Was Harris und Sampson mich über den Glauben lehren

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Marty Sampson und Joshua Harris
Marty Sampson und Joshua Harris. Fotocollage: Jesus.de; Bildquellen: YouTube / Hillsong Worship / www.isurvivedikdg.com
Erst Joshua Harris, jetzt auch Marty Sampson: Im Abstand von nur wenigen Wochen haben gleich zwei bekannte Christen öffentlich gemacht, dass sie mit dem Glauben hadern. Das macht betroffen – aber gibt auch Mut.

Von Nathanael Ullmann

Überblicke ich die Nachrichten der vergangenen Wochen, überkommt mich ein Wechselbad der Gefühle. Zuerst erklärt der Bestsellerautor Joshua Harris auf Instagram, dass er sich von seiner Frau scheiden lasse und sich nicht mehr als Christ sehe. Millionen Gläubigen hat er Jahre zuvor noch Beziehungstipps gegeben. Jetzt gibt er das, wofür er Jahre stand, auf. Kurze Zeit später schreibt auch Hillsong-Musiker Marty Sampson, dass sein Glaube derzeit auf sehr wackeligen Füßen stehe. Ob das Christentum stimme oder nicht, könne er für sich nicht mehr beantworten.

Es gibt keine Vorzeigeläufer

Es mag konfus klingen, aber mir machen solche Meldungen erst einmal Mut. Obschon ich immer im christlichen Kosmos gelebt habe, war ich nie der Vorzeige-Christ. Immer wieder sehe ich mich mit Zweifeln konfrontiert, immer wieder hinterfrage ich die Bibel und den Glauben. Ich werde mit aller Wahrscheinlichkeit niemals der sein, der voller Inbrunst Lobpreislieder mitschmettert oder mit der Bibel in der Hand in der Einkaufsmeile missioniert. Und es erfüllt mich mit einer Mischung aus Trauer und Neid, sehe ich mich mit christlichen Vorkämpfen konfrontiert, wie sie Harris und Sampson über Jahre hinweg waren. Es scheint ja offenbar zu gehen, ohne Zweifel für seine Sache einzustehen und völlig im Heiligen Geist aufzugehen.

Dass hinter dieser Fassade sehr wohl mehr Fragen als Ausrufezeichen stehen, beruhigt mich. Wir sind eben nicht von christlichen Überwesen umgeben, sondern von Zweiflern, Kämpfern und Schwachen. Harris und Sampson sind Menschen wie (hoffentlich auch) du und ich. Ich hinke nicht einsam hinter den Musterläufern über die Ziellinie, sondern diese Superläufer straucheln auch gelegentlich. Nachrichten wie diese machen mir noch einmal deutlich: Der christliche Glaube ist ein Glaube für Unvollkommene. Kein Mensch ist perfekt – und das darf im Christentum auch so sein. Schließlich hat sich sogar Jesus gerade die Gebrochenen gesucht: den zweifelnden Thomas, den verleugnenden Petrus, …

Ein Gott der Hinkebeine

Und doch machen mich diese Meldungen auch betroffen. Natürlich sollten wir Christen all unsere Hoffnung auf Jesus setzen. In der Praxis suchen wir uns aber doch immer wieder weltliche Mentoren für unser Glaubensleben. Und diese Hirten sind nicht selten populäre Menschen wir Harris und Sampson. Wenn nun sogar unsere Glaubenslehrer stolpern, wie steht es dann erst um uns? Wie soll ich es schaffen, Tag für Tag am Christentum festzuhalten, wenn sogar diese überzeugten Christen das offenbar nicht vermögen? Ihr Zweifeln bringt auch mich ins Zweifeln. Das ist nicht Vorderhand schlimm – daraus kann ein stärkerer Glauben erwachsen. Aber es hinterlässt ein ungutes Gefühl. Das Gefühl, dass ein Mitkämpfer fehlt.

Ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass Joshua Harris und Marty Sampson durch ihr Hadern zu einem neuen Verständnis von Gott gelangen. Ich hoffe, dass sie dadurch erneut zu einem Vorbild werden – für all die Gestürzten, die versuchen, im Glauben neu aufzustehen. Ich hoffe, dass sie zu einem Beispiel dafür werden, dass es vollkommen in Ordnung ist, im Glauben zu hinken und sich vielleicht eine Weile ganz von Jesus tragen zu lassen. Denn unser Gott ist einer der Hinkebeine, keiner der Extremsportler.

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14 DIREKT-KOMMENTARE

  1. „Der christliche Glaube ist ein Glaube für Unvollkommene.“
    Jo, so isses! Und wenn man über Christen, die wirklich etwas bewegt haben, liest, dann stellt man immer wieder erstaunt fest, daß sie voller Zweifel waren und immer wieder Ihren Glauben hinterfragten. Was Dietrich Bonhoeffer, Frère Roger und Mutter Teresa gemeinsam hatten, waren neben einer kompromisslosen Hingabe an Jesus, einer Vorbildfunktion für Millionen Christen und internationaler Anerkennung eben auch ein lebenslanger Kampf mit ihren eigenen Zweifeln und Unglauben.

  2. Vorbilder im Glauben brauchen zwei Dinge besonders: Den Mut, entgegen der öffentlichen Erwartung der Fangemeinde, Schwächen offen zuzugeben und zweitens: Menschen, die im Gebet hinter ihnen stehen. Menschen, die sie nicht auf einen Podest stellen, sondern sie im Gegenteil, rechtzeitig herunterholen. Ansehen und Berühmtheit sind wunderbare Angriffspunkte für den Feind – und der schläft nicht. Wenn du also ein Vorbild hast oder eine Leiter besonders verehrst, bete für ihn!

  3. ??? „Unser Gott ist einer der Hinkebeine, keiner der Extremsportler.“ Zitat Ende. ??? Wie meinen Sie das bitte? Das klingt, als sei unser Gott krank und schwach, ist Er aber NICHT!!! Gott ist allmächtig und souverän!!! Schwach und krank sind wir Menschen, alle, auch die, die nach außen hin meist stark wirken, alle Menschen haben Schwächen, eben auch Christen. Mir gefällt immer der Spruch: „Wir Christen sind nicht besser, aber wir sind besser DRAN!“ Als Christen sind wir besser dran als Ungläubige, weil wir wissen können, dass wir uns in allen Situationen an Gott festhalten dürfen und dass Er Schuld vergibt, wenn wir Jesu Tat am Kreuz für uns in Anspruch nehmen!!!
    Auch christliche Vorbilder sind eben nur Menschen, sie sind nicht Gott!! Auch eine Mutter Teresa z. B. wurde immer wieder sehr von Zweifeln geplagt, aber sie hat Gott nicht losgelassen.

    • Liebe Eva-Maria,

      genau das meine ich auch 😉 Deswegen schrieb ich nicht „Unser Gott ist ein Hinkebein“, sondern, er sei einer für Hinkebeine. Es ist ein Gott für schwache Menschen, für Fehlermachende, für Sünder eben 🙂

      Beste Grüße
      Nathanael

  4. Danke, Nathanael, für Dein „weiches Taschentuch“, mit dem jeder irgendwie berührte Christ seine Tränen abtrocknen darf…

  5. „Wie soll ich es schaffen, Tag für Tag am Christentum festzuhalten,“

    Gar nicht!

    Es geht nicht um das Christentum, es geht um unsere Beziehung zu Jesus. Jede Beziehung hat ihre Höhen und Tiefen, aber wenn ich mir vorstelle, dass ich nicht einfach einer Religion nachfolge, sondern mit Jesus einen lebendigen Gegenüber habe, den ich mehr und mehr kennenlernen will, dann können bekannte Christen vom Glauben abfallen (oder ihrer Religion), man muss sich aber auch fragen, ob sie ihre Beziehung zu Jesus aufgegeben haben, oder Ihn überhaupt jemals kennengelernt haben.

  6. Bin heute morgen gerade mit der Frage an Jesus aufgewacht: Herr, warum ist es oft so zäh dir nachzufolgen? Ich weiß warum – und dennoch. Bin seit 1971 in der Nachfolge Jesu, habe wegen meiner Berufung tausende Male auf der Kanzel stehen dürfen (egal, wie es mir ging), durfte einige Bücher schreiben. Dabei war es mir immer wichtig, vor der Gemeinde transparent zu bleiben und über meine Schwächen, die manchmal vehement durchbrechen, zu reden. Das hat viele Christen ermutigt. Manchmal wäre vielleicht weniger Lobpreis dran und mehr Bekenntnis der eigenen Unvollkommenheit, obwohl ich von Gott vollständig in Jesus gerechtfertigt bin. Ich weiß, es geht nicht um ein Entweder-Oder. Aber doch um Schwerpunkte in unseren öffentlichen Auftritten als Christen, wo manche wohl in Vergessenheit geraten sind. Wir wollen nicht mit unseren Schwächen kokettieren, aber doch erzählen in dem Bewusstsein, dass unsere Schwächen die Geliebten Gottes oft mehr trösten als unsere Stärken. Und der Heilige Geist hat noch nie jemanden entmutigt, der in der Nachfolge Jesu ist. Wir sollten die Spannung kennen: „Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden“ (1.Joh 3,2). Heute bleiben wir nüchtern in dem Wissen: Wir sind in dieser Welt Gerechte und Sünder zugleich. Das bewahrt vor allem Abheben und allem Verzweifeln an der eigenen Unvollkommenheit in uns und dem Chaos um uns herum. Es bleibt wohl zäh, bis… 🙂

  7. Leider hat den beiden Männer die gefühlte Toleranz ein Bein gestellt, denn in der Nachfolge unseres Herrn Jesus gilt nur eines !
    Jesus ist die absolute Wahrheit und in diesem Rahmen der Toleranz bewege ich mich, nur die ist gültig und nicht die Toleranz, die die Welt ‚predigt‘. Jesus lässt jedem Einzenen die freie Entscheidung, dieser weltlichen Toleranz zu folgen, denn ER hat nur Freude an dem einen/der einen, die IHM die Herzenstür weit öffnen und sagen ich filge DIR, Herr. Amen

  8. Sehr schöner und differenzierter Artikel, vielen Dank dafür! Ich habe evangelikale Theologie studiert um genau diese Sichtweise zu finden und weiter zu entwickeln. Wir tuen leider oft genug so, als müssten wir Gott retten und eine Religion rechtfertigen, am Ende ist Gott nicht ein Gott einer Region, sondern des Menschen. Ich bin – der ich bin!

  9. Ob ein Christ imperfekt ist, das ist nicht das Thema.
    Der zentrale Punkt ist, dass keiner der imperfekte Männer der Bibel
    je das Wort Gottes oder Gott selbst die Autorität aberkannt haben.
    Wenn Christen eine führende Position geniessen in einer Kirche oder Verein,
    es ist besser dann diese Position zu Missbrauchen um Menschen
    in die eigene Tiefe mitzuziehen.

  10. Ein schöner Kommentar. Und so wahr. Wir müssen auch gar nicht perfekt sein, auch nicht im Glauben. Das ist das Schöne. Wir dürfen mit all unserer Bedürftigkeit immer wieder zu Gott kommen und das erbitten, was uns fehlt. Auch im Glauben. So, dass wir wieder zu Kräften kommen und mit Jesus auf dem Weg, den er uns vorgelebt hat, weitergehen können.

  11. Was Harris und Sampson mich ber den Glauben lehren

    Inkonsequenter Artikel

    https://www.jesus.de/was-harris-und-sampson-mich-ueber-den-glauben-lehren/

    „Erst Joshua Harris, jetzt auch Marty Sampson: Im Abstand von nur wenigen Wochen haben gleich zwei bekannte Christen öffentlich gemacht, dass sie mit dem Glauben hadern. Das macht betroffen – aber gibt auch Mut.
    Von Nathanael Ullmann“

    hinter dieser Fassade
    “ Und es erfüllt mich mit einer Mischung aus Trauer und Neid, sehe ich mich mit christlichen Vorkämpfen konfrontiert, wie sie Harris und Sampson über Jahre hinweg waren. Es scheint ja offenbar zu gehen, ohne Zweifel für seine Sache einzustehen und völlig im Heiligen Geist aufzugehen.

    Dass hinter dieser Fassade sehr wohl mehr Fragen als Ausrufezeichen stehen, beruhigt mich. “

    „Wir sind eben nicht von christlichen Überwesen umgeben, sondern von Zweiflern, Kämpfern und Schwachen.“
    Ist das wirklich die Frontenstellung?

    „Nachrichten wie diese machen mir noch einmal deutlich: Der christliche Glaube ist ein Glaube für Unvollkommene.“
    Das ist nicht richtig!

    Nein, der Glaube Christi ist für Tote Menschen, die Leben aus Christus haben sollen!

    „Kein Mensch ist perfekt – und das darf im Christentum auch so sein.“
    Klar! Christentum ist eine Stilform, wie jede andere Religion. Da darf Mensch alles sein!

    „Natürlich sollten wir Christen all unsere Hoffnung auf Jesus setzen. In der Praxis suchen wir uns aber doch immer wieder weltliche Mentoren für unser Glaubensleben“

    Wer auf Menschen vertraut ist verflucht! Jer.

    „Ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass Joshua Harris und Marty Sampson durch ihr Hadern zu einem neuen Verständnis von Gott gelangen. Ich hoffe, dass sie dadurch erneut zu einem Vorbild werden – für all die Gestürzten, die versuchen, im Glauben neu aufzustehen.“

    Ich hoffe, das sie dadurch verstehen; Wenn die Person Christi selbst es nicht ist, wodurch Glaube ist (denn seine Treue ist beständig!),
    auf Ewig das Verständnis kein zu Hause hat!
    https://community.jesus.de/forum/ansicht/thread.html?ctrl%5Bpost_uid%5D=12679013

  12. Diese beiden Männer sind für mich keine „Glaubenslehrer“, dafür bedarf es schon etwas mehr Tiefgangs. Der Glaube an Jesus Christus ist nicht schrill, bunt, laut, voller moralischer Vorschriften, die man am liebsten den anderen macht. Glaube setzt nicht unter Druck, es ist Jesus selbst, der an und in uns wirkt und nicht umgekehrt. Darum ist auch jeder Automatismus ausgeschlossen ala „ich will und Gott macht das dann schon so“. Glaube ist auch nicht, ein Dauergrinsen im Gesicht und immer ein fröhliches Lied auf den Lippen zu haben. Das Evangelium von Jesus Christus als den Erlöser und Retter ist hineingesprochen in eine Welt voller Not, Bedrückung, Verfolgung und Elend. Zum Glauben gehört daher immer auch der Zweifel, das Fragen, das Nichtverstehen. Gerade in solchen Momenten ist es aber eben besonders wichtig, darauf zu vertrauen, dass Gott es ist, der an uns wirkt und nicht umgekehrt. ER will und wird es gutmachen. Von daher kann es überhaupt keine „Vorzeigechristen“ geben. Und das ist auch gut so.

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