In der Münsteraner Heilig-Geist-Kirche kam es bei einer Predigt zum Eklat. Der emeritierte Pfarrer Ulrich Zurkuhlen warb in seiner Rede dafür, auch Priestern zu vergeben, die Kinder missbraucht haben. Darauf verließen nach Angaben des Online-Magazins Kirche-und-Leben.de rund 70 Gottesdienstteilnehmer unter Protesten die Kirche.

Zurkuhlen hatte zuerst über zwei Frauen gesprochen, die sich abfällig über ihre ehemaligen Ehemänner geäußert haben. Daraufhin warb er dafür, anderen zu vergeben. Das bezog er auch auf Täter sexuellen Missbrauchs. Daraufhin unterbrachen Gottesdienstbesucher die Predigt und fingen an, mit dem Geistlichen zu diskutieren. Dieser brach die Predigt ab. Ein Großteil der Gemeinde soll sich anschließend auf dem Kirchplatz versammelt und weiter diskutiert haben. „So etwas habe ich in den 54 Jahren meines Lebens als Priester noch nicht erlebt“, zitiert Kirche-und-Leben.de Zurkuhlen. Gegen den „schreienden Mob“ sei er nicht angekommen.

Auch der leitende Pfarrer der Pfarrei St. Joseph Stefan Rau kritisiert den Prediger. Er versuche immer, seinen Kollegen im Pastoralteam den Rücken zu stärken;: „Aber das hier ging gar nicht.“ Die Analogie in der Predigt zwischen den lästernden Frauen und dem Opfer-Täter-Verhältnis sei „mehr als unbedacht“, zitiert ihn das Online-Magazin. Die Gemeinde hat zu einem öffentlichen Gespräch zum Thema eingeladen. Disziplinarische Folgen wird es vorerst wohl nicht geben.

3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Allen Menschen gilt Vergebung, das ist selbstverständlicher Teil christlichen Glaubens.
    Christen verpflichten sich dazu im Vaterunser „…wie auch wir vergeben unseren Schuldnern“

  2. Wie schwer Vergebung sein kann, zeigt sich an den gewählten Beispielen. Man könnte meinen, der Pfarrer Zurkuhlen habe in seiner Predigt seine Gemeinde bewusst provozieren wollen. Es ist anzunehmen, dass er aufgrund seiner langjährigen Erfahrung die Reaktion der Leute einschätzen konnte. Warum hat er nur diese extremen Beispiele gewählt, die wegen ihrer Ungerechtigkeit Vergebung so schwer oder sogar unmöglich machen? Sicher weil ihn diese Thematik als Pfarrer sehr beschäftigt hat, er vielleicht auch betroffene Personen kennt.- -Ein schuldig Gewordener wünscht sich sehnlichst, dass ihm auch die Mitmenschen vergeben mögen, damit er noch zu Lebzeiten Frieden mit seiner Schuld findet. Das Schwere an der Schuld ist, dass er diesen Wunsch nicht einfordern kann.

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