Weniger Mitglieder, weniger Pfarrer: In Thüringen fallen vielerorts Gottesdienste wegen Pfarrermangel aus. Eine Lösung: ehrenamtliche Prediger.
In der Evangelischen Kirche in Thüringen1 sinkt die Zahl der Mitglieder. Weniger Kirchensteuern bedeuten weniger Personal. Vor allem auf dem Land macht sich der Pfarrermangel bemerkbar. In manchen Kirchen finden Gottesdienste nur noch an hohen Feiertagen statt. Doch vor allem ältere Gemeindeglieder wollen oder können nicht zu anderen Kirchen „pendeln“ Was tun?
Ein Weg sind ehrenamtliche Lektorinnen und Lektoren, die Gottesdienste leiten. Einer von ihnen ist der 21-jährige Joel Kleditz. Der MDR hat ihn porträtiert. Obwohl er weder Pfarrer noch Theologiestudent ist, hat Kleditz kürzlich seine erste Predigt gehalten. An 10 Wochenenden hat er dafür das Auslegen von Bibeltexten, Predigen und freies Sprechen vor Publikum gelernt. Jetzt ist er ausgebildeter Lektor und gestaltet ehrenamtlich Gottesdienste in seiner Kirchengemeinde in Winterstein.
Die erste Predigt stammte nicht komplett aus seiner Feder. Die Evangelische Kirche gibt wöchentlich sogenannte „Lesepredigten“ heraus. Eine davon hat sich Kleditz ausgesucht. „Ich fand die gut, aktuell und passend“, erzählt der 21-Jährige. „Ich habe sie an meine Sprache angepasst und eine eigene Einleitung gemacht.“ Seinen ersten Einsatz als Lektor in seiner Heimatkirche in Winterstein bezeichnet er als „sehr erfüllend“ und ergänzt: „Ich glaube, für die Besucher ist es sehr authentisch, wenn Leute predigen, die aus dem normalen Leben kommen.“
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1 seit 2008 Teil der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland / Anmerkung der Redaktion

Halte ich in der Situation für keine schlechte Idee. Aber ist das dann nicht mehr eine Andacht als ein richtiger Gottesdienst…?
So wie ich es verstehe, geht es hier gerade darum, Gottesdienste durch Laien zu feiern und nicht Andachten.
Obwohl der Übergang ja fließend ist.
Gute Erfahrungen mit Prädikanten, aber Theologenmangel ist problematisch
In Thüringen fallen vielerorts Gottesdienste wegen Pfarrermangel aus. Eine Lösung sind ehrenamtliche Prediger/innen Dieses Problem weitet sich.
Ich kenne dies so, daß es neben wenigen Lektoren fast nur noch Prädikant:innen gibt Nach einem längeren Intensivkurs bereiten sie den dann den normalen Gottesdienst mit einer selbst frei erstellten Predigt vor. Sie dürfen auch beerdigen und taufen. In meiner Heimatkirchengemeinde haben wir mit allen Prädikanten ohne Ausnahme nur sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie sind allenfalls – wenn überhaupt – an der etwas einfacheren Rhetorik zu erkennen. Ich habe deren Einsatz nie als Minderung einer Qualität des Gottesdienstes erlebt. Im Gegenteil, weil Prädikanten aber nicht jeden Sonntag im Einsatz sind, können sie den Wald vor lauter Bäumen noch sehen. Einer der Prädikant hatte auch eine wundervolle Taufe halten können, weil das etwa 9jährige Mädchen als Täufling, sowie die Mutter den Gottesdienst, sogar durch eigenen Gesang, optimal mitgestalteten und die Sonntagsgemeinde aussergewöhnlich erfreuten.
Allerdings halte ich die Reserve von Kernkompetenz in unseren Noch-Volkskirchen für unverzichtbar. Ich möchte in der Regel auch den oder die Theologin, mit guter Ausbildung, denn Seelsorger:innen brauchen wir auch für andere Aufgaben der Gemeinde. Wir können auf vieles verzichten, oder müssen es vielleicht. Auch auf die nach dem Krieg im Übermaß erbauten und nunmehr leerstehenden Gotteshäuser, zu viele Gebäude und sogar völlig überflüssige Bürokratie, wird man leider verzichten müssen. Ich freue mich über eine gutvorbereitete Predigt, die auch inhaltlich keine geistigen (schon gar nicht geistliche) Tiefflüge enthält, bei Unterschätzung der positiven Intelligenz der Gläubigen. Daß die Freikirchen da einen anderen Weg gehen, ist eine andere Sache. Aber auch großer Spardruck müsste strigent festlegen, was wir nicht so schnell wichtigstes Personal reduzieren. Auch keine Fluggesellschaft kann im Sparrausch die Anzahl der Piloten kürzen und für Kurzflüge nur ein Minimum tanken. In meiner überlangen Zeit als Kirchenvorsteher habe ich erlebt, wie in einer Notlage ein Nichttheologe ganz kurzfristig eine Lesepredigt halten musste, der Pfarrer war nämlich plötzlich grippal. Dies war auch für ihn blamabel, daß ausgerechnet die eher intellektuell bescheiden Lesepredigten hier nicht zum Zug kamen, sondern ein Exemplar mit hochphilosophischen Themen, die auch die gutwillige Sonntagsgemeinde gerne zur Kenntnis nahm, aber umso weniger verstand. Eine Lesepredigt kann jederman ablesen. Für eine selbst konzipierte Ansprache braucht jeder Laie ganz viel Zeit.
Will sagen: Auch Lektoren und Prädikanten können gute Gottesdienste halten und dies ist dann nicht nur eine Andacht. In aller Regel ist dies auch immer möglich. Leider ist Pfarrermangel in meiner pfälzischen Landeskirche fast schon katastrophal, denn der Hang mit dem Theologiestudium auch ein Gemeindepfarrer zu werden, scheint extrem gering. Oder überhaupt Theologie zu studieren ebenfalls. Da muss man also sehr dringend Ursachenforschung treiben und Lösungen suchen. Vielleicht braucht wir eher weniger Landeskirchen in Deutschland und sollten keine riesigen Mega-Großgemeinden erschaffen. Denn das Wort Gemeinde leitet auch vom Begriff Gemeinschaft ab und wo Gemeinschaft über unsichtbare Grenzen auch keine Netzwerke bilden kann, entstehen tote Flecken. Bildlich gesehen braucht die Gemeinde idealerweise in ihrer Mitte eine Kirche.
Denn wenn sogar gute Käse keine feste Form erhält, haben wir leider nur noch Quark. Die Strukturen von Kirchengemeinden müssen einleuchten
Ich denke mir schon, dass Gottesdienste durch Laien in den großen Kirchen immer mehr zunehmen werden.Wenn sich jemand ziemlich langfristig mit der Bibel und dem Evangelium beschäftigt hat, finde ich das auch okay. Aber für mich als Besucher besteht doch zumindest bei freien Predigten die Gefahr, dass evtl. etwas völlig missverstanden wurde. An Predigten zum Evangelium finde ich gerade gut, dass sie neue Erkenntnisse zur Bibel vermitteln wie zB. bei der Bibelstelle „Nehmt mein Joch auf euch“, was meines Wissens nach auch eine jüdische Redewendung war. Neue Erkenntnisse würde ich von einer Predigt durch einen Laien nicht erwarten oder wäre da skeptisch, wobei vielleicht natürlich auch die Frage ist, ob Pastoren wirklich für ihren Dienst ein volles Theologiestudium in der heutigen Form brauchen…