitten waren schön, weil die ein Dortmunder und ein Schalker zusammen gemacht haben. Das ist für den ein oder anderen Fan vielleicht auch ein Impuls dabei.“

Na dann: Glück auf!


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