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EKD-Ratsvorsitzende wirft Patriarch Kyrill Gotteslästerung vor

Die Ratsvorsitzende der EKD, Annette Kurschus, hat dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Kyrill, wegen dessen Rechtfertigung des Kriegs in der Ukraine Gotteslästerung vorgeworfen. Sie kritisiere aber auch die Idealisierung des Ukraine-Kriegs als Verteidigung westlicher Werte.

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„Mich empört, wenn der Patriarch von Moskau einen Angriffskrieg als gottgewolltes Mittel darstellt, um seine eigene Auffassung des Christentums und seine Sicht der Geschichte durchzusetzen“, sagte die westfälische Präses laut Redemanuskript beim Johannisempfang der EKD am Mittwochabend in Berlin.

„Gott in dieser Weise vor den eigenen Karren zu spannen, halte ich für Gotteslästerung“, ergänzte sie. Kurschus sagte zugleich, sie verurteile nicht die gesamte russische Orthodoxie, die vielstimmig sei. „Wir dürfen und werden die ökumenischen Brücken zu ihr nicht abbrechen“, betonte Kurschus erneut die Haltung der EKD zum Dialog mit der Kirche in Russland.

Kurschus wittert „geschichtstheologische Überhöhung des Krieges“

Die Theologin äußerte aber auch Skepsis gegenüber Äußerungen, die die Verteidigung der Ukraine gegen den russischen Angriff pauschal als Verteidigung westlicher Werte idealisierten. „Auch hier wittere ich eine geschichtstheologische Überhöhung des Krieges, die mir suspekt ist“, sagte Kurschus.

Die Verteidigung von Freiheit und Recht sei einen engagierten Streit wert. „Aber dieser Streit muss sich unterscheiden von der Logik machtvoller Überwältigung, bösartiger Unterstellung und hasserfüllter Abwertung derer, die anders denken“, sagte sie.

Quelleepd

8 Kommentare

  1. Letztlich kann nur Gott helfen

    Frau Kurschuss hat vollkommen recht. Einen Krieg – zumal noch in großen Teilen von russischen Truppen gegen die Zivilbevölkerung gerichtet – mit der Rettung von (christlichen) Werten zu begründen – ist irrsinnig. Das „du sollst nicht töten“ ist die Grundethik der 10 Gebote. Man darf und muss eigentlich das Recht auf Notwehr immer einräumen, was zugegeben auch den Krieg ermöglicht. Gäbe es dieses Recht nicht, würde es nicht praktiziert, wird den Starken erlaubt die Schwachen zu unterjochen. Dass sich die Ukraine gegen den Versuch eines völkerrechtswidrigen Durchmarsches wehrt, ist einerseits ein notwendiges Übel, andererseits aber auch dem Umstand geschuldet, dass wir nie in diesem Leben und dieser Welt unsere Hände in Unschuld waschen können. Jeder Tote ist einer zu viel. Alle Kriege treten die Liebe Gottes, die wir auf dieser Welt nicht verkündigen sondern leben sollen, zwangläufig in den Sand. Herr Kyrill wirkt dabei mit. Und zwar nur wegen seiner Freundschaft zur Macht des russischen Regimes, dass die Menschenrechte und die Werte unseres christlichen Glaubens ab adsurdum führt. Selbstverständlich sind nicht alle böse. Ich und wir sind nur böse, wenn wir ganz persönlich etwas tun – oder tun müssen – was die Gebote verletzt. Deshalb sind wir alle, auch wenn wir nicht unmittelbar im Krieg sind, Beteiligte. Niemand kann sich seine Hände in Unschuld waschen. Aber ein erster Anfang ist, die Realität kritisch zu hinterfragen. Auch das immer weitere Aufrüsten der Ukraine gegen einen Feind, der 15fach überlegen ist – und der möglicherweise auch weiter aufrüstet – darf nicht mit einem Denkverbot belegt werden. Das führt zu einem ethischen Dilemma. Wenn wir nämlich nicht mit Waffen helfen, siegt ebenso das Unrecht. Letztlich kann hier nur Gott helfen. Nur er ist dazu in der Lage, dass wir den Krieg und die Atombomben zu ächten und für alle Zeiten abzuschaffen. Lediglich ein solches Wunder, und das Gebet dafür, schafft wirklichen Fortschritt. Was jedenfalls immer bleibt ist die Hoffnung, dass wirtschaftliche Schwierigkeiten des russische Regime zwingt, ernsthafte Verhandlungen aufzunehmen. Aber geht das mit Putin ? Mit einem Lügner ? Oder muss diese Kröte auch noch geschluckt werden. Vor vielen Jahrzehnten haben wir, mit dem Blick auf das unrühmliche Dritte Reich nächtelang heiß diskutiert, wann und unter welchen Voraussetzungen ein Tyrannenmord gerechtfertigt wäre. Allerdings der Eintritt von Herrn Putin in den Ruhestand würde ein Verhandlungshindernis möglicherweise beseitigen. Kriegsverbrecher sollten in einem rechtlichen Verfahren angeklagt und gegebenenfalls für immer hinter Gitter kommen. Beten wir auch darum mit Hoffnung auf die Phantasie des Himmels.

  2. Ich meine natürlich, dass wir die Liebe Gottes verkündigen sollen – und dann natürlich leben. War ein Schreibfehler.

  3. Der Patriarch täte gut daran, dem Kriegsverbrecher und Mörder konsequent ins Gewissen zu sprechen, weil Gott niemanden ungestraft lässt, der sein liebes und Segensangebot mit den Füßen tritt.
    Der Patriarch macht sich ob seiner Unterwerfung in allen Punkten mitschuldig.

    • Nun, Kyrill war aktiver Mitarbeiter des KGB. Da ist das wohl weniger eine Unterwerfung als vielmehr eine Unterstützung aus Überzeugung für seinen Freund und früheren Kollegen Putin.

  4. Lieber Jörg: War Kyrill (vermutlich) wirklich ein KGB-Mitarbeiter? Vielleicht braucht man, wenn man nicht so weit geht, auch nur vermuten dass er wie der größere Teil der Staatsbürger der Propaganda zum Opfer gefallen ist. Doch da nagen Zweifel an mir, ob ein Kirchenoberhaupt so naiv ist.

    • Ich denke, in der Position kennt man die Wahrheit über diesen Krieg. Daraus folgt, dass er nicht naiv oder ein Propagandaopfer ist sondern abgrundtief böse.
      Und er war wohl wirklich früher aktiv beim KGB.

      • Ich habe noch mal nachgeforscht:
        Er war nach seiner Priesterweihe Offizier beim KGB.
        Das Patriarchenamt scheint auch gut bezahlt. Sein Privatvermögen beträgt ca. 4 Milliarden Dollar.

  5. Wenn der Patriarch Offizier beim KGB war, dann wundert mich nichts. Das wäre so, als wenn ein Kirchenpräsident vorher bei der SS gedient hätte. Der alte und sehr charismatische Ev. Kirchenpräsident Martin Niemöller war U-Boot-Kommandant im 2. Weltkrieg. Allerdings wurde aus ihm später vermutlich ein Pazifist, er hat sich gegen den Irrsinn der Atomaufrüstung gewandt und eher mit seiner früheren Einstellung gebrochen. Aber das Thema Krieg in der Ukraine macht Kopfschmerzen für die in der Sache liegenden Widersprüche. Wenn es angeblich gar keinen gerechten Krieg gibt, wäre auch jener der Ukraine nicht gerecht. Allerdings ist das was Putin und sein Staatssystem tut in gröbster Weise die Verletzung aller Menschenrechte und die russische Kriegsmaschine ist vermutlich schuldig an zahlreichen Kriegsverbrechen. Ich frage mich da wie ein Herr Kyrill nachts gut schlafen kann.

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