Papst Benedikt XVI. hat sich erstmals eingeschränkt für die Verwendung von Kondomen bei der Bekämpfung von Aids ausgesprochen.
Es gebe «begründete Einzelfälle» etwa bei Prostituierten, in denen Präservative nützlich seien. Im Ausnahmefall könnten Kondome ein «erster Schritt zu einer Moralisierung» sein, heißt es in dem am Mittwoch erscheinenden Interview-Buch «Licht der Welt», aus dem die Vatikanzeitung «Osservatore Romano» am Sonntag Auszüge veröffentlichte.
In dem mit Spannung erwarteten Buch äußert sich Benedikt XVI. auch zur Affäre um den Holocaust-Leugner Richard Williamson, die Wiedereinführung der alten lateinischen Messe in der katholischen Kirche sowie Verbote von Ganzköperschleiern. Entschieden spricht sich der Papst gegen eine mögliche Priesterweihe von Frauen aus und verteidigt seinen Vorgänger Pius XII., der wegen seines Schweigens zum Völkermord an den Juden bis heute umstritten ist.
Das Interviewbuch «Licht der Welt» mit dem Untertitel «Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit» ist ab Mittwoch im Buchhandel erhältlich. In Deutschland werden Passagen vorab in der «Bild»-Zeitung und im Münchner Nachrichtenmagazin «Focus» veröffentlicht. Das Buch geht auf Gespräche zurück, die der deutsche Journalist Peter Seewald Ende Juli mit Benedikt in dessen Sommerresidenz in Castel Gandolfo führte.
Die vom «Osservatore Romano» am Sonntag veröffentlichten Aussagen zur Verwendung von Kondomen gelten als spektakulärer Kurswechsel des Heiligen Stuhls, der sich trotz der Aids-Epidemie stets gegen Präservative ausgesprochen hatte. In einer ersten Reaktion sprach die UN-Organisation UNAIDS von einem «positiven Schritt nach vorn». Der Vatikan erkenne damit an, dass ein verantwortliches Sexualleben und die Verwendung von Kondomen eine wichtige Rolle bei der Aids-Prävention haben.
Fast zwei Jahre nach der Affäre um den Holocaust-Leugner Williamson räumt Benedikt ein, dass er den zur ultrakonservativen Pius-Bruderschaft gehörenden Bischof nicht rehabilitiert hätte, wenn ihm bekannt gewesen wäre, dass dieser die Existenz der Gaskammern der Nationalsozialisten leugnet. Er hätte Williamsons Fall abgetrennt, sagte der Papst laut der Vorabveröffentlichung des Münchner Nachrichtenmagazins «Focus».
Im Bemühen um eine Wiederannäherung zwischen dem Vatikan und den Piusbrüdern hatte der aus Deutschland stammende Papst Anfang 2009 mehrere Bischöfe der Bruderschaft rehabilitiert, darunter den Briten Williamson. Dieser hatte kurz zuvor in einem Interview den Völkermord an den Juden geleugnet. In Deutschland löste die Entscheidung breiten Protest aus, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte eine Klarstellung zum jüdisch-katholischen Verhältnis. Im Ergebnis räumte der Vatikan Fehler im Verfahren ein.
Benedikt verteidigt in dem Interview seinen Vorgänger Pius XII., der von 1939 bis 1958 im Amt war und wegen seines Schweigens zum Holocaust bis heute umstritten ist. Pius sei «einer der großen Gerechten» gewesen, der so viele Juden gerettet habe «wie kein anderer», betont Benedikt laut «Osservatore Romano».
Zur alten lateinischen Messe erklärt Benedikt in den in der Vatikanzeitung veröffentlichten Auszügen, er habe sie verändert, da sie «für die Juden wirklich verletzend war». In der wieder ohne Restriktionen zugelassenen Form werde im alten Ritus nicht mehr «für die Bekehrung der Juden im missionarischen Sinn gebetet».
In der Debatte um Verbote von Ganzkörperschleiern in westlichen Ländern äußert der Papst sich offen für Burkas, wenn die betroffenen Frauen sie aus freiem Willem tragen. Es gebe «keinen Grund für ein generelles Verbot» dieser Form der Verschleierung. Nur dann, wenn es sich um eine «Vergewaltigung der Frau» und ihres Willens handele, sei die Burka abzulehnen, betont der Papst.
Eine Priesterweihe von Frauen in der katholischen Kirche lehnt Benedikt XVI. strikt ab. Die Kirche habe keine Vollmacht dazu, sagte das Kirchenoberhaupt laut «Focus». Christus habe der Kirche mit den zwölf männlichen Aposteln eine unverrückbare Gestalt gegeben. Aus dem Ausschluss der Frauen vom Priesteramt erwachse keine Diskriminierung, da das Priestertum nicht Herrschaft, sondern Dienst sei.
Auch in der Frage der Weihe von Homosexuellen habe die Kirche keinen Spielraum, sagte Benedikt der Vorabveröffentlichung zufolge. Homosexualität sei mit dem Priestertum nicht vereinbar, weil sie dem ursprünglichen Willen Gottes widerspreche.
(Quelle: epd)
