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Von der Bibel inspiriert: Worte die durchs Leben tragen

Worte aus der Bibel, die zum Nachdenken anregen oder inspirieren, gibt es viele. Und einige davon entfalten im Laufe der Jahre eine ganz besondere Kraft, wie der Journalist und Liedermacher Christoph Zehendner selbst erfahren hat.

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„Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist“ (1. Korinther 3,11). Hatte der Pfarrer wohl einen bestimmten Hintergedanken, als er mir ausgerechnet diesen Konfirmationsspruch zuteilte? Damals, am 7. April des Jahres 1974, gab er mir einen Vers mit auf den Lebensweg, der mich beschäftigt hat und bis heute beschäftigt. Volltreffer!

Biblischer Kernsatz fürs Leben

Wichtig ist mir dieser Satz nicht nur, weil Protestanten diesen Vers zutiefst mit Martin Luther verbinden – was ich spätestens dann begriff, als ich selbst ein paar Jahre später evangelische Theologie studierte. Nicht nur, weil der Vers deshalb besonders oft am Reformationstag zitiert, betrachtet und ausgelegt wird. Sondern gerade auch deshalb, weil ich diesen sehr „fundamentalen“ Satz als Kernsatz fürs Leben entdeckt habe. Zum Beispiel, als ich einmal bei einer beruflichen Fortbildung in vollkommen unkirchlicher Umgebung mein Lebensmotto verraten sollte und dann spontan diesen Bibelvers nannte. Die Reaktionen der anwesenden Journalisten-Kollegen reichten von vollkommenem Unverständnis bis zu peinlich berührtem Schweigen. Aber damit war geklärt, wo ich stehe. Und das führte anschließend zu durchaus offenen Begegnungen und Gesprächen.

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Bibelworte können Klarheit bringen. Sie können an das Fundament meines Lebens erinnern. Können Ärgernis und Anstoß sein. Rätsel und Antwort. Geheimnis und Offenbarung. Immer wieder entdecke und erlebe ich das. Und immer wieder stelle ich dabei fest, dass bestimmte Weichenstellungen im Leben bei mir mit bestimmten Worten aus dem Buch der Bücher verknüpft sind. Oder anders ausgedrückt: Bibelverse sind für mich gerade an Wegkreuzungen entscheidend wichtig. Gott kann durch sie sprechen. Bei mir geschieht das oft erst Jahre später, wenn ich den Zusammenhang zwischen der Weichenstellung und dem Lebenswort zu verstehen beginne.

Trauvers als Überschrift für das gemeinsame Leben

Wegweisend und auch nach Jahrzehnten sehr wertvoll ist der Trauspruch, den ich gemeinsam mit meiner Frau zur Hochzeit am 8. Mai 1982 auswählte: „Gesegnet ist die Frau, gesegnet ist der Mann, der sich auf den Herrn verlässt und dessen Zuversicht der Herr ist. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte.“ (Jeremia 17,7-8)

Damals hatten wir noch keine Ahnung davon, wie oft wir Reisegruppen in die israelische Wüste begleiten würden und dort im trockenen Wadi (Flusstal) einige grüne „Überlebenskämpfer“ betrachten sollten. Erstaunlich, dass in der dürren, wüstenhaften Umgebung überhaupt etwas wachsen kann. Das gelingt nur, weil tief unter der Pflanze Wasser fließt – und sie durch ihre Wurzeln den Kontakt dorthin hält.
Als wir diesen Satz als Überschrift über unser gemeinsames Leben auswählten, hatten wir natürlich keine Vorstellung, welch dürre Zeiten mit Krankheit, Schmerz, Herausforderung und Ratlosigkeit wir in unserem Leben noch zu bewältigen hätten. „Die Wurzeln zum Bach hinstrecken“ – selbst diese Selbstverständlichkeit war in mancher Lebensphase eine fast nicht zu bewältigende Herausforderung. Und doch hat die tiefe Wahrheit durch alle Zeiten hindurch große Bedeutung gehabt: Unter dem gerade recht dürr und trocken aussehenden Boden fließt frisches Wasser. Immer. Jederzeit. Gott sei Dank.

Biblische Worte als Wegweiser in Krisenzeiten

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In Zeiten von Krise, Weichenstellung und Neuorientierung bekommen Worte aus dem reichen Schatz der Bibel für mich besonderes Gewicht. Als wir vor Jahrzehnten vor einer wichtigen Entscheidung standen, geriet ein Satz von Jesus in unseren Blick und unser Herz: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere zufallen“ (aus der Bergpredigt, Matthäus 6,33).

Wir fragten uns: Was genau könnte das in der jetzigen Situation bedeuten – nach Gottes Reich trachten? Vielleicht ihn und seine Maßstäbe als wichtigstes Kriterium bei Entscheidungen nehmen? Seinem Wort und seiner Weisheit mehr Gewicht beimessen als meinem „Bauchgefühl“? Nicht in erster Linie nach Verdienst- und Karrieremöglichkeiten schielen, sondern überlegen: Wie könnte ich mich wo am sinnvollsten einsetzen für Gott, seine Welt und seine geliebten Geschöpfe?
Einfache Antworten haben wir nie gefunden. Vermutlich jede Menge Fehlentscheidungen getroffen. Und doch beständig eingeübt: Nicht ich bin der wichtigste aller Maßstäbe. Und das ist auch gut so.
In einem Liedtext, den ich zu diesem Satz von Jesus geschrieben habe, formuliere ich ganz schlicht: „Setzt euch zuerst für Gottes Sache ein – er gibt euch, was ihr braucht!“ Und in einem anderen Lied zur gleichen Bibelstelle: „Wer das neue Leben wagt, zuerst nach Gottes Zielen fragt, sich für Gott einsetzt, zu ihm steht, sich nicht nur um sich selber dreht, der wird viel mehr, als er es denkt, von Gott beschenkt.“

Durch die Bibel zu Liedern inspiriert

Diese verschiedenen Versionen des gleichen wertvollen Bibelverses lassen schon erahnen: Manchmal taste ich mich als Liedtexter durch harte Arbeit an Perlen im Buch der Bücher heran. Schon in jungen Jahren fing ich damit an, einzelne Bibelverse oder ganze biblische Bücher zum Thema von Liedtexten oder Konzeptalben zu machen: „Begegnungen – Fenster ins Johannes-Evangelium“, „Felsenfest – Fenster zur Bergpredigt“, „Höre Herr – Asaph-Psalmen“ und etliche andere Produktionen und einzelne Songs sind dabei entstanden. Viele Menschen bedanken sich bei mir dafür, dass sie in bestimmten Lebenssituationen durch eins meiner Lieder zu einem wichtigen Bibelvers hingeführt wurden. Wunderbar! Ich kann mich nur darüber freuen, dass meine Lieder auf diese Weise manchen Menschen „abholen“ und zur Quelle hin begleiten. Oder im Bild gesprochen: zu der „Apotheke“, wo er oder sie sich das von Gott vorbereitete „Lebenselixier“ abholen kann.

Um nur ein Beispiel herauszugreifen: Für das Album „Im Blick – Neue Fenster in die Welt der Psalmen“ schrieb ich ein Lied zu Psalm 4. Dort heißt es: „Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne.“ In meinem Liedtext übertrage ich das so: „Ich leg mich hin und hoffe auf eine gute Nacht. Ich kann in Ruhe schlafen, weil Gott wacht“: Ehrlich gesagt hätte ich beim Texten nicht erwartet, wie aktuell dieser kleine Satz für viele Zeitgenossen sein könnte.

Biblische Weisheiten berühren

Schon bald nach der Veröffentlichung hörte ich von Freunden aus Südafrika: „Danke für dieses Lied. Das trifft unsere Situation so gut. Die nächtliche Sorge vor Überfällen oder vor Einbrüchen macht uns zu schaffen. Dein Lied und den Verweis auf Psalm 4 nehmen wir als Zusage Gottes.“

Ein paar Jahre später berichtete mir eine Mitarbeiterin, dass sie den Liedtext immer zum Abschluss eines Gesprächsabends von Frauen miteinander sprechen lässt. Frauen, die sehr unter schlimmen Erfahrungen mit Missbrauch leiden. Die ihr Ur-Vertrauen verloren haben. Und die nun erleben sollen: Da ist ein guter Gott, der über dir und deinem Leben wacht.
Und schließlich hörte ich wieder und wieder nach Konzerten von Menschen, wie brennend für sie das Thema „Schlaf“ ist. Die nachts stundenlang wachliegen und kein Auge zukriegen. Beim Recherchieren erfahre ich: Jeder zweite Deutsche hat Schlafprobleme, jeder zehnte ganz massiv.
Ich gestehe: Für diese „Zielgruppe“ hätte ich niemals absichtlich ein Lied geschrieben, weil sie mir damals schlicht und einfach nicht bewusst war. Aber der Satz aus den Psalmen über die Sicherheit und den guten Schlaf hat mich inspiriert. Und sich als Volltreffer erwiesen. Für viele Menschen.
Und dabei weiß ich doch: Der erste, der von der intensiven Beschäftigung mit einem Bibeltext profitiert, ist genau der, der stunden-, manchmal tagelang an einem Liedtext über diesen Text herumtüftelt. Der immer neu um Formulierungen ringt, die genau das ausdrücken sollen, was gemeint sein könnte. Oder besser: Die genau wiedergeben, wie ich diese oder jene biblische Aussage verstehe und gerne weitervermitteln möchte.
Was für eine herrliche Aufgabe! Eine Aufgabe, die mich selbst immer mal wieder bereichert und beschenkt. Obwohl ich bei der Ausführung nicht selten an meine Grenzen stoße, nicht weiter weiß und dann all meine Notizen, meine Reim- und Synonymlexika und anderes Handwerkszeug frustriert aus dem Fenster werfen möchte, weil mir der passende Ausdruck einfach nicht einfallen will.

Respekt vor dem Wort Gottes

Vieles aus dem Fenster werfen, was mich und meinen Glauben ausmacht – diese Empfehlung bekam ich so oder so ähnlich zu Beginn meines Theologiestudiums. Ich studierte damals bewusst nicht an einer „frommen“ Bibelschule, sondern an einer ganz normalen Universität. Dazu noch an der in Marburg (natürlich geprägt vom einst dort lehrenden Rudolf Bultmann, der die biblischen Texte „entmythologisieren“ und damit irgendwie menschlich erklären wollte). Ich werde nie vergessen, wie ich vor den „Weihnachtslegenden“ gewarnt und über die „Hofberichterstattung“ über König David „aufgeklärt“ wurde.

Ja, da geriet schon einiges durcheinander, was in meinem Kopf zum Thema Bibel und ihre Zuverlässigkeit gespeichert war. Doch ich kann mit etwas Abstand sagen: Diese Erschütterung hat mir und meinem Glauben gutgetan. Ich bin erst einmal sehr viel vorsichtiger geworden und posaune seitdem meine ganz persönlichen Glaubenserkenntnisse nicht mehr allzu unreflektiert und vollmundig heraus. Eben weil ich mich darum bemühen möchte, aufrichtig, gut überlegt, wohlbegründet zu argumentieren und nicht einfach nur nachzuplappern, was ich mal irgendwo aufgeschnappt habe und was schön fromm und richtig klingt.
Mein Respekt vor der Heiligen Schrift ist durch die wissenschaftliche Beschäftigung damit sehr gewachsen. Ich erlebe heute, wie ich z. B. bei der Vorbereitung einer Predigt einerseits theologische Kommentare wälze und versuche, dem Grundtext in seinem historischen Kontext kritisch auf die Spur zu kommen. Und wie ich andererseits fröhlich und vertrauensvoll wie ein Kind jedes Wort genauso nehmen kann, wie es da steht.

Die Bibel als lebendiges Wort Gottes

Mir ist im Laufe meines Lebens immer mehr klar geworden: Ich habe die Bibel nicht im Griff. Ganz im Gegenteil. (Darum werde ich immer sehr skeptisch, wenn mir jemand weismachen will, er oder sie wisse ganz genau, was mit diesem oder jenem schwierigen Satz eigentlich gemeint sei.) Das Gegenteil ist doch der Fall: Die Bibel soll mich „im Griff“ haben, mich infrage stellen, mich ermutigen, mich vor den Kopf stoßen oder mir die Augen öffnen. Oder mir Orientierung und Begleitung geben an wichtigen Wegkreuzungen. Weil sie eben nicht ein zufällig zusammengeschriebenes Geschichts- und Geschichtenbuch mit Weisheiten aus dem Alten Orient ist. Sondern Gottes lebendiges Wort.

Immer wieder, immer neu, immer anders und oft sehr überraschend führt mich dieses Wort hin zu dem Fundament, auf dem mein Leben steht. Es stimmt schon: Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist: Jesus Christus


Diesen Artikel schrieb der Journalist, Autor, Liedtexter und Musiker Christoph Zehendner für die Jubiläumsausgabe der Zeitschrift Faszination Bibel (Ausgabe 01/2021). Faszination Bibel erscheint seit nun zehn Jahren im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört. 

 

 

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