Neun Hinrichtungstermine und drei „Henkersmahlzeiten“: Richard Glossip wurde 1998 in Oklahoma zum Tod verurteilt. Nun befasst sich der Oberste Gerichtshof mit seinem Fall.
Kaum ein Todesurteil hat in den USA so viel Aufmerksamkeit erregt wie das gegen Richard Glossip (61). Im Laufe der Jahre hat die Justizbehörde Oklahomas nach Angaben der Rechtshilfeorganisation Innocence Project insgesamt neun Hinrichtungstermine festgelegt und immer wieder aufgeschoben. Dreimal bekam Glossip die „Henkersmahlzeit“.
Zum Hinterrgund: Glossip war 1998 zum Tode verurteilt worden. Laut der Urteilsbegründung hatte er seinen Arbeitskollegen Justin Sneed 1997 in einem Hotel in Oklahoma City angestiftet, ihren gemeinsamen Chef Barry Van Treese zu ermorden. Sneed wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Glossip beteuerte seine Unschuld und bezichtigte Sneed, ihn nur belastet zu haben, um selbst der Todesstrafe zu entgehen. Die Staatsanwaltschaft habe Material zur Glaubwürdigkeit des Kronzeugen zurückgehalten, das ihn – Glossip – hätte entlasten können. Dies sah das Gricht nicht so. Auch das höchste Gericht von Oklahoma bestätigte das Todesurteil.
Wurden Grundrechte missachtet?
Jetzt beschäftigt sich der Oberste Gerichtshof der USA, der Supreme Court, mit dem Fall. Es soll klären, ob Glossips Grundrechte beim Strafverfahren verletzt wurden. Dann hätte er Anspruch auf einen neuen Prozess. Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Oklahoma, der Republikaner Genter Drummond, hatte sich für einen neuen Prozess ausgesprochen. In einem schriftlichen Antrag erklärte er, das Todesurteil sei mithilfe einer Falschaussage Sneeds zustande gekommen.
In Juristenkreisen wird Glossips Fall sehr unterschiedlich eingeschätzt, wie der Sender CBS berichtet. Hinterbliebene des Mordopfers haben sich in einem eigenen Antrag für die Hinrichtung Glossips ausgesprochen. „Nach 10.047 Tagen ist es im Interesse der Familie, dass die Todesstrafe ohne Verzögerung vollstreckt wird.“
Laut CBS wird das Urteil bis Ende Juni 2025 erwartet.
Quellen: epd, www.20min.ch, www.cbsnews.com, www.amnesty.at, www.bpb.de
Der 10. Oktober ist der internationale und der europäische Tag gegen die Todesstrafe. Laut Amnesty International haben bislang 113 Länder weltweit die Todesstrafe abgeschafft, darunter 24 auf dem afrikanischen Kontinent. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr dennoch deutlich mehr Menschen hingerichtet. Amnesty verzeichnete 1.153 Exekutionen für 2023 im Vergleich zu 883 im Jahr davor. Auch in diesem Jahr habe sich der besorgniserregende Trend fortgesetzt. Im Iran und in Saudi-Arabien sei die Zahl der Hinrichtungen gestiegen.

Wer einen anderen Menschen tötet, hat grundsätzlich kein Anrecht darauf weiterzuleben.
Im Einzelfall kann es aber durchaus Gründe geben, von der Todesstrafe abzusehen.
Grundsätzlich ist die Vergeltung einer Straftat, mit einer der Tat gleichen Strafe, gerecht.
Dass hierzulande Mörder nach 15 Jahren und bei guter Führung auch schon früher aus der Haft entlassen werden, empfinde ich nicht als gerecht.
Das Strafrecht ist durchaus zu reformieren.
> Grundsätzlich ist die Vergeltung einer Straftat, mit einer der Tat gleichen Strafe, gerecht
Das Judentum lehrt, dass das nicht der Fall ist.
Nehmen wir mal an, du verlierst eine Hand durch die Schuld eines anderen. Welchen Sinn ausser Rache hätte es, ihm auch eine Hand zu nehmen. Mehr hättest du dann aber nicht.
Denn er könnte danach z.b. kaum noch Geld für Schadensersatz und Schmerzensgeld verdienen.
Besser ist es, wenn die Strafe der Tat angemessen ist. Also du Schmerzensgeld, Verdienstausfall, Schadensersatz und der Täter obendrein noch eine Strafe erhält. Das nennt man Talionsgebot, also nur (die Gegenleistung für) ein Auge für ein Auge. Das ist das, was das Christentum fälschlicherweise als angebliches Rachegebot verunglimpft hat. Und was z.b. Bernd hier immer noch so auslegt.
Wobei durchaus für extrem schwere Verbrechen auch die Todesstrafe möglich war, aber nur als absolute Ausnahme.
Es geht um Vorsatz.
Die Regel Auge um Auge und Zahn um Zahn bedeutet ja, dass die Strafe der Tat oder/und dem Schaden angemessen sein soll, also weder zu mild noch zu streng.
Mit Rache hat das überhaupt nichts zu tun, sondern um ausgleichende Gerechtigkeit.
Du schreibst doch selber:“Besser ist es, wenn die Strafe der Tat angemessen ist.“ Dem stimme ich doch zu! Wenn jemand einen anderen vorsätzlich tötet, ist die Hinrichtung des Täters angemessen.
Vorsatz ist nur einer der Bestandteile des Rechts bei Mord. So gibt es z.B. rechtlich auch Rechtfertigungsgründe.
Man findet (ich meine im 3. Buch Mose, kann auch das 4. sein) in der Tat im Judentum die Todesstrafe für vorsätzlichen Mord (bei fahrlässiger Tötung ist die Strafe Verbannung; bei Tötung von ungeborenen Leben eine Geldentschädigung an die Eltern).
Nur heißt das nicht, dass bei vorsätzlichen Mord jeder Mörder die Todesstrafe auch tatsächlich bekam. Das war in der Tat nur die absolute Ausnahme, da hier auch das grundsätzliche Lebensrecht eines jeden Menschen und damit auch eines Mörders, berücksichtigt werden musste. So gab es komplexe Vorschriften, die alle das Ziel hatten, eben diese Vollstreckung der Todesstrafe zu verhindern.
Was nutzt die Todesstrafe? Wir haben sie ja in den USA. Weder wirkt sie präventiv, noch ist sie kostengünstiger. Sie wird nicht gerecht verhängt (trifft vor allem Schwarze und Arme) und sie bringt keinen Trost.
Das meiste, was du schreibst, geht an meinem Post vorbei.
Du fragst allen Ernstes, wem die Todesstrafe nutzt???
Natürlich den Angehörigen des Mordopfers! Denn die wollen Gerechtigkeit und keine Wiedereingliederung des Mörders.
Und das hat mit Rache nichts zu tun, sondern mit Auge um Auge und Zahn um Zahn.
> Natürlich den Angehörigen des Mordopfers! Denn die wollen Gerechtigkeit und keine Wiedereingliederung des Mörders.
Wie Todesstrafe auf diese Menschen wirkt, ist kaum erforscht. Du vermutest hier nur. Man betrauert ja den Verlust und dieser ist unumkehrbar.
> Und das hat mit Rache nichts zu tun, sondern mit Auge um Auge und Zahn um Zahn.
Es hat sehr viel mit Rache zu tun und nichts mit ‚Auge um Auge‘
US-Gouverneur George Ryan (Republikaner) in 2003, nachdem er alle Todeskandidaten begnadigte:
„“Ich bin in Kankakee aufgewachsen, einer Kleinstadt im Mittleren Westen, in der die Menschen einander kennen. Steve Small war ein Nachbar. Ich sah ihn aufwachsen. Er hütete später gelegentlich unsere Kinder, und das war keine leichte Aufgabe, denn meine Frau Lura Lynn und ich hatten sechs, davon damals fünf unter drei Jahren. Er war ein heller Kopf und half im Geschäft seines Vaters. Er heiratete und hatte drei eigene Kinder. Lura Lynn stand ihm und seiner Familie besonders nahe. Es war gut zu wissen, daß er für uns und wir für ihn da waren. Eines Nachts im September erhielt er einen Anruf. In einem nahe gelegenen Haus, das er gerade renovierte, sei eingebrochen worden. Als er hinausging, wurde er mit Waffengewalt gekidnappt. Seine Kidnapper begruben ihn lebendig in einer Grube. Er erstickte, bevor die Polizei ihn finden konnte.
Sein Mörder führte die Polizei an die Stelle, an der Steves Leiche lag. Der Mörder, Danny Edward, stammte ebenfalls aus meiner Heimatstadt. Er wartet heute in der Todeszelle auf seine Hinrichtung. Auch seine Familie kenne ich. Ich erzähle Ihnen das, damit Sie wissen, daß ich nicht als Neubekehrter handle, der nichts von den bitteren Erfahrungen weiß, unter denen die Angehörigen von Mordopfern leiden. Meine Verantwortung und meine Pflichten gehen aber über den Kreis meiner Nachbarn und meiner Familie hinaus. Ich repräsentiere das Volk von Illinois – ob Sie das mögen oder nicht. Meine Entscheidung wird nicht nur hier, sondern in aller Welt Beachtung finden.
Kürzlich erhielt ich einen Anruf von Nelson Mandela. Ich war gerade in einem Restaurant und aß ein Sandwich mit Corned Beef. Wir sprachen gut zwanzig Minuten miteinander. Die Botschaft, die er mir vermittelte, besagte im wesentlichen, daß die Vereinigten Staaten der übrigen Welt die Standards für Gerechtigkeit und Fairneß setzen. Aber wir spielen nicht in derselben Liga wie Europa, Kanada, Mexiko oder der größte Teil Süd- und Mittelamerikas. Dort hat man die Todesstrafe abgeschafft. Wir sind Partner im Tode mit diversen Ländern der Dritten Welt. Wußten Sie, daß selbst Rußland ein Moratorium ausgerufen hat?
In zwölf amerikanischen Bundesstaaten ist die Todesstrafe abgeschafft worden, und in keinem dieser Staaten ist die Zahl der Morde gestiegen. Hier eine Zahl, die Ihnen zu denken geben sollte: Im vergangenen Jahr hatten wir in Illinois etwa 1000 Morde, und nur in zwei Prozent der Fälle ist die Todesstrafe verhängt worden. Ich wüßte gerne, was daran fair und gerecht sein soll. Die Todesstrafe wird deshalb nicht fair und gerecht verhängt, weil es für die 102 Counties des Staates keine einheitlichen Richtlinien gibt. Die Staatsanwälte entscheiden, ob sie die Todesstrafe beantragen. Darf die Geographie bestimmen, wer zum Tode verurteilt wird? Ich meine nein, aber in Illinois gibt es solche Unterschiede. In den ländlichen Regionen besteht eine fünffach höhere Wahrscheinlichkeit, daß man zum Tode verurteilt wird, als etwa hier in Cook County. Eine fünffach höhere Wahrscheinlichkeit. Wo ist da die Fairneß, wo das rechte Verhältnis?
Ich brauche nicht zu betonen, daß ich nie die Absicht hatte, mich in dieser Frage als Aktivist hervorzutun. Schon bald nach meiner Amtsübernahme erlebte ich aber mit Verwunderung und Bestürzung, wie der Todeskandidat Anthony Porter aus dem Gefängnis entlassen wurde. Als freier Mann trat er Professor Dave Protess von der Northwestern University gegenüber. Ist Dave im Saal? Ich werde nie vergessen, wie der kleine Anthony Porter dir als freier Mann um den Hals fiel, denn du hattest zusammen mit deinen Publizistikstudenten seine Unschuld bewiesen.
Anthony Porter trennten nur 48 Stunden von der Hinrichtungszelle, wo der Staat ihn töten wollte. Alles wäre sehr aseptisch abgelaufen, und die meisten von uns hätten nicht einmal Notiz davon genommen. Nur daß Porter unschuldig war. Er hatte den Doppelmord, für den man ihn zum Tode verurteilte, nicht begangen. Es ist unvorstellbar: Bei der Hälfte der nahezu 300 Todesurteile in Illinois wurde ein neues Verfahren oder eine Revision des Urteils angeordnet. Wer von Ihnen kann in seinem Beruf mit einer Genauigkeit von fünfzig Prozent leben? Dreiunddreißig Insassen der Todeszellen wurden bei ihrem Prozeß von einem Anwalt vertreten, dem man später die Zulassung entzog oder dem schon einmal zeitweilig die Zulassung entzogen worden war. Unter den 160 Todeskandidaten befanden sich fünfunddreißig Afroamerikaner, die nicht von ihresgleichen, sondern von rein weißen Jurys verurteilt worden waren. Mehr als zwei Drittel aller Todeskandidaten waren Afroamerikaner. Ich erinnere mich, wie ich mir diese Fälle ansah und mich selbst wie auch meine Leute fragte: Wie kann so etwas in Amerika geschehen? Diese Frage stelle ich nun seit drei Jahren, und bisher hat noch niemand sie beantwortet.
Wenn Sie wirklich wissen wollen, was schändlich und unerträglich ist, dann meine ich, daß siebzehn in Illinois zum Tode Verurteilte, die später freigesprochen werden mußten, nichts anderes als ein katastrophales Versagen darstellen. Unser Todesstrafensystem ist mit unerträglichen Fehlern behaftet, bei der Feststellung der Schuld wie auch des Strafmaßes.
Je näher meine Entscheidung rückte, desto mehr fragte ich mich, ob ich auch Daniel Edwards begnadigen würde – der Mann, der Steve Small, den Freund meiner Familie, getötet hat. Als ich mit meiner Frau darüber diskutierte, war sie erzürnt und enttäuscht über meine Entscheidung, wie so viele Angehörige von Opfern es sein werden. Der Zorn der Familien von Mordopfern hat mich beeindruckt. Sie appellierten an mich, die Todesstrafe beizubehalten, damit sie Frieden finden. Aber ist das der Zweck der Todesstrafe?
Ich kann mir nicht vorstellen, ein Familienmitglied durch Mord zu verlieren. Aber ebensowenig kann ich mir vorstellen, zwanzig Jahre lang in jeder wachen Stunde darauf zu warten, daß der Mörder hingerichtet wird. Das System der Todesstrafe in Illinois ist so unsicher, daß es gar nicht ungewöhnlich ist, wenn ein Fall zwanzig Jahre bis zu seinem Abschluß benötigt. Und wir können von Glück sagen, daß es so ist. Denn wenn ich auf Eile gedrungen hätte, wären Anthony Porter, Ronald Jones, Madison Hobley und andere unschuldig zum Tode Verurteilte möglicherweise längst tot und begraben.
Aus all diesen Gründen wandle ich alle ausgesprochenen Todesstrafen in Freiheitsstrafen um. Diese Umwandlung erfolgt pauschal. Ich habe selbst nicht geglaubt, daß ich es tun würde. Es ist mir klar, daß ich mir damit den Zorn und die Verachtung vieler Menschen zuziehen werde. Aber die Menschen unseres Staates haben mich gewählt, damit ich für Gerechtigkeit sorge. Meine Mitarbeiter und ich haben viele Tage und schlaflose Nächte mit der Überprüfung des Systems verbracht. Heute nacht werde ich gut schlafen, weil ich weiß, daß ich die richtige Entscheidung getroffen habe.“
https://www.spiegel.de/panorama/george-ryan-der-gute-mensch-von-illinois-warum-ich-alle-gefangenen-in-der-todeszelle-begnadigt-habe-a-230734.html
Es kann nicht sein, dass Menschen andere Menschen töten, es sei denn aus Notwehr.
Tolerieren wir das Tötungsrecht, dann ergeben sich daraus auch Ehrenmorde und „gerechte“ Kriege, was nicht im Sinne der Schöpfung sein kann. Wer legt denn den Maßstab für solche Entscheidungen fest und entscheidet über Leben oder Tod?
Verrückt wird es, wenn Christen die Todesstrafe für Abtreibungärzte fordern, weil diese ungebores Leben nehmen.
Volle Zustimmung
Michael: Endlich mal jemand dem ich voll zustimmen kann. Die Welt und hier wir sind sehr widersprüchlich. Ich hoffe, dass ich diesen Mangel so einigermaßen klein halten kann.
Todesstrafe ist mittelalterlicher Relikt
Todesurteile sind fragwürdig, zumal aus unserer Perspekte als Christinnen und Christen. Papst Johannes Paul II hatte damals seinem Attentäter ausdrücklich vergeben und ihm dies sehr glaubwürdig persönlich vermittelt. Es stellt sich auch die theologische Frage, ob Gott endgültig über einem Menschen den Stab bricht. Jedenfalls am Kreuz hat Jesus die Schuld der ganzen Welt vergeben. Schon in der Schöpfungsgeschichte, einem antiken Glaubensbekenntnis, hat Gott den Kain nicht nach dem Prinzip Auge und Auge und Zahn um Zahn verurteilt. So wie wir alle Adam und Eva sind, können wir auch immer Kain oder Abel sein, also Täter oder Opfer. Bereitschaft zur Vergebung scheint in unserem Jahrhundert in der westlichen Welt oft noch nicht einmal eine theoretische Möglichkeit zu sein, weder im persönlichen Leben, noch in der Politik. Wir sind hier die Heiligen Gottes, aber dann zugleich können wir auch die Sünder sein. Ich halte die Todesstrafe für ein Relikt des Mittelalters. Vorallem ist dies eine Art der Bestrafung, die nur noch Rache darstellt und niemals einen Funken Resozialisierung beinhaltet. Zudem ist die Todesstrafe an Grausamkeit geradezu Spitzenklasse. In anderen Kontinenten, etwa Afrika, gibt es noch Christen die wirklich vergeben, auch wenn sie persönlich vorher vom Unrecht anderer gebeutelt wurden. Denn man kann auch ein großer Mensch werden, nicht mit eigenen kreativen Fähigkeiten, oder unserer Macht über andere, oder eben gerade durch die Vergebung Größe beweisen. Vergebung bedeutet, einen absoluten Schlußstrich zu ziehen und das Ereignis als etwas zu betrachten, was jetzt nicht mehr relevant ist.
Zunächst mal klingt es so, als wenn du das jüdische ‚Auge um Auge‘ so verstehst, dass gleiches mit gleichem vergolten wird. Genau das heißt es nicht, auch wenn das Christentum das bis in die Neuzeit aus antisemitischen Gründen so dargestellt hat. Erst in den letzten Jahren findet sich auch auf christlichen Veröffentlichungen z.b. der EKD eine Klarstellung, wo diese Verdrehung eben als christlicher Antisemitismus klar benannt wird.
‚Auge um Auge‘ ist das sogenannte Talionsrecht, wonach die Strafe verhältnismäßig zur Tat sein muss. Dieses Gebot der Verhältnismäßigkeit ist z.b. auch ein Grundpfeiler des deutschen Rechts.
Das Christentum ist übrigens auch nicht gegen die Todesstrafe. Es hat es in seiner Geschichte meist selbst verhängt und bis heute werden z.b. sehr viele Christen (z.b. in den USA) diese auch immer noch richtig finden. Sie ist also nicht unchristlich.
Wohl aber ist sie unmenschlich. Und auch unfair, da sie Schwarze, Arme und ähnliche Gruppen viel öfter trifft, auch was Fehlurteile angeht.
Zum Punkt Vergeben: Vergebung kann man nicht fordern von den Opfern, wie du es hier tust. Vergebung kann nur freiwillig geschenkt werden.
Die Todesstrafe ist gegen Gottes Willen
Da muß ich dir, liebe Chey leider widersprechen (es ist nicht oberlehrerhaft gemeint). Mir ist sehr wohl bekannt, dass das Auge um Auge-Prinzip zur Zeit Jesu dem Übermaß entgegen wirken sollte. Strafe muss immer verhältnismäßig sein. Nimmt man die Bibel ernst, und dies kann man hier ausgerechnet Fundamentalisten und Evangelikalen fairerweise nicht absprechen, widerspricht auch die Todesstrafe fundamental der gesamten Botschaft des Alten und Neuen Testamentes. Adam und Eva wegen ihrer Grenzüberschreitung und Kain wegen seinem Brudermord wurden von Gott nicht zum Tode verurteilt. Wenn heute fast alle Theologen und die Gläubigen zurecht die Schöpfungsgeschichte als antikes Glaubensbekenntnis ansehen, bleibt dies doch wahr, denn alle Bibeltexte sind genauso Gottes Wort. Oder Gottes Wort wird in jeder Predigt gesprochen. Ebenso wurde Jesus an unserer Stelle bestraft und zum Tode verurteilt und er ließ sich (freiwillig) kreuzigen. Danach gibt es für alle Menschen ohne Anspruch und völlig voraussetzungslos Begnadigung. Daß niemand sich an Gott (im Tode) vorbeimogeln kann, dafür sorgt Gott allerdings selbst. Und es spricht für sich selbst, daß unter diesen auch hier geschilderten Aspekten die Todesstrafe ehtisch nicht vertretbar sein kann. Wir sind wahrscheinlich nicht übereinstimmend, wenn ich hier auch ausführe, dass das Gebot „du sollt nicht töten“ auch das Töten im Auftrag der Gemeinschaft bzw. des Staates verbietet. Gegen das Töten spricht auch die alttestamentarischer Prophetie, dass die Schwerter einst zu Pflugscharen gemacht und die Kriege geächtet werden. Warum soll etwas geächtet werden, wenn es nicht böse ist? Oder warum sollte Gott, in dem er Kriege führt, etwas tun was gut ist? Nur eines ist klar: Egal ob jemand vom Staat getötet wird, oder im privaten Umfeld das Leben genommen bekommt, der Schmerz und der Verlust sind gleich. Diskutabel ist allenfalls die Notwehr. Andererseits: Wenn alle nach Gottes Gebot leben, ist Notwehr auch nicht nötig. Es werden sich alle Menschen mit Gott versöhnen, sonst wäre Gott mit seinem Erlösungswerk katastrophal gescheitert. In heutigen Nahtoderfahrungen schildern Menschen, die dort einen Lebensrückblick erlebten, dass sie sich furchtbar schämten für vieles, wofür sie jetzt ihr Gewissen bestrafte. Gott bestrafte sich nicht. Daher glaube ich, wie es die Bibel überliefert, am Ende aller Zeiten alle Menschen und Völker ihre Knie vor Gott beugen. Damit behält er recht, daß wir Sünder sind. Aber dass wir auch unverdient erlöst sind.
Im übrigen wird der Wille Gottes nicht von der Meinung einer Minderheit oder Mehrheit von Menschen in den USA festgelegt.
Wenn dir die Bedeutung des Talionsrechts bekannt ist, warum schreibst du dann so etwas: „… hat Gott den Kain nicht nach dem Prinzip Auge und Auge und Zahn um Zahn verurteilt.“?
Die Todesstrafe in der Bibel ist komplex. Und man muss zwischen jüdischem und christlichen Verständnis unterscheiden. Beim jüdischen Verständnis kommt z.B. die Auslegung des Tanach dazu, was dazu führt, dass obwohl die jüdischen Schriften an vielen Stellen die Todesstrafe für vieles fördert, es im Judentum selbst in früheren Zeiten kaum vollstreckte Todesstrafen gab.
Das sah bekanntlich im Christentum anders aus. Denn die reine Schrift der Bibel ist eben voll von Todesstrafe. Insofern dürfte es Christen aus ihrer Schrift heraus schwer fallen, biblisch dagegen zu argumentieren.
Vielleicht Scheinwidersprüche?
Falsch: Gott hat den Kain NICHT (nach dem Prinzip Auge um Auge – Zahn um Zahn) also Tod mit Tod – biblisch zum Tode verurteilt. Selbstverständlich ist Kain auch keine historische Person, wir alle sind Kain und auch ein/e Abel:in . Denn unter christlicher Sicht haben so oder ähnlich viele Theologen, auch in ihrer Predigt, die Todesstrafe als nicht göttlich gewollt angesehen. Das Opfer Jesu ist die Vergebung der Schuld aller Menschen, völlig ohne Vorbedingung. In Folge soll dann unsere Reaktion sein, die von Gott bereits erfolgte Versöhnung unbedingt auch anzunehmen. Dahinter kann m.E. kein Christ zurück. Und selbstverständlich widerspreche ich nicht dass die Bibel voller Todesstrafen ist. Aber daher ist es ja erforderlich, die Bibel auszulegen, gemäß der Erkenntnis von Martin Luther, die heute ökumenisch geteilt wird, an der Person und dem Werk Jesu. Unter dieser Voraussetzung sollten wir hier auch keinen destruktiven Streit von jüdischem und christlichem Verständnis austragen, was Gott will oder nicht. Notfalls müssen unsere unterschiedlichen Standpunkte bestehen bleiben, wobei wahrscheinlich ist, dass es auf jüdischer Seite auch differgierende Überzeugungen gibt. Dies wäre zutiefst menschlich und entspricht der Erfahrung. Oft stellt sich aber bei sehr schwierigen Fragen unter vertiefter Betrachtung heraus, dass es sich nicht selten auch um Scheinwidersprüche handelte. Die allermeisten Theologen und die meisten Christen sind davon überzeugt, was sich sachlich begründen lässt, dass die Bibel eine ganze Bibliothek unterschiedlicher Literaturformen ist, hauptsächlich auch der Lebens-, Glaubens- und Erfahrung von Gottesbegegnung.
Aber in die Überlieferung schleicht sich unbewusst und oft unabsichtlich auch Irrtum und Fehler ein, aber auch Polemik in der Kommunikation über Glaubensfragen. Wir glauben (eigentlich) nur an einen unfehlbaren Gott, seinen Messias und Heiligen Geist, aber an keine unfehlbare Heilige Schrift. Menschen sind Menschen, auch in der Bibel, und sie irren oft.
Dass Gotteswort immer Gotteswort durch Menschenwort ist, haben seinerzeit die (vereinfacht ausgedrückt auch konservativen) Evangelikalen auch überzeugt mitunterzeichnet haben.
> Gott hat den Kain NICHT (nach dem Prinzip Auge um Auge – Zahn um Zahn) also Tod mit Tod – biblisch zum Tode verurteilt.
Liest du eigentlich irgendwann auch mal, was andere dir schreiben?
Auge um Auge bedeutet nicht (!!!), gleiches mit gleichem zu vergelten. Die Behauptung, dass es das tut, ist auch nach heutiger Ansicht Deiner EKD klar antisemitisch.
“
Antijüdischen Klischees in der Kirche begegnen (…)
»Alttestamentarische Rache«
Der fälschlicherweise als »Rachegebot« bezeichnete biblische Satz »Auge um Auge, Zahn um Zahn« (2. Mose 21,23-24) regelt in Wahrheit Schadensersatzleistungen, wie sie auch die moderne Rechtsprechung kennt. Der Auslegungstradition zufolge soll damit ein Ausufern der Gewalt verhindert werden. Eine Aufforderung zur Vergeltung für erlittenes Unrecht kennt weder das Alte noch das Neue Testament. Es ist daher nicht sachgemäß, wenn in der Berichterstattung der Medien über militärische Aktionen im Nahen Osten immer wieder auf den genannten Bibeltext verwiesen wird. “
https://www.ekd.de/antijuedischen-klischees-in-der-kirche-begegnen-30986.htm
Es ging mir um die christliche Auslegung der Todesstrafe. Aber die Bibel ist nicht vom Himmel gefallen bei uns Christen und es gibt nicht n u r eine mögliche Auslegung. Aber was ich zur Stellung der Todesstrafe schreibe, entspricht doch weitgehend einer Sicht der Theologen und ihrer Auslegung. Und dann – das schreibe ich schon permanent – wird auch das Alte Testament an Jesus ausgelegt. Das dürfte weitgehend unstrittig sein, trifft abr nicht das Verständnis christlicher Fundamentalisten. Ich kann also biblisch nicht aufgrund eines wortwörtlichen Verständnissen argumentieren, dies wäre eine völlig unübliche Art und Form. Tut mir leid, dass ich immer an dir herummeckere. Ich will ja deine Auffassung akzeptieren, habe aber eine andere. Und das muss ja fast schon so sein, denn sonst hätten wir uns ja hier nur auf die Schulter zu klopfen.
Du meinst, du vertrittst bezüglich des Talionsgebots die antisemitische (siehe EKD-Link, wo diese so eingeordnet wird) Auslegung?