Fraueninitiative „Maria 2.0“ macht weiter

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Eine Frau mit einem Pflaster über dem Mund und einem Schild mit der Aufschrift
Eine Woche lang haben Frauen in vielen deutschen Bistümern ihre ehrenamtliche Arbeit eingstellt und für mehre Frauenrechte in der Kirche protestiert - auch hier in Ulm. Foto: picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Katholische Frauen haben eine Woche lang ihre ehrenamtliche Arbeit niedergelegt und keine Kirche mehr betreten. Nun soll der Protest weitergehen. Die Aktion „Maria 2.0“ bekommt viel Lob, aber auch Kritik.

Der Kirchenprotest der katholischen Fraueninitiative „Maria 2.0“ soll weitergehen. So ist für den 6. Juli eine große Kundgebung auf dem Prinzipalmarkt in Münster geplant, wie die Vorstandsvorsitzende des Diözesanleitungsteams der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) im Bistum Münster, Judith Everding, dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Wochenende sagte. Dann wolle man lautstark für mehr Gleichberechtigung in der katholischen Kirche werben.

Eine Woche lang hatten Frauen in vielen deutschen Bistümern ihre ehrenamtliche Tätigkeit in Einrichtungen der katholischen Kirche eingestellt und keine Kirche mehr betreten. Betroffen waren unter anderem die Kommunionsvorbereitung oder die Flüchtlingsarbeit. Auch Gemeindebibliotheken oder Kleiderkammern mussten geschlossen bleiben. Mit einem Wortgottesdienst vor der Heilig-Kreuz-Kirche in Münster endete am Samstagabend die erste Protestaktionswoche von „Maria 2.0“.

Frauen aus der Mitte

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer unterstützt den Kirchenprotest von „Maria 2.0“. Diese Aktion sei „ein öffentlicher Aufschrei: So kann es nicht weitergehen“, sagte Dreyer in einem Interview der „Frankfurter Rundschau“ (Samstag). Diejenigen, die „Maria 2.0“ gestartet hätten, „sind keine radikalen Frauen am Rande, sondern sie kommen aus der Mitte der Gemeinden“. Dreyer gehört dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) an.

Sie sei überzeugt, „dass die gleiche Teilhabe von Frauen an Diensten und Ämtern mit darüber entscheiden wird, ob die katholische Kirche auch in Zukunft Menschen für das Evangelium gewinnen kann“, fügte Dreyer hinzu. Sie erlebe, „dass die Argumente, die die Frauen ausschließen, niemanden mehr überzeugen. Hier muss sich die Kirche bewegen“.

Käßmann: „Tradition muss verändert werden“

Die evangelische Theologin Margot Käßmann erklärte in der „Bild am Sonntag“ ihre Sympathie für die katholische Aktion: „Ich kann nicht anders, als mich daran zu freuen. Respekt, Schwestern! Und: Das wurde auch Zeit“. Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) betonte, die evangelische Kirche habe viele Jahre diskutiert, ob Frauen Pfarrerinnen werden könnten. Am Ende sei klar gewesen: Es gebe keine theologischen Gründe, die dagegen sprächen, allenfalls die Tradition.

Käßmann: „Tradition ist gut, wenn sie Menschen beheimatet. Aber sie muss verändert werden, wenn sie Menschen ausgrenzt! Es wird Zeit, dass Frauen endlich öffentlich die Kirchen repräsentieren, aber auch die anderen Religionsgemeinschaften, das Judentum, den Islam. Wenn uns angeblich die Hälfte des Himmels gehört, können wir das ja hier auf Erden schon mal einüben.“

Die katholische Laienbewegung „Wir sind Kirche“ bezeichnete den Protest von „Maria 2.0“ als „Weckruf“. Die Organisation dankte den Initiatorinnen der Münsteraner Gemeinde Heilig Kreuz für ihre neue Aktionsform des Streiks „als vorletztes Mittel vor dem Kirchenaustritt, um endlich Bewegung in die Frauenfrage zu bringen“. Die bisherigen theologischen Argumentationen, Gebete, Aufrufe und Mahnwachen hätten zwar einen „Bewusstseinswandel im Kirchenvolk, aber immer noch keine wesentlichen Änderungen in der Struktur der römisch-katholischen Kirche gebracht“. Diese schließe „in unbiblischer Weise immer noch Frauen von allen Weiheämtern aus“.

Resonanz auch im Ausland

Mit-Initiatorin Everding sagte, auch wenn die Aktionen der Fraueninitiative vermutlich nicht überall Zustimmung gefunden hätten, so habe man mit den Protesten doch ein wichtiges Zeichen gesetzt und dafür gesorgt, dass die Frauen in der katholischen Kirche ihre Stimme einbringen konnten und „diskussionsfähiger“ wurden. Zudem sei sie positiv überrascht von der großen Resonanz, die die Aktionen in ganz Deutschland und auch im Ausland gefunden hätten.

Wie hoch die Beteiligung in den Bistümern ausfiel, könne derzeit noch nicht gesagt werden. Dazu sollen in den kommenden Tagen noch Auswertungen folgen.

Die deutschen Bistümer hatten sehr unterschiedlich auf die Proteste von „Maria 2.0“ reagiert. Viele zeigten sich zurückhaltend oder gar ablehnend, einige wenige begrüßten den Kirchenstreik ausdrücklich. Das ergab eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) von Mitte Mai unter den 27 deutschen Diözesen, die zur Deutschen Bischofskonferenz gehören.

5 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Der Missbrauchsskandal wird hier instrumentalisiert, um die alten Forderungen nach Frauenpriestertum wieder zu beleben. Dabei ist seitens Rom (Johannes Paul II und Franziskus) bereits eine endgültige Entscheidung gefallen. – Es ist zu fragen, welchen persönlichen Glauben und welche Liebe zu Jesus sie haben, wenn sie das Fernbleiben von der Heiligen Messe unterstützen können, in der sich Jesus uns schenken will.

  2. Klar das Frau Käsmann will das die katholische Kirche Evangelisch wird. Aber mal ehrlich, was würden die evangelischen Christen sagen wenn die Katholiken sich so einmischen?

    Zu Maria 2.0. Es gibt nur eine Maria und die lebt vor: Wichtig ist nur der Glaube an Jesus. Das ist nicht der Schwerpunkt von diesen Frauen und deshalb ist diese Gruppe vollkommen fehlgeleitet. Die Kirche braucht mehr glauben und weniger Beliebigkeit. Frauenrechte sind wichtig, der erste Frauenrechtler war Jesus. Aber vor lauter „ich will Pfarrerin oder sonst etwas werden“ wird dabei vollkommen vergessen das es nicht einen selber gehen kann, es kann immer nur um Jesus gehen.

  3. Ich finde es wäre schon viel gewonnen,wenn man sich im Vatikan für Diakoninnen entscheiden würde.

    • Thesen an die Kirchentür anschlagen???
      Diakoninnen in der kath. Kirche ? stimme ich auf jeden Fall zu!!!
      Veränderung des Zölibats: JA. sollte frei wählbar sein mit klaren Regeln!
      Zu den restlichen Forderungen nicht!
      Wichtig: Bibelfirm und Kathechismusfirm… nicht …fern!

  4. Frau Käßmann finde ich zwar sehr nett – für die Frauenordination halte ich sie aber für kein gutes Beispiel.

    Dass die Frauen der Aktion Maria 2.0 sich ausgerechnet die Mutter Gottes als Namenspatronin ausgewählt haben, finde ich sehr unpassend. Mir ist aus der Hlg. Schrift nicht bekannt, daß die Madonna gegen Ihren Sohn bzw. dessen Vater in den Streik getreten ist.

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