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Theologie-Abschlüsse sinken: Nachwuchssorgen im Pfarrdienst

In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Theologiestudierenden um rund ein Drittel gesunken. Das sorgt für Nachwuchsprobleme im Pfarramt.

An deutschen Universitäten studieren weniger junge Menschen evangelische oder katholische Theologie als noch vor fünf Jahren. Im Wintersemester 2023/2024 waren insgesamt rund 7.900 Studierende in evangelischer Theologie eingeschrieben und rund 5.400 in katholischer Theologie, wie aus Daten des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden hervorgeht. Mehr als die Hälfte der Studierenden ist weiblich.

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Im Fünfjahresvergleich entspricht das einem Rückgang um rund ein Drittel: In der evangelischen Theologie sank die Zahl der Studierenden um etwa 34,7 Prozent, in der katholischen Theologie um 29,4 Prozent. In den Jahren vor 2018 waren die Studierendenzahlen sogar leicht angestiegen.

Nachwuchsprobleme

Immer weniger Studienanfänerinnen und -anfänger entscheiden sich für ein Theologiestudium. Außerdem schließen nicht alle Studierenden ihre Hochschulausbildung ab. Für Nachwuchsprobleme im kirchlichen Pfarrdienst sorgen vor allem die sinkenden Zahlen beim Theologieexamen, das Voraussetzung für die Erlernung des Pfarrberufs ist.

Noch prekärer entwickelt sich die Zahl der erfolgreichen kirchlichen Prüfungen, die das Statistische Bundesamt dem Evangelischen Pressedienst (epd) mitteilte. Die kirchliche Prüfung ist der Abschluss, der schließlich zum katholischen oder evangelischen Pfarramt befähigt. In der katholischen Kirche bleiben Frauen vom Pfarrdienst ausgeschlossen. Zwischen 2015 und 2023 schwankte die Zahl der Absolventen der kirchlichen Prüfung in der katholischen Religionslehre, zuletzt lag sie im Jahr 2023 bei 25. In der evangelischen Theologie bestanden 2023 noch 174 Männer und Frauen die kirchliche Prüfung – gut halb so viele wie 2015.

Quelleepd

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8 Kommentare

  1. Zentralismus ist nicht die Gefahr

    Ich glaube nicht, daß letztlich aus einer gemeinsamen Ev. Kirche in Deutschland – gebildet aus den ursprüglichen Landeskirchen – hier wirklich ein Zentralismus entstehen müsste. Die jetzigen Landeskirchen haben bereits ein dezentrales Innenleben, etwa Nachbarschaftsräume, gemeinsame Pfarrämter für mehrere Pfarrer/innen usw. Eine gemeinsame Kirche wäre auch ein Langzeitprojekt und nicht schon übermorgen Realität. Meine hiesige (für mich neue) Pfälzige Landeskirche hat sage und schreibe nur etwa 700.000 Mitglieder, da kennt die Kirchenpräsidentin quasi jede/n Pfarrer/in. Ist zwar einerseits schön, aber man kann sich denken dass dies inetwa so (verwaltungstechnisch) wäre, wenn Hinz und Kunz jeweils eine eigene Krankenkasse hätten, also auf Dauer bürokratischer Unsinn. Aber jede Reform, wo irgend ein Vorstand wegfallen soll (die Kirchenleitungen) setzt archaische Reflexe in Gang. Wer will schon Macht abgeben? Dies ist ganz menschlich und hilfsweise gibt es bei Reformideen auch tausend Gegenargumente, der schon immer vorhandenen Bedenkenträger. Nichts will der Staat selbst hier weniger an Kirche in Form von Kirchensteuer, weil er nach Wegfall sein eigenes Subsidiaritätsprinzip aufgeben müsste und staatlich im Sozial- und Pflegebereich kräftig tätig sein müsste. Wie ich früher schrieb, würde irgendwann beim Wegfall der Kirchensteuer sowieso Reformbedarf bestehen. Dann muss kirchlich weniger mehr sein. Die Nebenwirkungen könnten die Kirche/n als wichtiger Kulturträger, nicht nur in Form von Aktivitäten, sondern auch durch die vielen Dome und Kathedralen, allerdings in eine schwierige Situationen bringen, auch im Sinne von Mehrwert unserer Gesellschaft. Aber kommende Krisen sind wie alle Krisen Möglichkeiten (geistlich zur Umkehr) und strukturmäßig bzw. (wirtschaftlich) zu einer notwendigen Reform. Letztlich geht es hier eher zuletzt um die Institution, sondern die Kirche als Heilsinstitut (ein anderer besserer Begriff wie Heilsinstitut ist mir leider auch nicht eingefallen).

  2. Hatte mir mal nach dem Abi überlegt, evtl. Theologie zu studieren… Ist aber ein ziemlich anspruchsvolles Studium mit mehreren Sprachen… Letztlich erworben habe ich einen Abschluss in BWL. Okay, das hört sich jetzt vielleicht krass an, aber beruflich war das absolut sinnvoll.

    • Theologie ist sicherlich ein anspruchsvolles Studium. Wäre Inhaltlich auch nicht so meins gewesen.
      Aber Theologiestudium heißt ja auch nicht zwingend Pastor*in. Ich kenne studierte Theologen im ganz anderen Bereichen. Im Bildungssektor ist das wohl auch nicht gerade selten.
      Es ist ja ein eher generalistisches Studium.

        • Ich wäre fast mal als Quereinsteiger Lehrer geworden. Bin heute rückblickend eher dankbar, dass das damals nicht geklappt hat. 🙂

          Ich denke, als Relilehrerin ist es sehr entscheidend, in welchem Bundesland, in welcher Umgebung, in welcher Schulart und in welcher Klassenstufe.

          Grundschule schleswig-holsteinische Kleinstadt mit 2 wöchentlichen Pflichtstunden aller Kinder ist sicherlich anders als 9. Klasse Brennpunktschule in Berlin.

          • Ich denke, man kann es für alle Altersstufen interessant gestalten. Mein Berufsleben wird allerdings nicht mehr so ewig dauern, auch wenn ich danach unbedingt eine ehrenamtliche Tätigkeit (?) weiter machen möchte. Im Moment werden an allen Ecken und Ende Leute gesucht, habe plötzlich total viele Stellenanzeigen auf Facebook. Irre.

  3. Reform(ation) an Haupt und Gliedern ist dringlich

    Immer weniger Studienanfänerinnen und -anfänger entscheiden sich für ein Theologiestudium. Außerdem schließen nicht alle Studierenden ihre Hochschulausbildung ab. Für Nachwuchsprobleme im kirchlichen Pfarrdienst sorgen vor allem die sinkenden Zahlen beim Theologieexamen, das Voraussetzung für die Erlernung des Pfarrberufs ist. Hier in meiner pfälzischen Landeskirche ist das völlige Einbrechen pastoralen Nachwuchses
    katastrophal. Was man tun muss wäre auch, Bewerbungsmöglichkeiten potentieller Pfarrer von und zu allen Landeskirchen sehr durchgängig zu gestalten. Man muß bedenken daß auch die Dinosaurier ausgestorben sind und sie hätten es (mit größeren Gehirn), für sehr unmöglich gehalten.

    Vielleicht wäre es auch vonnöten, aus den vielen Landeskirchen eine deutschlandweite Evangelische Kirche zu organisieren. Obwohl mir bewusst ist, daß sich Gremien und Vorstände in aller Regeln strikt weigern eigene Macht abzugeben. Und natürlich brauchen wir eine Neuevangelisation an eigenen Häuptern und Gliedern, aber nicht mit den Methoden des letzten Jahrhunderts, sondern hier in mehr dialogischer Form. Denn wenn ich für die Sache Jesu Leute ins Boot holen will, sollte ich auch für Gespräche auf Augenhöhe eintreten. Nun sind wir ja als Menschen nicht in der Lage, uns am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Elementar bleibt immer, daß wir die Wirkung des Heiligen Geistes, der unsere Mitwirkung sehr wünscht, nicht durch Faulheit und den Kirchenschlaf der Gerechten hemmen. Der Heilige Geist wirkt zwar wo er will, aber nie gegen eigenen Willen, Faulheit und bei langweiligstem Notprogramm. Der Himmel verändert auch unsere Kirchenlandschaft nicht nach dem sehr bequemen Gießkannenprinzip, sondern nur wenn mehr Menschen wieder in ihre eigene Taufe eintreten. Oder sich wegen der öfters schlecht frequentierten Gottesdienstbesuchen als neue Methode einbürgert, eine Geh-Hin-Struktur einzuführen. Kommt der Mensch nicht zur Kirche, geht die Kirche zum Menschen. Denn Evangelium darf da gemeinsam gelebt werden, wo Menschen wohnen, arbeiten, ihre Freizeit verbringen und Urlaub genießen. Es muss sich herumsprechen, dass der Glaube Spaß macht, unser Licht der Welt uns erwärmt und niemand verlangt, zum Lachen sich im Keller zu verstecken. Unsere Mitchristen in China wären froh, wenn sie ihre Gebäude mit dem Glauben verlassen dürften. Wir können es tun, es ist erlaubt.

    • Zentralismus wäre ein Sparkonzept. Könnte man als Reaktion auf den Mitglieder-und Mitarbeitendenschwund natürlich machen. Da Zentralismus aber immer unpersönlich ist, würde das den Schwund eher noch mal verstärken.
      Aber es wäre dennoch denkbar. Aber es wäre wirklich eher ein Dinosaurierweg.

      Das Gegenteil wäre aber auch denkbar: Dezentralisierung. Kleinere Einheiten. Direkte Finanzierung durch Mitglieder vor Ort. Also das Modell Freikirchen.

      Ich bin mal gespannt, wofür sich die ev. Landeskirchen entscheiden.

      Vielleicht ja auch für den Status quo. Das wäre aber wohl wirklich der Gang Richtung Bedeutungslosigkeit.

      Ich denke, die Landeskirchen haben sich überlebt. Das Modell hat gepasst, als noch 90 % Kirchenmitglieder waren. Das kommt nie wieder sondern geht ja immer schneller in die andere Richtung.

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