Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hat ihre Kritik an den Kirchen erneuert und ihnen vorgeworfen, sich zu NGOs zu entwickeln. Sie verteidigt ihre Position mit dem Argument, als zahlendes Mitglied habe sie das Recht, sich zu äußern.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hat ihre Kritik an den Kirchen erneuert. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) bekräftigt sie ihre Sichtweise auf die Kirchenlandschaft in Deutschland. Sie hatte den Kirchen vorgeworfen, sich zu NGOs zu entwickeln.
Weniger Tempolimit – mehr Lebenssinn
Ihre Haltung begründet sie mit der eigenen Mitgliedschaft. Sie sei zahlendes Mitglied ihrer Kirche und habe deshalb das Recht, sich zu äußern. Konkret kritisiert sie, dass die Kirche Stellungnahmen zum Tempolimit verschicke. Sie hätte lieber eine zum Downsyndrom-Screening gelesen. Sie erwarte von der Kirche „nicht nur Immanenz auf der Autobahn, sondern auch Transzendenz im Lebenssinn“.
Den Vorwurf der Parteilichkeit versucht sie im Gespräch zu entkräften. Hätte sie die katholische Kirche etwa wegen der Frauenrechte kritisiert, sagt sie, hätte sie Applaus bekommen, und zwar von denselben Stimmen, die ihr heute vorhalten, sich nicht zur Kirche äußern zu dürfen. Damit verschiebt sie die Debatte: Es gehe ihr nicht um das Ob der Kritik, sondern um deren Richtung. Politische Positionen, die in ihr Weltbild passen, wären demnach nicht das Problem. Das Problem sei die Selektivität der Empörung.
Bundestagspräsidentin zu offensiv?
Bereits im Frühjahr 2025 als Klöckner ihre Kritik erstmals äußerte, sagte sie, dass sich Kirchen selbstverständlich politisch äußern dürften. Doch die Kirche solle ihre Stimme vor allem dort erheben, wo es um die Frage nach dem guten Leben geht, und sich nicht auf Verkehrspolitik oder Ähnliches festlegen.
Die CDU-Politikerin ist seit Längerem dafür kritisiert worden, ihr Amt als Bundestagspräsidentin zu offensiv zu nutzen. Für sie selbst ist die Kritik eine Frage der Glaubwürdigkeit: Wer Mitglied ist, sollte sich auch zu dem äußern dürfen, was fehle.
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