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Gibt es einen „Fußball-Gott“? Worin sich Kirche und Fußball ähneln

Eine Liturgie gibt es nicht nur im Gottesdienst, sondern auch im Fußballstadion. Von der Begeisterung der Fans über gemeinsame Gesänge: Kirche und Fußball passen zusammen.

Von Marieke Lohse (epd)

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In der Kirche und im Stadion geht es um gemeinsames Singen und eine Leidenschaft. Jeder Gottesdienst mit Lesung, Predigt und Musik folgt einer Liturgie. Lübecks Dom-Pastor Martin Klatt ist überzeugt, dass es eine solche Liturgie auch im Fußballstadion gibt.

«Es gibt die Punkte, wo alle gemeinsam aufstehen, und gemeinsam angestimmte Gesänge. Das alles folgt einem bestimmten festen Ablauf, den alle irgendwie kennen und der so einfach ist, dass man ihm auch leicht folgen kann.»

Liturgie im Gottesdienst und Stadion

Der Pastor ist erfahrener Stadion-Gänger und kennt sich auch mit dieser Form der Liturgie aus. Doch für ihn gibt es bei Kirche und Fußball noch weitere Gemeinsamkeiten, zum Beispiel die Verbundenheit der Menschen, die demselben Verein anhängen. «Wenn die plötzlich neben einem stehen, man sich vorher noch nie gesehen hat und hinterher wahrscheinlich auch nie wieder sehen wird, gehören wir für diese Zeit trotzdem zusammen. Und wenn ein Tor fällt, umarmen sich alle. Das ist wunderbar!»

Genauso sieht es auch Pastorin Diana Krückmann aus Hanerau-Hademarschen im schleswig-holsteinischen Kreis Rendsburg-Eckernförde. Sie hat selbst lange Fußball gespielt und teilt die Leidenschaft mit ihrer Familie. Auch sie findet diese Form der Liturgie im Stadion wichtig für den Zusammenhalt: «All das, was Hoffnung trägt und Freude macht, verbindet.» Genau das werde gefeiert. «Es gibt keinen Verein, der keine liturgischen Gesänge hat.» Selbst wenn der Zuschauer nur wenig Erfahrung hat, könne er diese schnell mitsingen. «Und das ist es, was uns manchmal in unseren Gottesdiensten echt fehlt», merkt sie an. «Ein ‚You ll never walk alone‘ auf der Südtribüne, das vergisst du nicht!»

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Klatt und Krückmann sind überzeugt, dass Kirche und Fußball sehr gut zusammenpassen. Denn es gehe um die Liebe und die Leidenschaften, mit denen Menschen ausgestattet sind. Krückmann findet sogar, im Stadion sei das deutlicher spürbar: «Und davon können wir uns als Kirche gerne mal eine Scheibe abschneiden!» Für sie sei es diese Herzlichkeit, die wie ein «öffentliches Halleluja» sei, das immer lauter werde.

Das sei ausschlaggebend für die Verbundenheit: gemeinsames Jubeln, Fangesänge und die Leidenschaft für den eigenen Verein. Menschen lasse das sogar über Grenzen hinwegsehen, analysiert Klatt: «Ich glaube, dabei geht es um die Leidenschaft und Zugehörigkeit – mindestens für die Zeit des Spiels.» Und für viele auch weit darüber hinaus. Krückmann vergleicht das Fan-Gefühl mit Glaube und Kirche:

«Im Prinzip ist das wie eine Prozession, wenn man mit 80.000 Leuten vom Hauptbahnhof bis zum Stadion läuft. Und so manche Psalmen singen davon.»

Gibt es einen Fußball-Gott?

Ab und zu ist auch mal die Rede vom Fußball-Gott. «Dabei geht es vor allem darum, mit den Erfahrungen umzugehen, dass es im Fußball wie sonst auch im Leben schrecklich ungerecht zugehen kann», erklärt Klatt. «Und dann ist da dieser Wunsch, dass es einen Ausgleich gibt und Gott derjenige ist, der am Ende für Gerechtigkeit sorgt.»

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Hoffnung spielt beim Fußball eine große Rolle und der Umgang mit all den Gefühlen, die bei so einem Spiel hochkommen: Freude, Trauer, Glück oder Wut. Das hat weniger mit Aberglaube zu tun. «Dabei ist mir noch nie jemand begegnet, der gesagt hat, er bete zum Fußball-Gott», berichtet Klatt. «Es ist offenbar nicht möglich, zu ihm in Beziehung zu treten. Dabei ist das das Kostbarste an dem Gott, an den ich glaube, und darum bin ich ja Pastor.» Krückmann ergänzt: «Außerdem gibt es immer auch einen Verlierer, und an dessen Seite steht Gott natürlich auch.»

Klatt blickt hoffnungsvoll auf diesen Fußball-EM-Sommer: «Vielleicht gelingt ja, was wir 2006 erlebt haben. Dass so etwas wie ein Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht, das eine große Leichtigkeit und Weite hat, die nicht auf Abgrenzung bedacht sein muss.»

Quelleepd

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4 Kommentare

    • Jede Kirche braucht (auch geistliche) Leitung

      Lieber Ulrich Wößner: Die Liturgie in einer Kirche mit einer Hochliturgie, ist wie der gesamte Gottesdienst keine Veranstaltung für die Gemeinde, sondern (eigentlich) ein Werk für Gott, also für seine Verehrung in Liebe gedacht. Damit der Gottesdienst und dann also auch die Predigt nicht zur Leichtkost des Glaubens generiert, also zu geistlichen Pommes Frittes, dafür gibt es dann Menschen mit einem guten theologischen Studium. Ich möchte gerne auch mein geistliches Mahl gediegen, qualitätvoll und nicht im geistig-geistlichen Tiefflug erleben. Ich unterstelle keinen Laien, die Gottesdienste halten und predigen, dies zu tun: Dazu predigen unsere evangelischen Prädikanten zu gut. Aber es muss immer Menschen geben, die für uns sehr vertrauensvolle Fachleute und Seelsorger in Sachen Glauben sind. Ansonsten könnte sonst jeder seine eigene Wohnzimmerkirche aufmachen. Dies ist aber auch überhaupt nicht verboten, aber man wird es dann nicht so nennen, was es nicht ist. Ich denke, dass Menschen die gerne ihren Glauben leben, auch Anspruch haben auf theologisch und biblisch gut fundierte Gemeindearbeit und nachhaltige Predigten. Sonst gibt es irgendwann die KI, die das alles vorprogrammiert so tut und die Orgelmusik gibt es im programmierter Weise ebenso.

      Ganz klar: Kirchen brauchen verantwortliche Leitungen und diese Leitungen werden in moderner Zeit demokratisch gewählt. Dies sind unsere kirchliche Gremien und auch die Pfarrer:innen, die für ihren Auftrag von der Gemeinde ordiniert werden. Man darf sich natürlich Kirche oder jede andere Form menschlicher Institution auch ohne Form wünschen, aber dann wird daraus ohne Form nur noch Trinkbrühe. Genauso wenn ich für alles offen bin, müsste ich undicht sein. Jede Kirche hat daher Regeln und es gibt Verantwortliche, als Gremien oder Einzelpersonen. Sonst ist es auch rein menschlich schwierig, miteinander Vereinbarungen zu pflegen.

  1. Gott liebt uns und das Leben

    Eine gute und zutreffende Analogie von den Ritualen und Traditionen beim Fußball und im Gottesdienst. Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass die betroffene Fußball-Gefühlswelt ganz in der Nähe – man könnte sagen im Nachbarreferat unseres Gehirnes – abgearbeitet wird – wo es ja auch um Gefühle geht. Ein Glaube ohne Gefühle wäre genauso tot wie der Glaube ohne Hoffnung und Liebe. Die Liebe ist aber die Größte davon.

    Allerdings passt der Schiedsrichter nicht ganz in die Analogie von Gott und Fußball. Der Schiedsrichter fällt Tatsachentscheidungen, die – wenn er nicht selbst die Einmischung und Entscheidungshilfe des virtuellen Schiedsrichters an den Kameras wünscht – wenn sie einmal getroffen sind von keiner Macht unserer Welt mehr zurückgenommen werden können. Gott handelt aber antizyklisch, weil Jesus am Kreuz extrem gegen den Strom menschlicher Verhaltensweisen schwimmt. Gewissermaßen hat er – hier sinnbildlich gemeint – den menschlichen Elfmeter über unser aller Leben eben nicht verhängt. Sondern uns durch Jesu Opfer völlig unverdient begnadigt, aber nicht nur die vorgeblich guten Menschen. So wird Golgatha eigentlich zum Ärgernis. Gott liebt vorallem die Hilfsbedürftigen und Schwachen: Die Gesunden bedürfen nicht so sehr des Arztes.

    Sogar seine Feinde zu lieben, und Gott liebt seine Feinde auch, stellt die Weltgerechtigkeit auf den Kopf. Dabei ist Feindesliebe nicht dumm oder unvernünftig, sie ist nur in der Fortsetzung der Erfüllung des Gesetzes Gottes begründet, die ein Vertrauen auf Gott als aus dem Herzen kommend wünscht. Da soll ich also statt eine Meile mit einem Menschen zu gehen, zwei Meilen mitlaufen. Jesus ist für unsere Schuld und die Sünde aller Menschen gestorben und daher versprach er, dass er alle Menschen erlösen wird, also nicht nur einen frommen Rest. Jesus war (eher als Anhänger der Pharisäer) zwar einig mit deren Strenggläubigkeit, aber nicht mit ihrer Selbstgerechtigkeit einverstanden. Der/die Jesusnachfolger/innen dürfen – wenigstens versuchen – die Liebe zu Gott und zu den Menschen zur obersten Direktive zu machen: Ethik und Moral können nur durch Liebe begründet werden. Gott handelt nicht wie wir nach dem Prinzip „so du mir – so ich dir“. Im Gegenteil: Jesus hat sich am Kreuz nicht gewehrt, er ist der Feuerwehrmann der Liebe Gottes und deshalb wäre es geradezu grotestk, würde er gleiches mit gleichem vergelten, Feuer vom Himmel werfen. Also vorallem – wie wir es anstreben sollen – 77x7mal zu vergeben und damit über keinen Menschen endgültig den Stab zu brechen. Die Gleichnisse vom Verlorenen Schaf und Verlorenen Sohn sind sehr eindeutig. Das ausgerechnet der Samariter, in frommem damaligen jüdischen Verständnis ein Häretiker mit falschem Glauben, als Beispiel für Liebe und Hilfe genannt wird, zeigt wie sehr Gott die Welt auf den Kopf stellt. Aber Jesus und damit Gott verlangt nicht, dass wir zum Lachen in den Keller gehen, nicht mehr feiern sollen, kein Fußballspiel mehr geniesen dürfen und auch das Leben auch lieben dürfen.

    Allerdings: Was mir an den guten Dingen des Lebens zum Götzen generiert, kann allerdings niemals für meine Seele nützlich werden. Daher sind Christinnen und Christen im Idealfall absolut tolerant, weil sie auch nicht an absolute menschliche Wahrheiten glauben. Da unterscheidet sich der Glauben vom Fußball, denn bei ihm ist Abseits immer Abseits. Aber vom Himmel werden auch abseitige Menschen geliebt und alle die arm und auf Erden gescheitert sind. Auch sie werden im Ewigen Leben getröstet.Dabei bin ich überzeugt, dass Christen eher zu recht Weltverbesserer sein sollten, soweit dies möglich ist. Denn die Welt zu verbessern schon deshalb, weil unser schöner blauen Planet immer noch zur guten Wohnstube des Himmels gehört, auch wenn wir ihn haben leider verkommen lassen (Klimakrise usw.)

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