Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland hat die ehemalige Bundesministerin Irmgard Schwaetzer mit deutlicher Mehrheit an ihrer Spitze bestätigt. Deutlich waren auch Worte des Ratsvorsitzenden Bedford-Strohm zur weltweiten Flüchtlingskrise.
Die ehemalige FDP-Spitzenpolitikerin Irmgard Schwaetzer leitet weiterhin die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Das Kirchenparlament wählte die 73-Jährige am Samstag erneut zur Präses. Zudem forderte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm bei der Synodentagung in Würzburg eine energische politische Initiative zur Beseitigung der weltweiten Fluchtursachen.
Schwaetzer leitet die Synode seit November 2013. Für die nächsten sechs Jahre wurde das EKD-Parlament indes turnusgemäß neu zusammengesetzt, so dass auch eine Neuwahl des Synodenpräsidiums nötig wurde. Für die ehemalige Bundesministerin Schwaetzer stimmten bei der Wiederwahl 111 Mitglieder des Kirchenparlaments. Es gab eine Gegenstimme und drei Enthaltungen.
"Ich bin sehr bewegt von dem großen Vertrauensbeweis", sagte die Berlinerin Schwaetzer nach der Wahl. Vor der Abstimmung hatte sie angekündigt, die Synode als Impulsgeber in der EKD weiter profilieren zu wollen. Schwaetzer steht an der Spitze eines sieben Mitglieder umfassenden Präsidiums, das in Würzburg komplett neu gewählt wurde. Bei keiner Abstimmung gab es Gegenkandidaten. Stellvertreter Schwaetzers sind der rheinische Oberkirchenrat Klaus Eberl, der ebenfalls wiedergewählt wurde, und die Diplompädagogin Elke König aus der Nordkirche, die bislang eine der vier Beisitzer im Präsidium war.
Der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm sagte vor den Synodalen, Flüchtlingspolitik dürfe nicht nur kurzfristiges Krisenmanagement sein. Grund für die weltweiten Flüchtlingsströme seien Krieg und Gewalt sowie eine extreme Ungerechtigkeit in der Verteilung der weltweiten Ressourcen. "Dass jeden Tag 24.000 Menschen sterben, weil Nahrung und Medizin auf der Welt nicht gerecht verteilt ist, bleibt ein moralischer Skandal", sagte der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm.
Angesichts der technologischen Möglichkeiten auf dieser Welt sei er davon überzeugt, dass "so etwas wie ein globales soziales und ökologisches Wirtschaftswunder" möglich ist. Dann könne jeder Mensch auf dieser Erde in Würde leben, ohne dass die natürlichen Lebensgrundlagen zerstört werden, sagte der Sozialethiker. Künftig sollten alle Regierungsbeschlüsse einer "Eine-Welt-Verträglichkeitsprüfung" unterzogen werden, um zu klären, ob sie den Schwächsten auf der Welt schaden oder nützen.
Vor dem Hintergrund der jüngsten Bootsunglücke im Mittelmeer bekräftigte Bedford-Strohm die scharfe Kritik der evangelischen Kirche an der EU und der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Deutschland müsse sich für ein umfassendes EU-Seenotrettungsprogramm einsetzen. Schlepperbanden sollten wirksam bekämpft und zugleich legale Wege für Flüchtlinge nach Europa geschaffen werden.
In der aktuellen theologischen Debatte um den Status des Alten Testaments warb Bedford-Strohm für eine Versachlichung. "Nicht so hochhängen", sagte er vor Journalisten. Es stehe nicht infrage, dass das Alte Testament Teil der christlichen Bibel sei. "Jesus Christus ist ohne das Alte Testament nicht zu verstehen", sagte Bedford-Strohm. Hintergrund seiner Äußerungen ist eine Kontroverse, die ein wissenschaftlicher Beitrag des evangelischen Theologe Notger Slenczka ausgelöst hatte. Darin hatte der Professor der Berliner Humboldt-Universität die Zugehörigkeit des Alten Testaments zum biblischen Kanon infrage gestellt. Diese These stieß unter Fachkollegen und beim Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit auf massive Kritik.
Bedford-Strohm ist seit November oberster Repräsentant der mehr als 23 Millionen deutschen Protestanten. Nach der bis Sonntag dauernden Konstituierung der Synode wird das Kirchenparlament im November in Bremen den 15 Mitglieder zählenden Rat wie auch den Vorsitzenden neu wählen. Ebenso wie bei der Synodenpräses Schwaetzer ist eine Wiederwahl Bedford-Strohms möglich. Als Präses der Synode gehört Schwaetzer dem Rat qua Amt an.
(Quelle: epd)
