Miteinander statt gegeneinander – das ist leichter gesagt als getan. Und doch sind wir als Christen erst mal zu einem Leben mit „Für-Haltung“ aufgefordert: Für Christus und für den Anderen. Andreas Boppart gibt Tipps für ein Grundrauschen der Liebe trotz Unterschiedlichkeiten.

Wir sind „für“ Christus und füreinander. So haben wir kürzlich einen der Grundwerte von Campus für Christus formuliert. Klingt simpel und schon fast unnötig, ist aber ein wahres Kraftpaket für eine gemeinsame Kultur. „Dafür sein“ heißt nicht, dass wir die Augen verschließen vor Unterschiedlichkeiten, Dinge schönreden oder Aspekte, die wir nicht gutheißen, verschweigen. Wir schalten unseren Verstand und unseren Wahrheitssinn nicht auf Flugmodus, sondern erlösen das Lieben endlich wieder aus dem Zustand der Untätigkeit. Das bedeutet: Wir bleiben einander zugewandt, verstehend und lernend. Wir kämpfen mit- und füreinander.

Unser Miteinander, auch mit anderen Kirchen und Werken, ist geprägt vom Geist der Einheit, von Wohlwollen und Freude an der Vielfalt. Erst durch so eine Kultur, in der das positive Grundrauschen zutiefst verankert ist, gibt es eine Grundlage auf der auch das gesunde Streiten und Ringen möglich wird. Das „Dafürsein“ schafft eine unerschütterliche Basis des Vertrauens, wo man einander wahrnimmt, authentisch sein darf und keine Angst vor Ablehnung haben muss. Das macht Weiterentwicklung möglich, da selbst Unterschiedlichkeiten dann in aller Klarheit und mit Liebe bewegt werden.

  1. Betrete Neuland. Suche Situationen und Orte auf, die dir fremd sind. Der Austausch mit andersdenkenden und andersglaubenden Christen weitet den Horizont. Ich frage mich dann immer wieder: Wo begegne ich Gott darin?
  2. Verbanne das Wort „Aber“ aus den Satzanfängen. Schluss mit Aber-Glaube. Ersetze das kritisierende „Aber …“ durch ein wohlwollendes „Ja. Und …“. Ich weiß, das fällt schwer, kann im Alltag aber richtig lustig werden.
  3. Entdecke Christus im Gegenüber. Da kommt unsere Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit her, schreibt Paulus in Kolosser 1,27. Selbst, wenn dieses Gegenüber komisch ist, komisch riecht und komisch glaubt, kann Christus in ihm pulsieren.
  4. Suche aktiv nach dem Verbindenden und nicht dem Trennenden. Was uns verbindet durch Christus ist weitaus größer als das, was uns theologisch trennt. Diese Einstellung würde so mancher Begegnung guttun.
  5. Sprich dem anderen den Glauben nicht ab, nur weil er Gott anders erlebt als du. Ein Großteil unserer Differenzen hat mit der Kultur, in der wir aufgewachsen sind, und unserer persönlichen Geschichte zu tun. Eine andere Person zu „lieben“, setzt aber kein gleiches Denken und keinen identischen Glauben voraus.

    „Lerne aus jeder Begegnung“

  6. Lerne aus jeder Begegnung. Wenn Gott sich nicht zu schade ist, in einem Menschen Wohnung zu nehmen, sollten wir uns nicht zu schade sein, ihm zuzuhören. Im besten Fall hast du nach der Begegnung etwas gelernt. Ansonsten darfst du es auch einfach immer noch nicht verstehen oder auch falsch finden.
  7. Gib Gott das Recht, außerhalb deines Verstandes und deiner Gefühle „wahr sein zu können“. Seit der Aufklärung haben wir den Verstand gefeiert, jetzt schlägt das Pendel in die entgegengesetzte Richtung aus. Eingeleitet vom Trendwort „Toleranz“ sind wir im „Es fühlt sich richtig an, also muss es richtig sein“-Zeitalter gelandet. Gott lässt sich aber kaum vollständig mit Verstand und Herz erfassen. Diese Erkenntnis macht demütig und erstickt den destruktiven Kritikgeist.
  8. Stärke deine eigene Identität in Christus. Je mehr du weißt, wer du in Christus bist, umso angstfreier kannst du anderen begegnen. Als Sohn und Tochter des himmlischen Vaters werfen mich Andersdenkende nicht aus der Bahn – meine geklärte Identität schafft eine angstfreie Zone für echte Begegnungen und echtes Wahrnehmen.
  9. Stelle das Lieben über das Rechthaben. Es ist wichtig, dass wir in unserem Glauben klare Bekenntnisse verankern. Aber wir haben als höchstes Gebot das Lieben erhalten und nicht das Rechthaben. „Richter“ ist das Amt, das Christus zukommt. Wie in einer Beziehung gilt: „Du kannst dich immer entscheiden, recht zu haben oder einen schönen Tag.“

Du denkst jetzt – warte, da fehlt doch die Nummer 10. Richtig. „Dafür“ zu sein beinhaltet es, auszuhalten, wenn nicht immer alles genau so ist, wie du es, magst. Wenn dir Dinge fehlen. Du kannst darin die Schönheit der Andersartigkeit entdecken. Wie wär’s mit einer Challenge: eine Woche „dafür sein“?

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Andreas Boppart leitet Campus für Christus Schweiz und Österreich, ab Juni auch Campus Deutschland. Er ist seit Jahren ein leidenschaftlicher Verbreiter einer Für-Kultur, auch wenn er die fehlende Nummer 10 kaum erträgt.

dran cover dafürDas Magazin DRAN wird vom SCM Bundes-Verlag herausgegeben, zu dem auch Jesus.de gehört.

3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Vielen Dank !!
    ich erlebe so viele Menschen die immer gegen alles sind. Ist jetzt leicht überzeichnet, mir kommt es so vor.
    Und auch ich selbst bin oft in der Versuchung eher zu kritisieren und nach mir selbst zu schauen als andere zu fördern, zu ermutigen, zu loben – was dem füreinander und miteinander dienlich ist.
    Ja, ich will in meinem Leben ein positives „Grundrauschen“ der Liebe und des „Dafürseins“ immer wieder einüben.
    Deshalb danke für diesen Artikel.

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