Was wir heutzutage aus einer unspezifischen Bitte aus dem Lukasevangelium für das eigene Gebet lernen können.
„Rabbi, ich bitte dich, sieh nach meinem Sohn!“, so ruft der Vater des „besessenen Knaben“ in Lukas 9,38. Eine sehr unspezifische Bitte. Zwar erklärt er die Situation in den nachfolgenden Versen deutlicher, doch etwas fehlt: Eine konkrete Bitte, eine konkrete Anweisung an Jesus. Was soll der Messias nun für ihn tun? Der Mann scheint diese Frage offen zu lassen. Und das obwohl er sehr verzweifelt zu sein scheint: Sein Sohn wird immer wieder von einer bösen Macht „gepackt“, die anderen Jünger haben es nicht geschafft, ihn zu heilen: Jesus ist seine letzte Hoffnung. Und doch formuliert er seine Bitte sehr offen mit „Sieh nach meinem Sohn.“ Das könnte man fast schon als Schüchternheit auslegen.
Daraus können wir etwas über unsere eigenen Gebete lernen. Vielleicht kann das bewusste Raumlassen für Gott unsere Gebete wirksamer machen? Vielleicht darf das Ziel auch mal unscharf vor Augen stehen?
Der Gedanke ist hierbei, dass ein Mensch bei übertrieben spezifischen Bitten in die Gefahr gerät, für etwas zu beten, dass er zu brauchen meint – aber in Wirklichkeit gar nicht braucht. Mit der einfachen Bitte „Sieh nach meinem Sohn.“ sagt der aufgewühlte Vater zugleich: „Du wirst alles andere regeln“. Das kann ein Ausdruck von tiefem Gottesvertrauen sein.
>>> Detailliertere Gedanken dazu sind im sela-Blogbeitrag von Dr. Ulrich Wendel.
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