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„Albtraum“: Jüdische Gemeinschaft entsetzt über AfD-Erfolg

Der Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt löst in der jüdischen Gemeinschaft und bei Holocaust-Überlebenden einen Schock aus. Er sei «persönlich entsetzt», sagt Zentralratspräsident Schuster.

Von Corinna Buschow und Karsten Frerichs (epd)

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Vertreter der jüdischen Gemeinschaft haben mit Entsetzen auf den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt reagiert. Eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei sei in einem deutschen Bundesland nur knapp von der Alleinregierung entfernt, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, am Sonntagabend als Reaktion auf die ersten Hochrechnungen dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er sei «persönlich entsetzt».

Die ehemalige Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch erklärte: «An Tagen wie diesem fällt es mir schwer, meine Heimat noch wiederzuerkennen. Dass Rechtsextreme in Deutschland in dieser Art wieder Wahlen gewinnen, das hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können. Das Wahlergebnis aus Sachsen-Anhalt ist ein Zeichen, dass die Statik der Demokratie in unserem Land nicht mehr funktioniert – und ich sage ganz offen: Das macht mir Angst.», sagte die 93 Jahre alte Holocaust-Überlebende am Sonntagabend in München.

Auschwitz-Komitee: «Dieses Wahlergebnis macht uns Angst»

Von Angst sprach auch die Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees, Eva Umlauf. In München erklärte die 83 Jahre alte Auschwitz-Überlebende, dass noch einmal in einem deutschen Landesparlament eine rechtsextreme Partei als stärkste Fraktion Platz nehmen wird, «hätten wir als Überlebende des Holocaust nie für möglich gehalten». «Dieses Wahlergebnis macht uns Angst», sagte Umlauf und zog Parallelen zum Aufstieg der NSDAP in den frühen 1930er Jahren in Deutschland.

Zentralratspräsident Schuster äußerte Sorge vor den Folgen eines Einflusses der AfD auf das Bildungswesen. «Ich fürchte den Einfluss, den sie durch eine radikal veränderte Bildungspolitik auf so viele Kinder und Jugendliche nehmen werden», sagte Schuster. Bildung sei der wichtigste Grundstein für den Erhalt der offenen Gesellschaft und den Kampf gegen Antisemitismus.

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Bei der Landtagswahl am Sonntag gewann die AfD in Sachsen-Anhalt den ersten Hochrechnungen zufolge deutlich mehr als 40 Prozent der Stimmen und wurde damit mit Abstand stärkste Kraft. Die Mehrheit der Sitze im Landtag wird die Partei aber vermutlich verfehlen, deren sachsen-anhaltischer Landesverband vom Verfassungsschutz des Bundeslandes als gesichert rechtsextrem eingestuft wird. Die künftige Regierungsbildung blieb am Wahlabend zunächst offen. Alle anderen im künftigen Landtag vertretenen Parteien haben eine Zusammenarbeit mit der AfD abgelehnt.

Demonstrationen und Gebete

Auch Vertreter der Kirchen hatten sich wiederholt gegen Positionen der AfD gewandt. Der katholische Bischof von Magdeburg, Gerhard Feige, warnte bei einer Bistumswallfahrt auf dem Gelände des Klosters Huysburg bei Halberstadt am Wahltag vor der Zunahme von Vorurteilen, Abgrenzungen und Eigeninteressen. «Gegenwärtig heißt das wohl in besonderer Weise, dem nationalistischen und fremdenfeindlichen Ungeist zu widerstehen», sagte er.

Einige Kirchengemeinden in Sachsen-Anhalt hatten angekündigt, am Sonntag oder in den kommenden Tagen ihre Türen für Gebet und Einkehr zu öffnen. Das ganze Wochenende fanden in mehreren Städten in Sachsen-Anhalt Demonstrationen statt, die größte vor dem Dom in Magdeburg, die für ein weltoffenes Land warb.

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Quelleepd

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