Obwohl sie dringend gebraucht würden, nutzen nur wenige Familien die Teilhabe-Pauschale. Warum die Unterstützung kaum greift, zeigt eine neue Studie.
Die staatlichen Teilhabezuschüsse für arme Kinder kommen einer Studie zufolge weiterhin nur wenigen Anspruchsberechtigten zugute. Von den 6- bis 15-Jährigen im Bürgergeldbezug nutzten im vergangenen Jahr höchstens 19,2 Prozent, also knapp ein Fünftel, diese Unterstützungsmöglichkeit, wie eine Untersuchung der Forschungsstelle des Paritätischen Gesamtverbands ergab. «Die Teilhabeleistungen laufen weitgehend ins Leere», heißt es darin.
In der Untersuchung geht es um die zum Bildungs- und Teilhabepaket gehörende Pauschale von 15 Euro im Monat für «die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft». Die Summe kann beispielsweise für Musikunterricht, die Mitgliedschaft im Sportverein oder Freizeitfahrten verwendet werden. Es muss nachgewiesen werden, dass die Familie tatsächlich Geld für solche Aktivitäten ausgibt. Anspruchsberechtigt sind Kita- und Schulkinder unter 18, deren Familien Bürgergeld oder ähnliche Leistungen wie Sozialhilfe oder Grundsicherung bei Erwerbsminderung beziehen.
Die Forschungsstelle des Paritätischen konzentrierte sich auf Kinder zwischen 6 und 15 Jahren im Bürgergeldbezug und begründete dies mit den verfügbaren Daten. Zwischen den verschiedenen Bundesländern gebe es große Unterschiede, führte das Forschungsteam aus: In Rheinland-Pfalz und Hamburg kämen die Leistungen laut den Daten für 2024 weniger als zehn Prozent der Kinder zugute, in Schleswig-Holstein seien es hingegen gut 60 Prozent. Für die Umsetzung sind die Kommunen zuständig.
Kritik: hohe bürokratischen Hürde
Das bei der Einführung des Pakets im Jahr 2011 formulierte Ziel, soziale Teilhabe armer Kinder und Jugendlicher zu fördern, werde «weiterhin nicht eingelöst», kritisierte der Paritätische. Als einen Grund vermutet der Verband die bürokratischen Hürden für die Inanspruchnahme. Er fordert deshalb, die Teilhabeleistung pauschal an alle leistungsberechtigten Kinder und Jugendlichen auszuzahlen. Zusätzlich sei ein «Rechtsanspruch auf Angebote der Kinder- und Jugendarbeit» sinnvoll.
Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist vorgesehen, die Pauschale von 15 auf 20 Euro zu erhöhen. Erwähnt werden zudem Überlegungen zu einer «Kinderkarte» und einer «Teilhabe-App», aber keine standardmäßige Auszahlung der Summe an alle Anspruchsberechtigten.
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Wer den Sozialstaat schreddert, entfernt den Kitt der Gesellschaft
Hallo Peter Lorenz: Solchen Verdacht habe ich auch beim Staat, dass er logischerweise Geld sparen will. Aber da hat sogar Volkes Stimme recht in dem kurzen Vers: Ohne Mampf kein Kampf. Wenn Menschen nicht gefördert werden, wenn wir den Sozialstaat schleifen, dann trifft es reich und arm. Der Kitt des Sozialen hält nicht nur alte Fenster zusammen, sondern auch unsere eigenen Werte und Normen. Denn die soziale Idee baut nur darauf, dass wir den Schwachen helfen und schwach ist auch manchmal ebenso der Reiche. Sogar die ehemals wohlhabende USA will mahnendes Beispiel sein, dass man Kultur, Wettervorhersagen, Pandemiebekämpfung, sogar den Verstand und letztlich die Demokratie nicht schleifen kann, wenn man nicht auch noch jede Familie spalten möchte.. Allerdings glaube ich kaum, dass in einer immer komplizierteren Welt Bürokratie einfach nur abgeschafft wird und dann machen es die nicht vorhandenen Heinzelmännchen. Ich bin eher davon überzeugt, dass viele Verwaltungsakte einfacher werden, wenn sie die KI still erledigt. Ich brauche auch nicht immer eine Rechnung, die dann auch noch mit der Schneckenpost kommt. Meist steht ja alles auf dem guten alten Kontoauszug, wenn etwas abgebucht werden muss. Eines Tages ist auch die Briefpost sehr überflüssig. Ein kleines Kästchen in jedem Haus kann auch der uninformierteste Zeitgenossen bedienen und seine eingescannte Botschaft kommt irgendwo an.
Hallo!
Das ist doch politisch gewünscht: zum einen die überflüssig komplizierten Formulare und das Verheimlichen der Fördermöglichkeiten. Umso weniger Teilhabeleistung, desto besser für die Staatskasse.
Gruß,
Peter L