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Millionenschaden: Erzbistum Köln bezahlt Spielschulden eines Priesters

Das Erzbistum Köln hat insgesamt 1,15 Millionen Euro aus einem bischöflichen Sondervermögen gezahlt, um die Schulden eines Priesters zu begleichen. Der Kirchenrechtsprofessor Thomas Schüller stuft die Aktion als „eindeutig rechtswidrig“ ein.

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Wie das Erzbistum dem Evangelischen Pressedienst (epd) bestätigte, übernahm es Spielschulden des Geistlichen in Höhe von knapp 500.000 Euro, die 2015 und 2016 in mehreren Tranchen gezahlt wurden. Offenbar wurde das Geld aber nicht korrekt versteuert. Deshalb habe die Erzdiözese zudem noch insgesamt 650.000 Euro Lohnsteuer inklusive Zinsen nachgezahlt.

Der Vorgang fiel dem Erzbistum zufolge in die letzten Jahre des früheren Erzbischofs Joachim Meisner, wurde aber von seinem Nachfolger Rainer Maria Woelki nach dessen Amtsantritt 2014 mitgetragen. Zuerst hatten der „Kölner Stadt-Anzeiger“ und der WDR darüber berichtet.

Erzbistum: „Ein solcher Fall kann heute nicht mehr auftreten“

Wie die der „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit Verweis auf einen Beteiligten schrieb, wollte das Erzbistum dem betroffenen Geistlichen in einer außergewöhnlichen seelischen Notlage helfen. Das Erzbistum erklärte: „Wir gehen davon aus, dass ein solcher Fall heute so nicht mehr auftreten kann, da wir aus dem Fall gelernt haben und der Kontakt zwischen der Personalabteilung und den Geistlichen heute intensiver und besser geordnet ist.“

Sämtliche Beträge wurden den Berichten zufolge dem Fonds des Erzbischofs „für besondere Bedürfnisse“ entnommen, aus dem unter anderem auch Opfer sexuellen Missbrauchs unterstützt werden. „Opfer von Sexualstraftaten, teilweise ohne gesicherte Einnahmen wie bei einem Priester, werden mit einem Betrag abgespeist, welcher weniger als zwei Prozent von dem beträgt, was die Kirche als Ausgleich für die selbst verschuldete finanzielle Schieflage eines Priesters zu zahlen bereit war“, sagte Johannes Norpoth, Sprecher des Betroffenenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz. Er rechnete vor, dass 60 Prozent der Opfer sexualisierter Gewalt, die einen Antrag auf eine Anerkennungsleistung stellen, weniger als 20.000 Euro bekämen.

Kirchenrechtsprofessor: „Weitere Ausplünderung des Erzbistums“

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In die Transaktion waren die Aufsichts- und Kontrollgremien des Erzbistums den Angaben zufolge nicht eingebunden. Das Bistum erklärte, dass dafür keine Gremien beteiligt werden mussten. Dieser Einschätzung widersprach der Münsteraner Kirchenrechtsprofessor Thomas Schüller. „Das ist eine weitere Ausplünderung des Erzbistums“, sagte er dem WDR. Es sei rechtswidrig, wenn der Erzbischof alleine über solche Zahlungen entscheide, ohne die zuständigen Gremien einzuschalten.

Eine Partikularnorm der Deutschen Bischofskonferenz aus dem Jahr 2002 bestimme, dass das „Einstehen für fremde Verbindlichkeiten“ zu den „Akten der außerordentlichen Vermögensverwaltung“ gehöre. Laut Schüller hätte damit auch das Geld für den in Nöte geratenen Priester den Aufsichtsgremien vorgelegt werden müssen. „Das Agieren der Bistumsleitung in diesem Fall ist eindeutig rechtswidrig“, sagte Schüller dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Link: Hier geht es zu den Artikeln des „Kölner Stadt-Anzeigers“ und des WDR.

Quelleepd

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1 Kommentar

  1. Schuldenbefreiung in Köln sehr fragwürdig

    Wie die der „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit Verweis auf einen Beteiligten schrieb, wollte das Erzbistum dem betroffenen Geistlichen in einer außergewöhnlichen seelischen Notlage helfen. 500.000,- € wurden zur Tilgung der Schulden eines Priesters verwendet, der das Geld vermutlich verspielt oder sonstwo verzockt hatte – und noch einmal 650.000,- € für Steuern und Zinsen. Nun könnte man – zumindest theoretisch – die Auffassung vertreten, eine solche Hilfe helfe beispielhaft der seelischen Not des geistlichen Übeltäters und sei daher lobenswert christlich. (Einmal abgesehen davon, dass dieser Akt katholisch-kirchenrechtlich rechtswidrig ist). Erzbischof Meisner hatte diese Entscheidung getroffen, sein Nachfolger Woelke hatte diese nachträglich mitgetragen. Ich empfinde in der Sache sehr zwiespältig, und zwar aus folgenden zwei Gründen: Erstens muss jede und jeder für das, was er tut seine ganz persönliche Verantwortung übernehmen: In diesem Falle einen symbolischen Betrag wenigstens abzuzahlen, da die Gesamtsumme nur ein Millionär tilgen könnte. Der zweite Grund ist noch gravierender: Kirchen sollten in solchen Fällen einfache Mitarbeiter*innen allerdings genauso behandeln wie Priester, Mönche oder Kardinäle. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass eine der Vorzimmermänner oder -frauen von ihren möglicherweise geringeren Schulden durch die heiligen Kölner Kirchenbehörde befreit worden wäre. Von den Opfern sexualisierter Gewalt erhielten dagegen 60 Prozent der Betroffenen nur weniger wie schlappe 20.000 Euro. Dieses Missverhältnis in den Arten der Gründe für eine Hilfe zeigt, dass hier überhaupt kein Gefühl für Gerechtigkeit herrscht. Wie beim gewesenen unseligen früheren Bischof von Limburg wurde auch in Köln nach Gutsherrenart verfahren und hinsichtlich Limburg kann ich mir ebenso nicht vorstellen, dass nur der dortige Oberhirte Schuld trug sondern ein System, das zusätzlich nicht präsent über Recht und Geld wachte. Auch bei uns Evangelen ist die Kirchenwelt nicht immer in Ordnung, aber solche Geschehnisse sind zumindest in der bekannten Dimension unbekannt. Da muss man sich nicht wundern, dass die Gläubigen keine dummen Schafe sind und durchaus bewusst artikulieren, in ihrer Kirche möge deutlich mehr Demokratie einziehen. Es steht nirgend geschrieben, sie sei unchristlich. Die Krise in vielen Kirchen und damit in der Christenheit ist m. E. nicht vorrangig eine Glaubenskrise, sondern eine des Vertrauens. Wenn wir als Jesusnachfolger*innen so unter den Scheffel stellen und in jedes Fettnäpfchen treten, werden die Kirchenaustritte auch in den Freikirchen zu eine riesiger Welle, die kaum wünschenswert ist. Dabei geht es nur um ein wenig Einfühlungsvermögen und den Verzicht auf unnötigen Glanz und Macht.

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