Die Gesellschaft für bedrohte Völker sieht die Religionsfreiheit in Syrien zunehmend bedroht. Anlass sind die Verhaftung eines kurdisch-christlichen Priesters und Berichte über Druck auf einen syrischen Erzbischof.
Nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) wurde der kurdisch-christliche Priester Nihad Hasan am 20. Juli in der türkisch kontrollierten Region Afrin festgenommen. Inzwischen soll der Geistliche wieder auf freiem Fuß sein. Die Machthaber werfen ihm vor, den Islam beleidigt zu haben. Die GfbV geht jedoch davon aus, dass seine Kritik an Übergriffen islamistischer Gruppen sowie seine Konversion vom Islam zum Christentum eine Rolle bei der Festnahme gespielt haben könnten.
Die Menschenrechtsorganisation erinnert daran, dass in den von Kurden verwalteten Gebieten Nordsyriens lange Zeit Glaubensfreiheit galt. Auch Christen, die zuvor Muslime gewesen waren, konnten ihren Glauben offen leben. Nach Einschätzung der GfbV änderte sich die Situation mit der türkischen Offensive in Afrin 2018 und dem zunehmenden Einfluss islamistischer Gruppen deutlich.
Das Hilfswerk verweist außerdem auf den syrischen Erzbischof Jacques Mourad aus Homs. Er hatte während einer Europareise in Interviews vor einer Verschlechterung der Lage für Christen und andere Minderheiten gewarnt. Nach seiner Rückkehr veröffentlichte er ein Video, in dem er einige Aussagen relativierte. Die GfbV vermutet politischen Druck hinter diesem Schritt und fordert Kirchen sowie politische Verantwortliche in Europa auf, die Religionsfreiheit in Syrien aufmerksam zu beobachten und bei Kontakten mit der syrischen Führung einzufordern.
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