Ein Aufruf des israelischen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir zum Töten von Palästinensern löst in Deutschland Entsetzen aus – auch in der evangelischen und katholischen Kirche.
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, kritisiert die jüngsten Äußerungen des rechtsextremen israelischen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir scharf. Die Berichte über Ben-Gvirs Forderungen zum Töten von Palästinensern im Gaza-Streifen «entsetzen mich», erklärte die leitende Geistliche auf der Plattform Threads.
In einem Podcast hatte Ben-Gvir befürwortet, im Gaza-Streifen jeden Tag 30 bis 40 Palästinenser zu töten. In dem palästinensischen Küstenstreifen gebe es Menschen, die es nicht verdient hätten, zu leben, erklärte er und bezog sich dabei nicht nur auf Menschen, die eine unmittelbare Gefahr für israelische Soldaten darstellen. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte die Äußerung scharf kritisiert.
«Angriff auf die Menschlichkeit»
Fehrs sagte zu diesen Forderungen: «Wer anderen ihr Menschsein abspricht und zu gezielten Tötungen aufruft, überschreitet eindeutig die Grenze politischer Meinungsäußerung.» Solche Worte seien ein Angriff auf die Menschlichkeit und forderten klaren Widerspruch. Die Hamburger Bischöfin mahnte, über Religionsgrenzen hinweg müsse die Überzeugung herrschen, dass jeder Mensch eine unveräußerliche Würde besitze, weil er Ebenbild Gottes sei. «Diese Würde kann niemand verleihen und niemand entziehen», betonte die EKD-Ratsvorsitzende.
Kritik kommt auch vom Nahost-Beauftragten der katholischen Kirche in Deutschland, Erzbischof Udo Markus Bentz. «Die Forderung, täglich 30 bis 40 Personen im Gaza-Streifen zu töten, zeigt ein erschreckendes Ausmaß an Verrohung und Menschenverachtung, das niemandem gestattet ist und erst recht nicht einem Minister, dem die öffentliche Sicherheit anvertraut ist», sagte Bentz. Die Aussage Ben-Gvirs widerspreche nicht nur dem christlichen, sondern dem biblischen Menschenbild, das Christen und Juden miteinander verbinde, betonte Bentz.
Der 50-jährige Ben-Gvir gilt als rechtsextremer und religiös-fundamentalistischer Politiker, der rassistische Positionen vertritt. 2007 wurde er wegen rassistischer Aufhetzung und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung von einem israelischen Gericht verurteilt. Der Vorsitzende der rechtsextremen Partei Otzma Jehudit («Jüdische Kraft») steht Medienberichten zufolge der Siedlerbewegung nah und lebt selbst in einer radikalen israelischen Siedlung im besetzten Westjordanland. Seit 2023 gehört er als Minister für nationale Sicherheit der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an.
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