Viele Menschen wünschen sich liberalere Bestattungsformen – von der Urne zu Hause bis zur Bestattung im Fluss. Der Theologe Matthias Kreplin findet den „Friedhofszwang“ sinnvoller.
epd-Gespräch (Christine Süß-Demuth)
Der evangelische Theologe Matthias Kreplin sieht den Trend zur Individualisierung bei Bestattungen skeptisch. Auch wenn es einige Gründe für eine Liberalisierung des Bestattungsrechts gebe, werde verkannt, dass Menschen «nicht als Einzelwesen unterwegs sind», sagte der Leiter des Referats «Verkündigung in Gemeinde und Gesellschaft» in der Evangelischen Landeskirche in Baden. Vielmehr seien sie Teil von Netzwerken, wie der Familie, Freunden, Nachbarn oder dem Dorf.
In Rheinland-Pfalz ist es seit Kurzem möglich, dass Angehörige die Urne mit der Asche des Toten mit nach Hause nehmen. Das Bundesland hat das liberalste Bestattungsrecht. Auch in Baden-Württemberg und weiteren Bundesländern wird über Reformen nachgedacht.
Trauernde werden ausgeschlossen
Wenn jeder machen könne, «was er will», indem er etwa die Urne zu Hause aufbewahre oder die Asche des Verstorbenen im Garten verstreue, stelle sich die Frage «Wem gehört der Tote?», sagte Kreplin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es bestehe die Gefahr, dass der Verstorbene damit «privatisiert» werde und andere Trauernde ausgeschlossen würden.
Das sei nicht nur in zerstrittenen Familien ein Problem. Auch Angehörige, Freunde und Kollegen würden ausgegrenzt. Anders als bei einem öffentlichen Friedhof könnten sie nicht einfach das Grab des Verstorbenen besuchen, um diesem zu gedenken. Sollte dann später etwa das Haus verkauft werden, gehe der Trauerort ganz verloren – auch für die Familie.
Würdevolles Gedenken ist wichtig
Deshalb hält der evangelische Theologe den «Friedhofszwang» weiter für sinnvoll. Für die Trauerbewältigung brauche es feste Orte, an denen man sich an den Verstorbenen erinnern könne. Bisher seien dies die Gräber auf dem Friedhof gewesen, meist mit einem Grabstein, auf dem der Name stehe, oder in einem Friedwald. Solche Orte könnten alle besuchen. Später könnten sich dort auch Nachfahren an den Toten und ihre familiären Wurzeln erinnern.
Stehe dagegen die Urne mit der Asche des Verstorbenen zu Hause auf dem Kaminsims, seien die Angehörigen ständig damit konfrontiert. Dies könne den Trauerprozess und ein «Loslassen» des Verstorbenen erschweren. Zudem müsse eine würdevolle Aufbewahrung über viele Jahre gewährleistet sein, mahnte Kreplin.

Auch als Mensch mit Auferstehungshoffnung habe ich für Cheys Standpunkt Sympathie.
Anfang November: Allerheiligen. Da m u s s man in katholischen Gegenden das Grab pflegen und besuchen, denn „was sollen die Leute denken“?
Zum Teil nehmen die Menschen lange Anfahrten in Kauf, um am Grab präsent zu sein.
Die Auferstehung gilt für den Kremierten genauso wie für den Erdbestatteten, der (sorry) zu Kompost wurde. „Erde zu Erde“ „Staub zu Staub“(Pred. 3,20).
Der Friedhofszwang ist ja auch nichts religiöses. Er ist eine alte Hygienevorschrift, der dafür sorgen sollte, dass Tote nicht überall sondern nur auf besonderen Flächen bestattet werden. Das machte früher auch Sinn, aber geht an der heutigen Praxis vorbei. Es geht ja vor allem darum, wie mit der Asche umzugehen ist.
Und es ist mir unbegreiflich, warum es legal ist, seinen Körper nach dem Tod plastifizieren zu lassen und zerstückelt ausstellen zu lassen, ihn aber nicht als Asche außerhalb eines Friedhofes aufbewahren zu dürfen.
Ich denke langsam, dass es hier wohl eher um finanzielle Interessen von Friedhofsbetreibern geht.
Hier geht es doch gar nicht darum, was der Theologe will …. Wir selber berauben uns jeglicher Traditionen, Strukturen, Orte der Einkehr und des Innehaltens, des stillen Gedenkens. ALLES, aber auch absolut ALLES wird der Beliebigkeit preisgegeben – alle Tabus werden gebrochen – wir erkalten – Millionen Kinder fehlen – aber irren wir uns nicht: Gott lässt sich nicht spotten – wir ernten schon laufend, was wir säen !
Es kann doch jeder weiterhin einen Friedhof nutzen. Es wird doch keinem verboten.
Übrigens wird ein Grab nach 20 Jahren sowieso auf christlichen Friedhöfen platt gemacht.
Traditionen sind schön. Sie dürfen aber Neuerungen, gesellschaftliche Entwicklungen und neue Traditionen nicht verhindern.
Der Theologe weiß natürlich besser, was für die Leute richtig und wichtig ist.
Denn die Leute sind immer noch Laien, die sich ohne den Theologen in so manchen Dingen nicht gut zurechtfinden.
Dass die Meinung des Theologen heutzutage aber niemanden groß interessiert, das interessiert wiederum den Theologen nicht.
Und so wird die Trauer auch weiterhin individualisiert und privatisiert, weil die Leute sich von gewissen Zwängen doch gerne befreien wollen.
Natürlich wird der Theologe auch weiterhin eine passende Traueransprache anbieten, obwohl immer mehr Leute auch darauf gerne verzichten.
Ohne Herr, wirft schnell Geist vom Himmel
Lieber Herr Wößner, wenn Sie nur in jesus.de unterwegs sind ohne Argumente, eigentlich alles ablehnen, vor allem die Kirchen, die Theologen, die Leute, die Laien und wer weiß wen sonst, dann ist es eigentlich vergebliche Liebesmüh, hier auf Sie zu antworten. Dabei sagen doch jene bösen(!!?) Theologen, (die, wenn man Herrn Wößner kennt, ja ungläubig sein müssen), dass die Trauer immer einen Ort braucht. Auch zu Chey müsste man eigentlich sagen, dass das Problem nicht der Friedhofszwang ist, allerdings überbordenden Preise der Bestattungsunternehmen und städtische Gebühren. Diese Frage hätte man angehen müssen, vielleicht auch wenn es sich nicht gut anfühlen würde, ausgerechnet Dienstleister der Trauer zu kritisieren. Wenn nun aus diesen Gründen die Beerdigungen liberalisiert werden, ist das die falsche Lösung für das richtige Problem. Dabei ist Seebestattung wahrscheinlich eher selten, noch seltener wäre eine Bestattung im Weltall, falls es diese noch nicht gibt. Eine Liberalisierung der Bestattung führt dazu, dass die Trauernden zwar wie alle Trauernden leiden, aber sie werden extrem allein gelassen, vor allem jene die bereits dann einsam bzw. alleinstehend sind und zwischen schweigenden Zimmerwänden alleine trauern.. Die Urne im eigenen Garten oder im Stadtflüßlein zu versenken, ist die Nivilierung jeder Bestattungskultur. Wenn die Form keine Fom mehr hat, ist es wie mit dem Käse ohne Form, er ist nur noch Quark . Der faktische Wegfall der Bestattungskultur zeigt eine drastische Potenzierung von überbordendem Individualismus und sie sagt nichts positives über unsere Gesellschaft aus. Wenn unser Gemeinsinn nur noch den Sinn erfüllt marktwirtschaftlich zu sein, dann erleiden all jene an ihren Seelen Schaden, die sich bisher noch so eben in dieser Welt und Gesellschaft durchwursteln konnten. Ich würde es für fatal halten, wenn wir die körperlichen Hüllen unserer Verstorbenen dann fast wie Hausmüll preisgünstig entsorgen. Die Idealform früherer Trauerfeiern war in dörflichen Umgebungen, dass daran fast alle teilnahmen aus der Ortschaft und man noch anschließend im Gasthaus zusammen saß. Jetzt bleiben manchen Trauernden nur noch eigene schweigende Wände. Ich frage mich, ob die Landespolitiker, die für die Bestattungskultur zuständig sind, wirklich so leere Köpfe haben, einen solchen Bullschitt zu Gesetzen zu machen. Da ist mir nach dem etwas kompakteren Stoßgebet zumute: „Oh Herr, wirft schnell Geist vom Himmel“! Natürlich kann jede/r auch ohne Grab trauern, aber dazu braucht der Mensch als soziales Gemeinschaftswesen andere Menschen. Sonst könnte man die ganze Angelegenheit auch einer KI überlassen, die ist robust genug, sich keine Gedanken machen zu können.
> Die Urne im eigenen Garten oder im Stadtflüßlein zu versenken, ist die Nivilierung jeder Bestattungskultur.
Sagen wir mal nicht Urne sondern man würde die Asche verstreuten.
(sollen ja nicht hunderte Urnen in Flüsschen liegen)
Was würde denn dagegen sprechen? Es gibt dann sogar einen Ort des Gedenkens.
Es geht um die soziale Funktion der Trauer
Hallo Chey, sicher ist mein Text etwas zugespitzt. Aber mir geht es doch darum, dass das Trauern sinnvoll ist und es kann eine sehr gute Methode sein, wieder Gemeinschaft einzuüben. Die Liberalisierung der Bestattungskultur dient nicht der Trauerarbeit, weil sie Orte und Gemeinschaft braucht und zumindest eine Versammlung und den/die Trauerrednerin. Dies lässt sich nicht auf die sehr wenigen Minuten reduzieren, um im Garten Asche zu zerstreuen oder in einer Urne in den Fluss zu werfen: Gefühlte Wegwerfkultur. Auch gestorbene Mitmenschen haben eine Würde und es ist menschlich, sie an festen Orten auch zu besuchen.
Wieso kann man keine Trauerfeier abhalten ohne Bestattung auf einen Friedhof?
Und gedenkt man später wirklich einem Verstorbenen besser auf einem Friedhof, Reihe 53, Grab 624 oder an dessen früheren Lieblingsort, wo man gemeinsame Erinnerungen dran hat?
Es ist interessant, was Menschen so alles wissen, was andere Menschen brauchen.
Ich weiß nur, dass sie dringend Jesus bräuchten.
Im Übrigen stehen meine Argumente im Neuen Testament.
Wie oft und wie lange werden den Gräber heute von Kollegen und Nachbarn besucht?
Da wird doch eine Begründung an den Haaren herbei gezogen, nur um den Friedhofszwang weiter zu rechtfertigen.
Seebestattung ist schon längst erlaubt. Da fährt man auch später nicht mehr raus.