Bild: privat
Evangelische Jugendvertreter kritisieren den Stopp einer Kondom-Verteilaktion durch die rheinische Landeskirche. „Wir bedauern die ‚von oben‘ erwirkte Einstellung der Kampagne sehr“, erklärten vier der acht Jugenddelegierten der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in einem Offenen Brief an den rheinischen Oberkirchenrat Klaus Eberl.

Die Evangelische Jugendkirche Düsseldorf hatte Kondome mit provokanten Sprüchen an Jugendeinrichtungen verteilt, die im Jahr des 500. Reformationsjubiläums auf Botschaften von Martin Luther aufmerksam machen sollten. Auf der Verpackung standen die Sätze „Für Huren und Heilige“, „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“, „95 mm knallharte Wahrheit“, „Mach den Mund auf“, „Feuer frei“, „Schrei vor Erlösung“ und „Nageln bis der Papst kommt“ zu lesen. Der Hintergrund erschloss sich jedoch erst über eine mittlerweile gelöschte Internetseite. Die Evangelische Kirche im Rheinland stoppte die Aktion kurz nach ihrem Start. Eberl, der die Abteilung Erziehung und Bildung im Landeskirchenamt leitet und ehrenamtlich als Vizepräses der EKD-Synode fungiert, nannte sie in einem Brief „grundsätzlich ungeeignet für die Jugendarbeit“.

Aktion sollte das „biedere Image der Kirche“ aufbrechen

Die vier EKD-Jugenddelegierten räumten ein, dass „unter Umständen nicht jeder Aufdruck glücklich gewählt“ gewesen sei. Anstatt aber die gesamte Kampagne zu stoppen und zur Vernichtung aller Kondome aufzurufen, hätten lieber die als problematisch eingestuften Exemplare zurückgezogen werden sollen, heißt es in dem Brief. Die Aktion sei ein anerkennenswerter Versuch gewesen, das Evangelium humorvoll ins Gespräch zu bringen und das teils „biedere Image der Kirche“ aufzubrechen, um auf unkonventionelle Weise mit jungen Menschen in Kontakt zu kommen. „Wer sollte provokant sein dürfen, wenn nicht die Evangelische Jugend?“

Werbung

Dagegen hatte die rheinische Landesjugendpfarrerin Simone Enthöfer vergangene Woche in einem Schreiben kritisiert, die aus dem inhaltlichen und historischen Zusammenhang gerissenen Anspielungen auf Luther-Zitate hätten isoliert auf einer Kondom-Hülle eine sexistische Wirkung. Sie verletzten die Würde von Männern, Frauen, Mädchen und Jungen, erklärte sie.

Klaus Eberl, Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche im Rheinland, erklärte am Montag in einer Videobotschaft die Gründe für das Aus der Aktion.

2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. So eine Aktion ist nicht lustig, sondern einfach nur peinlich und voll daneben! Ich weiß nicht, wer sich so einen Schrott ausgedacht hat…
    Wer auch immer sollte mal zu uns in die Jugendgemeinde kommen – dann würde schnell auffallen, wie schräg das ist und dass unsere Jugend solche platten Sprüche nicht braucht.

Comments are closed.