- Werbung -

Vergeben! – Ja, und dann?

Die Serie zum Apostolischen Glaubensbekenntnis (Teil 12)

Können Christen alles gelassen akzeptieren, was ihnen widerfährt? Rasten Christen niemals aus, wenn sie provoziert werden? Diesen Fragen stellt sich Wolfgang Kraska in „Credo“- der Serie zum Apostolischen Glaubensbekenntnis.

„Ich glaube an den Heiligen Geist, die Vergebung der Sünden.“

Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: Erlöster müssten mir seine Jünger aussehen!“ Das berühmte Zitat des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) bringt bis heute die Kritik vieler Zeitgenossen am christlichen Glauben auf den Punkt. Bei den Liedern haben wir vielerorts inzwischen sicher zugelegt. Aber die Frage nach dem erlösten Aussehen ist aktueller denn je.

- Werbung -

Hat Nietzsche recht?

Gerade in unserer Gesellschaft, in der die Selbstoptimierung des Einzelnen im Zentrum steht, wollen Menschen wissen, was ihnen der Glaube bringt. Auf diesem Hintergrund ist die Frage, wie denn das Leben der Christen aussieht, im Blick auf Mission und Evangelisation überaus relevant. Gibt es einen wahrnehmbaren Unterschied zum Rest der Gesellschaft? Sehen Christen „erlöster“ aus? Hat das Sterben ihres Erlösers irgendwelche Konsequenzen für ihr Leben?

Oder sind sie genauso geldgierig, machthungrig, streitsüchtig, egozentrisch und von Angst getrieben wie alle anderen auch? Wenn es in unserer säkularisierten Welt überhaupt noch einen Anknüpfungspunkt für glaubensferne Menschen gibt, dann ist es die Frage nach den Auswirkungen des Glaubens im Leben. Alle dogmatischen Fragen, auch die nach dem Heiligen Geist, verblassen demgegenüber völlig.

Diese Beobachtung hilft uns zu verstehen, warum das Thema „Vergebung der Sünden“ im Credo dem dritten Artikel, also dem Teil über den Heiligen Geist zugeordnet ist. Wäre es nicht viel logischer, darüber im Zusammenhang mit dem Tod von Jesus zu reden? Das könnte man tun, aber dann wäre der Fokus auf den neuen Rechtsstatus der Christen gerichtet. Etwas Wichtiges und Richtiges, aber doch nur Theoretisches. Nun aber wird er darauf gerichtet, was Gottes Geist aus der Versöhnung mit Gott machen kann.

Wie sieht es eigentlich aus, wenn Menschen neu geboren und zu einem neuen Leben berechtigt und befähigt sind? Es geht um nichts weniger als die Frage, ob das denn stimmt, was Paulus in 2. Korinther 5,17 schreibt: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“

Gottes Geist verändert Leben

Immer wieder haben Christen versucht, durch angestrengte Freundlichkeit und zähneknirschende Geduld das neue Leben zu präsentieren. Es ist jedoch enorm kräftezehrend, wenn ich im Tiefsten gegen mich selbst anleben und mein Innerstes disziplinieren muss. Dann wird Liebe produziert, weil ja in der Bibel steht, dass ich meinen Nächsten lieben soll. Der glaubensferne Zeitgenosse ist befremdet, ja oft angewidert von solcher Frömmigkeit, die unangenehm nach Unerlöstheit riecht.

Es ist ein schlimmes kontraproduktives Missverständnis zu meinen, wir könnten christliches Leben aus eigener Anstrengung realisieren. Die Veränderung unseres Lebens geschieht immer von innen nach außen. Durch Impulse des Heiligen Geistes, der in uns wohnt. Lassen Sie mich diesen komplexen Vorgang kurz skizzieren:

▪ Gottes Geist öffnet uns die Augen für destruktives, sündiges Verhalten gegen andere, uns selbst und gegen Gott.

▪ Er zeigt uns eine konstruktive Alternative, die dem Willen Gottes entspricht und weckt in uns die Bereitschaft, uns darauf einzulassen.

▪ Er gibt uns seine übernatürliche Kraft, das Erkannte in die Tat umzusetzen.

▪ Durch immer mehr Erfahrungen dieser Art werden alte Lebensmuster überschrieben. Stück für Stück wird neues Leben sichtbar.

- Weiterlesen nach der Werbung -

▪ Unser Charakter wird geformt, unsere Persönlichkeit gebildet.

▪ Auf Dauer führt die Vergebung der Sünden zu einer Biografie, in der die Handschrift des Erlösers Jesus Christus sichtbar wird.

Genug, um dranzubleiben

Die Vergebung der Sünden ist kein Selbstzweck und kein Schlusspunkt. Sie soll uns Menschen ein Leben ermöglichen, wie es uns in der Schöpfung zugedacht war. Durch den Sündenfall wurde diese Option zerstört, und erst in der neuen Welt Gottes wird der Zustand des Paradieses wieder hergestellt sein. Aber auch in der Zwischenzeit dürfen wir durch den Heiligen Geist das heilende und kreative Wirken Gottes bereits im Hier und Jetzt erleben. Es ist noch unvollständig, sodass wir manchmal verzagen möchten und uns nach der endgültigen Erlösung in der neuen Welt sehnen.

Und doch ist es so viel, dass wir an diese unsere Bestimmung glauben können und uns darauf freuen. Die Wirkungen des Heiligen Geistes sind vielfältig. Im Rahmen dieses Artikels kann ich sie nur benennen, ohne auf Einzelheiten einzugehen.

Wirken des Geistes und Tun des Menschen

Der Heilige Geist wirkt am Menschen bereits, bevor er zum Glauben findet und von ihm erfüllt wird. Die Vorgänge, wie sie beim Pfingstereignis berichtet werden, gelten im Prinzip bis heute. Am Anfang steht bei den Besuchern aus aller Welt die Beobachtung des Wirkens Gottes. Sie erleben, wie die Jünger in ausländischen Sprachen reden können. Es macht sie neugierig und öffnet sie für die Verkündigung durch Petrus. Seine Botschaft geht ihnen durchs Herz und macht ihnen ihre Verstrickung in die Sünde deutlich, sodass sie fragen „Was sollen wir denn tun?“ (Apostelgeschichte 2,37)

- Werbung -

Bevor sie selbst etwas tun, hat der Heilige Geist also bereits einiges getan. Er hat die Apostel gebraucht, und hat in den Herzen der Zuhörer Betroffenheit und Sehnsucht geweckt.

Im Kleinen Katechismus erklärt Martin Luther es so: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen …“

Also noch einmal: Am Anfang steht weder beim Pfingstereignis noch bei uns das eigene Tun, sondern Gottes Einladung. Dann aber beantwortet Petrus sehr konkret, was zu tun ist: „Tut Buße, jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.“ (Apostelgeschichte 2,38 | LU)

Auch in diesem Bericht über die Pfingstereignisse sind die Vergebung der Sünden und der Empfang des Heiligen Geistes ganz eng miteinander verknüpft.

Wie Gottes Geist in uns wirkt

Wie wir gesehen haben, besteht die Aufgabe des Heiligen Geistes darin, die Gotteskindschaft aufgrund der Vergebung der Sünden in konkretes, neues Leben umzusetzen. Der oft verwendete Fachbegriff dafür lautet „Heiligung“. Wie geschieht das, und wo setzt der Heilige Geist an? Im Folgenden nenne ich die Aspekte, die aus meiner Sicht besonders wichtig sind:

▪ Der Heilige Geist macht uns im Innersten gewiss, dass wir Gottes Kinder sind (Römer 8,16). Er ist die Basis für unsere persönliche Beziehung zu Gott und zu Jesus Christus.

▪ Der Heilige Geist ermöglicht es, Gott nicht nur eigene Gedanken vorzutragen, sondern ihn anzubeten: „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ (Johannes 4,24 | LU)

▪ Der Heilige Geist prägt unser Wesen und unseren Charakter, indem er die „Frucht seines Geistes“ bei uns wachsen lässt: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung (Galater 5,22f). Das Ziel dabei ist es, Jesus immer ähnlicher zu werden.

▪ Der Heilige Geist ist unser Dolmetscher beim Gespräch mit Gott. Er hilft uns, Gottes Impulse wahrzunehmen und seinen Willen zu verstehen. Umgekehrt vertritt er uns im Gebet, wenn wir selbst nicht wissen, was in uns vorgeht und was wir eigentlich wollen und sollen (Römer 8, 26f).

▪ Der Heilige Geist hilft uns, Zeuge für Jesus Christus und unseren Glauben an ihn zu sein. Deshalb sollen die Jünger nicht mit der Mission beginnen, bevor der Heilige Geist ausgegossen ist. Er wird ihnen eingeben, was sie sagen sollen, wenn sie an ihre Grenzen kommen und auf Wider stand stoßen (Lukas 12,12).

▪ Der Heilige Geist befähigt uns, mit den Gaben, die er verteilt, am Bau seines Reiches mitzuwirken. Dieser Aspekt war Schwerpunkt im letzten Teil dieser Serie.

▪ Der Heilige Geist hilft uns, uns mit den Geistesströmungen unserer Zeit und der gesellschaftlichen Entwicklung kritisch auseinanderzusetzen. „Wenn der Geist der Wahrheit kommt, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten. Er wird nicht seine eigenen Anschauungen vertreten, sondern wird euch sagen, was er gehört hat. Er wird euch von dem erzählen, was kommt.“ (Johannes 16,13)2 ▪ Der Heilige Geist hilft uns, die Bibel als Gottes Wort zu verstehen und aufzunehmen, was Gott uns darin sagt.

„Die ganze Schrift ist von Gottes Geist eingegeben und kann uns lehren, was wahr ist, und uns erkennen lassen, wo Schuld in unserem Leben ist. Sie weist uns zurecht und erzieht uns dazu, Gottes Willen zu tun.“ (2. Timotheus 3,16 | NLB)

Wie sieht erlöstes Leben aus?

Wirken Menschen, die so leben, „erlöst“ auf andere? Das kommt wohl darauf an, was unser Gegenüber sich unter einem erlösten Leben vorstellt. Sind Christen immer fröhlich und gut drauf, egal was passiert? – Nein! Können Christen alles gelassen akzeptieren, was ihnen widerfährt? Bleiben Christen von Krankheit und Leid verschont, weil Gott in ihnen regiert und sie be schützt? Rasten Christen niemals aus, wenn sie provoziert werden? Sind die Ehen von Christen glücklicher und haben sie mit der Erziehung ihrer Kinder weniger Probleme? – All das werden wir wohl verneinen müssen. Aber Christen gehen mit ihrer Widersprüchlichkeit und ihrem Versagen anders um. Sie heucheln nicht, indem sie diese Defizite leugnen oder beschönigen. Sie stellen sich dazu, bringen sie vor Gott und bitten ihn um Vergebung und Veränderung.

Das bedeutet auch, dass sie sich lebenslang in einem Lernprozess befinden, den die Menschen um sie her gerne mitbekommen können. Sie wissen, dass sie noch lange nicht fertig sind und tun nicht so, als wären sie anderen überlegen. Sie leben aus Gottes Gnade und bitten ihn Tag für Tag um seine Begleitung. Und in all dem sind sie fröhlich und selbstbewusst, weil sie sich von Gott trotz allem geliebt wissen.

Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei

Nein, wir müssen und dürfen keinen Idealzustand vorspielen, um Gott nicht zu blamieren. Sondern echt und transparent sollen wir leben. Erkennbar machen, wo wir die gleichen Herausforderungen haben und wie wir mit Gottes Hilfe damit umgehen. Vielleicht überzeugt das nicht jeden.

Aber ich bin überzeugt, auf´s Ganze gesehen wird es doch Kreise ziehen, und von Zeit zu Zeit werden wir erleben dürfen, dass wir Spuren des Segens hinterlassen. Weil Gottes Geist in uns regiert.

Wie wirkt sich die Vergebung der Sünden aus? – Ich weiß, dass ich Sünder und auf Vergebung angewiesen bin. Das bewahrt mich vor Selbstgefälligkeit und Hochmut. Ich weiß aber auch, dass meine Sünden vergeben sind. Deshalb bin ich nicht niedergedrückt von Minderwertigkeitsgefühlen und falscher Demut. Am besten hat in meinen Augen Paulus auf den Punkt gebracht, wie ein erlöstes Selbstbewusstsein aussieht: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen.“ (1. Korinther 15,10 | LU).



Dieser Artikel ist in Christsein Heute erschienen. Christsein Heute ist das Magazin des Bundes Freier evangelischer Gemeinden (FeG).

Hier geht es zum vorherigen Artikel der Serie zum Glaubensbekenntnis:

NEWS & Themen

NEWSLETTER

BLICKPUNKT – unser Tagesrückblick
täglich von Mo. bis Fr.
Wir liefern dir die interessantesten NEWS,
Interviews und Geschichten aus der christlichen Welt.
Kompakt, relevant, inspirierend.

Wie wir Deine persönlichen Daten schützen, erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.
Abmeldung im NL selbst oder per Mail an info@jesus.de

Konnten wir dich inspirieren?

Jesus.de ist gemeinnützig und spendenfinanziert – christlicher, positiver Journalismus für Menschen, die aus dem Glauben leben wollen. Magst du uns helfen, das Angebot finanziell mitzutragen?