Maleachi 3
„Siehe! Ich sende meinen Boten, damit er mir den Weg ebnet. Dann wird der Herr, den ihr sucht, unverhofft in seinen Tempel kommen. Der Bote des Bundes, auf den ihr so sehnsüchtig wartet, kommt“, spricht der Herr, der Allmächtige. „Doch wer wird es ertragen, wenn er kommt? Wer kann bestehen, wenn er erscheint? Denn er wird sein wie das Feuer im Schmelzofen oder wie die Lauge, die man zum Waschen benutzt … Und ich werde kommen, um euch zu richten. Ich werde als Zeuge gegen die Zauberer, die Ehebrecher und die Lügner auftreten und gegen diejenigen, die Arbeiter um ihren Lohn bringen und die Witwen, Waisen und Ausländer unterdrücken, denn sie haben keinen Respekt vor mir“, spricht der allmächtige Herr.
„Doch bevor der große und schreckliche Tag des Herrn kommt, sende ich euch den Propheten Elia. Er wird die Herzen der Väter ihren Kindern und die Herzen der Kinder ihren Vätern zuwenden, damit ich bei meinem Kommen nicht das Land vernichten muss.“
Maleachi ist der letzte Prophet des Alten Testaments, und wie viele andere Propheten auch weist er auf die Erfüllung der Verheißungen Gottes hin, die dann durch Christus Wirklichkeit werden. In manchen Fällen beschreiben aber auch die alttestamentlichen Propheten Ereignisse, die bis heute nicht eingetreten sind und die erst für die letzten Tage der Erde Gültigkeit haben.
Ein neuer Bote wird angekündigt, der eine Reinigung vollziehen soll. Diese hat dabei durchaus schmerzliche Aspekte, denn die Läuterung von Gold und Silber war ein unter großer Hitze durchgeführter Prozess. In jedem Fall wird es eine Scheidung geben, die man sich radikaler nicht vorstellen kann.
An Christus scheiden sich tatsächlich die Geister. Die einen nehmen ihn als Messias an, und die anderen wollen sich nicht vor ihm beugen und werden die Folgen im Gericht erfahren müssen. Allerdings legen Texte wie diese auch nahe, dass der neue Bote mit ziemlich triumphierender Geste kommen wird. Ein Leben des Messias in Niedrigkeit lag überhaupt nicht im Vorstellungsbereich der Juden, und selbst Jesus hatte später Mühe, es seinen engsten Mitarbeitern begreiflich zu machen.
Gott durchbricht die Vorstellungen, die wir uns aufgrund seines Wortes machen. Und es zeigt sich: Zwar bleibt Gottes Wort ewig bestehen; dass wir es aber auch richtig verstehen, ist ein Geschenk, das immer wieder zu erbitten ist. Sonst können unsere eigenen Interpretations-Brillen dem Wirken Gottes im Wege stehen.
