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Besucherrekord: Willow Creek fasziniert

Die Kirchenmitgliederzahlen schrumpfen, doch die Kongresse von Willow Creek Deutschland boomen: Am Leitungskongress in Dortmund und den sechs Übertragungsorten nehmen in diesen Tagen mehr als 12.000 Menschen teil – ein neuer Besucherrekord. Woran liegt das? Auf Spurensuche in der Westfalenhalle.
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Von Daniel Wildraut

Ein Blick in die Kongress-Statistik zeigt: Mehr als ein Drittel der Teilnehmer sind zum ersten Mal bei einem Leitungskongress dabei. Der „Neugierfaktor“ ist offensichtlich ungebrochen hoch. Auf der anderen Seite geben 27 Prozent der Besucher an, schon drei oder mehr Kongresse besucht zu haben. Ein Zeichen für die Nachhaltigkeit der Arbeit. Und: Satte 21 Prozent der Teilnehmer sind unter 30. Willow scheint es gelungen zu sein, auch die Generation der jungen Leitenden und Gemeindemitarbeiter zu erreichen. Keine Selbstverständlichkeit. Willow scheint es auch erfolgreich verstanden zu haben, die Kongresse sanft aber stetig etwas zu „ent-amerikanisieren“. In Dortmund sind mehr deutsche Redner als früher dabei (und auch mehr Frauen). Dazu werden neben deutschen zwar auch weiterhin englische Lieder gesungen, aber eine solche Mischung ist inzwischen in immer mehr Gemeinden in Deutschland verbreitet. Gerade in Jugendkirchen.

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Wie passt der Besucherrekord beim Leitungskongress mit der Tatsache zusammen, dass die großen Kirchen in Deutschland kontinuierlich Mitglieder verlieren? Dass auch die Freikirchen nicht alle wachsen sondern teilweise stagnieren oder gar sinken (Statistik)? Diese Zahlen dürfe man nicht einfach zusammenwerfen, betonte Professor Michael Herbst, praktischer Theologe von der Universität Greifswald, in einem Pressegespräch zu Beginn der Konferenz. Die Traditionsabbrüche und der Mitgliederverlust der Kirchen hätten in Deutschland eine 200-jährige Geschichte. Im Osten sei inzwischen ein niedriges „Plateau“ erreicht, im Westen schreite diese Entwicklung noch voran. „Aber auch früher waren nicht alle Kirchenmitglieder Hochidentifizierte“, unterstrich Herbst. Heute sei es so, dass deren Zahl zunehme. Ebenso die Zahl der Kritiker am anderen Rand, die dann austrete. Die Mitte, die Zahl der Indifferenten, die dünne aus.

„Der Einfluss von Willow ist da!“

In Deutschland gebe es zwar noch keine flächendeckende Analyse, aber der Einfluss von Willow Creek auf die Gemeindearbeit sei eindeutig vorhanden, so Herbst. Dies sei keine „inner-evangelikale Sichtweise“. Er verwies auf eine Studie des systematischen Theologen Wilfried Härle (Herbst: „EKD-Mainstream“), der wachsende Gemeinden in Deutschland untersucht hatte. „Und da zeigte es sich, dass ganz häufig Willow Creek mit im Spiel war“, so Herbst.

In den USA gibt es längst Untersuchungen über den Einfluss von Willow Creek auf die Gemeindelandschaft. Eine Zahl bewegt Gary Schwämmlein, Leiter der internationalen Willow Creek Association, dabei besonders: „Studien haben unter anderem ergeben, dass acht Prozent der ehemaligen Kongressbesucher angaben, sie wären ohne die auf einer solchen Konferenz erfahrene Ermutigung nicht im Dienst der Kirche geblieben!“

In Deutschland früher verpönt

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In Deutschland war es in der Anfangsphase der Arbeit von Willow Creek eher verpönt, sich positiv über die Konzepte der US-Gemeinde zu äußern („zu amerikanisch“). Daran erinnert sich auch Anke Wiedekind, Mitglied im Vorstand von Willow Creek Deutschland und Pfarrerin in Cochem an der Mosel. „Wenn man damals auf einer Pfarrkonferenz erwähnte, dass man Willow gut findet, dann gingen die Augenbrauen in die Höhe.“ Ihr Eindruck sei jedoch, dass sich dies inzwischen deutlich geändert habe (Stichwort: „Ent-Amerikanisierung“). Sie empfehle Gemeinden, die Konferenzen in Gruppen aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern zu besuchen. „In der Regel sind drei, vier neue Ideen bei einem Kongress dabei, die dann die Gemeindearbeit verändern“. In ihrer eigenen Gemeinde engagieren sich inzwischen rund 300 Mitarbeiter.

Inspiration, die erfahren offensichtlich viele Besucher der Willow-Kongresse. Zumindest fiel dieser Begriff am häufigsten, als der Autor dieser Zeilen Besucher nach ihrer Motivation für die Teilnahme fragte. Den meisten ging es dabei nicht um feste Konzepte, sondern um eine Vision für eine auf Wachstum angelegte Gemeindearbeit. Willow, das bedeutet: Einfache Sprache, klare Botschaften. Manchmal mag es fast (zu) simpel klingen, doch es funktioniert. Hilfreich ist dabei auch, dass sich der Leitungskongress technisch auf höchstem Niveau bewegt. Tolle Musik, voller Klang, beeindruckende Bilder. Und der „Massenfaktor“: Wenn knapp 10.000 Menschen in der Westfalenhalle gemeinsam Lobpreislieder singen, dann kann man schon Gänsehaut bekommen. Eher mühsam ist der Weg in die Ausstellungshalle. Gedränge halt, wie auf dem Kirchentag. Aber das gehört dazu.

Lockeres Netzwerk – bunt und offen

Willow Creek, das ist ein lockeres Netzwerk – kein festgefügter Bund oder Werk. Dies könnte man als Schwäche betrachten, doch scheint es die Bewegung inzwischen eher zu stärken. Ein Drittel der Teilnehmer in Dortmund kommt aus einer evangelischen Landeskirche, 17 Prozent sind Baptisten, 15,5 Prozent stammen aus dem Bund Freier ev. Gemeinden (FeG). Dazu kommen Christen aus dem Gnadauer Verband (8,1), Pfingstler (4,8), Adventisten (2,6), Katholiken (2,2), ICF (0,9) und andere. Übrigens hat sich auch ICF-Gründer Leo Bigger durch Willow inspirieren lassen. Willow ist bunt – und offen.

„Willow Creek bietet eine Plattform für Innovation und Erfahrungsaustausch“, so formulierte es der Vorsitzende von Willow Creek Deutschland, Ulrich Eggers, auf der Pressekonferenz zur Kongresseröffnung. Willow erfinde sich immer wieder neu und präsentiere „seine Lernerfahrung sehr offen“. So lange das gelingt, hat die Bewegung in Deutschland Zukunft. Denn wer über das Thema Gemeindewachstum nachdenkt, der kommt auch in Deutschland nicht (mehr) an Willow Creek vorbei. Und einen Mangel an schrumpfenden Gemeinden, den gibt es hierzulande auch nicht.

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