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Läuft bei Jesus – aber laufe ich mit?

Jesus hat gepredigt, Wunder getan und mit Schriftgelehrten gestritten. Was noch? Er war unterwegs. Viel unterwegs.

Von Lydia Rieß

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Formulierungen wie: „Und er brach von … auf und ging nach …“ liest man immer wieder in den Evangelien (zum Beispiel in Markus 7,24; oder Lukas 8,1). Oder sollte ich vielleicht eher sagen: überliest? Zumindest mir sind solche Formulierungen lange nicht aufgefallen, bis ich mal eine Karte mit dem Weg zusammengestellt habe, den Jesus auf seinen Reisen zurückgelegt hat. Dabei wurde mir bewusst: Hinter so einem kurzen Satz des Aufbrechens und Ankommens stehen manchmal zahlreiche Kilometer, die Jesus und seine Jünger bewältigen mussten. Das hieß oft viele Stunden, manchmal auch Tage des Laufens – denn Jesus war in der Regel zu Fuß unterwegs.

Bis dahin hatte ich mir das Leben von Jesus und seinen Jüngern immer recht vollgepackt vorgestellt: morgens eine Predigt in der Synagoge, gefolgt von einem Streitgespräch mit den Schriftgelehrten. Dann ein Mittagessen mit Zöllnern und Sündern, nachmittags eine Rede über Gleichnisse und abends eine Essenseinladung bei irgendeinem Gönner, bei dem Jesus dann die Füße von einer Frau gewaschen wurden.

Stattdessen bestanden viele ihrer Tage vor allem aus einem: Laufen. Manchmal waren sie tagelang unterwegs, ohne dass etwas Nennenswertes passierte.

Mit Freunden unterwegs

Was macht man, wenn man so viel unterwegs ist? Ich stelle mir vor, dass Jesus und seine Jünger ziemlich viel Zeit für Gespräche hatten. Manchmal werden das hochtheologische Diskussionen gewesen sein. Sicherlich haben die Jünger auch viele Fragen gestellt, gerade nach Predigten oder besonderen Wundern, die Jesus vollbracht hat. Jesus hat sich gewiss oft die Zeit genommen, sie zu lehren und ihnen Dinge zu erklären.

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Aber ich denke, es gab genauso viele normale, alltägliche Gespräche. Organisatorische Sachen wie „Wer macht morgen Frühstück?“ oder auch Small Talk. Überleg mal, worüber du so mit Freunden sprichst, wenn ihr gemeinsam unterwegs seid. Manche Gespräche sind sehr tief und persönlich – und dann sind da auch diese absolut sinnlosen Gespräche, die meistens in großem Gelächter enden. Jesus und seine Jünger waren letztendlich auch einfach eine Gruppe von Freunden.

Vom Reden und Schweigen

Bei dieser Vorstellung entsteht in mir ein ganz anderes Bild vom Jüngerin-Sein. Mein Christsein bedeutet, mit Jesus und miteinander unterwegs zu sein. Nicht nur in den hochgeistlichen Momenten, sondern in ganz banalen Dingen. Im Alltag. Unterwegs. Das Leben nehmen, wie es gerade kommt, und sich mit dem beschäftigen, was gerade dran ist.

Ich erwische mich oft dabei, dass ich mein Christsein vor allem über das definiere, was und wie viel ich tue. Wie viel Bibel und theologische Bücher ich lese, wie viel ich bete und wie viel ich mich mit Gott beschäftige. Aber wie viel Zeit verwende ich darauf, einfach mit Jesus und anderen „Weggefährten“ unterwegs zu sein? Als er sie berief, sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Folgt mir nach.“ Und in gewisser Weise meinte er das oft ganz wörtlich. Jesus lief durch das Land. Die Jünger liefen hinterher. Sie lernten von ihm nicht in Unterrichtsräumen, sondern im Zuhören, im Nachahmen, im Losgehen und selbst Tun, und manchmal bestimmt auch in den vielen Stunden des Redens und Schweigens.

„Folge mir nach“

Was macht es mit mir, wenn ich mein Christsein als Reise betrachte? Ich denke, es gibt mir in mehreren Punkten eine neue Perspektive:

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Ich folge Jesus nach. Das heißt, ich laufe ihm hinterher. Das heißt auch, ich gebe nicht die Richtung an, ich führe nicht. Zu oft erwische ich mich bei Gebeten, in denen ich Jesus vorschreibe, wie er mein Leben lenken soll. So ist übrigens auch die Bibelstelle zu verstehen, wo Jesus zu Petrus sagt „Satan, geh hinter mich“ (Matthäus 16,23). Im Griechischen steht da dasselbe Wort wie bei „Folge mir nach“. Also quasi: „Du Durcheinanderwerfer, ich bin derjenige, der den Weg kennt, deshalb gehe ich voran. Folge du mir nach, nicht umgekehrt!“ Vielleicht ist es öfters mal dran, hinzuhören, nachzufragen: „Jesus, wohin willst du mir vorausgehen?“

Reisegemeinschaft

Als Christen sind wir in eine Gemeinschaft gestellt – eine Reisegemeinschaft. Vielleicht nicht physisch wie die Jünger damals, aber wir sind gemeinsam unterwegs. Wir lernen gemeinsam, machen gemeinsam Fehler, helfen einander auf, ergänzen einander mit unseren Stärken und gleichen einander in unseren Schwächen aus. Wenn ich Phasen vergleiche, in denen ich mein Christsein allein gelebt habe und Phasen, in denen ich eine feste Gemeinde hatte, merke ich deutlich die Unterschiede. Man wird in der Gemeinschaft ganz anders „mitgenommen“, zum Weitergehen motiviert, und manchmal entdeckt man Wege, die man allein nie gefunden hätte.

Auf zu neuen Ufern

Wenn ich laufe, wenn ich unterwegs bin, bleibe ich nicht, wo und wie ich bin. Ich lasse Dinge hinter mir, lasse manches zurück, ich bewege mich in neue Bereiche und Gebiete. Ich bereise neue Landschaften und lerne, wie ich mich sicher darin bewege. Und ich überlege mir gut, welches Gepäck ich wirklich mitnehmen will, was ich wirklich mit mir tragen möchte.

Ankommen

Eine Reise impliziert ein Ziel. Jesus sagte seinen Jüngern, dass er Wohnungen für sie vorbereiten wird (Johannes 14,2). Die Reise ist also nicht endlos, wir bleiben keine „Nomaden“. Sondern es geht irgendwo hin. Der Spruch „Der Weg ist das Ziel“ kommt mir in den Sinn. Zum Teil stimme ich zu: Erst der Weg macht uns zu Menschen, die bereit für das Ziel sind. Aber das Ziel selbst ist nicht irrelevant. Ich habe schon so manche lange Wanderschaft mitgemacht, und so schön sie waren, so schön war auch das Ankommen: Wärme, gutes Essen, weiche Sitzgelegenheiten und ein gemütliches Bett.

Versuch es einmal, dein Christsein wie das Unterwegssein der Jünger mit Jesus zu betrachten: Wo ist es dran, Wunder zu beobachten und zu lernen? Und wo ist es dran, einfach zu laufen, dem Rabbi hinterher, ohne Hetze, und den Tag so zu nehmen, wie er kommt?

In diesem Sinne: Gute Reise!

Lydia Rieß ist Theologin und Autorin.



Dieser Text ist in der Zeitschrift DRAN erschienen. DRAN ist wie Jesus.de ein Angebot des Bundes-Verlags.

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5 Kommentare

  1. Interessanter Aspekt des Evangeliums. Wahrscheinlich hatte Jesus wirklich so etwas im Hinterkopf, als er seine ersten Jünger berief!! Jesus dürfte auch wahrscheinlich Galiläa und Judäa auf seinen Wegen komplett erreicht haben.

  2. Gott ist die menschgewordene Liebe Gottes

    Jesus hat gepredigt, Wunder getan und mit Schriftgelehrten gestritten. Was noch? Er war unterwegs. Viel unterwegs. Das beschrieb Lydia Rieß schon im Vorspann als Zusammenfassung. Aber so sehr auch dieses Unterwegssein wichtig ist – und nicht bequem sitzen – auf unsere Situation zu übertragen, so sehr stört mich von einem Mitkommentator, daß Jesus Christus laue Christen aus Seinem Mund ausspeien würde. Müsste er dies also wirklich tun, könnte kaum jemand übrigbleiben. Das wären, seit wir von den Bäumen stiegen und richtige Menschen waren, dann auch bis heute gerechnet, viele Milliarden Menschen. Auch wir Superfrommen sind es täglich, die mit Himmlischen Noten versehen, meist grottenschlechte Zeugnisse erhielten. Aber im Himmel werden keine Haltungsnoten vergeben, sondern Menschen gerettet. Denn was wir öfters alles denken, nicht selten auch planen und als Gemeinheiten verwirklichen, könnte Gott ständig problemlos lesen. Denn Gott sieht in jedes Herz. Darum weiß ich, daß jede/r Mensch, sodann sogar der Papst, die Bischöfe, dann ebenso die Kirchenpräsidenten und letztlich auch das sehr freundliche, aber leider auch unchristliche Lieschen Müller, allesamt Sünder sind. Allen Zeitgenossen fehlt nach dem Zeugnis unserer Bibel vollständig jener Ruhm, den wir vor Gott haben sollten. Alle Menschen sind Sünder. Da brauche ich auch keinen Beweis anzutreten und empfehle nur die Talkshow`s anzusehen und täglich Nachrichtensendungen. Unsere Sünde ist der einzige wirklich unentbehrlichste Grund, warum Gott nicht ein riesengroßes Feuerwerk im Universum veranstaltete, sondern an ein Kreuz ging und sich dort brutal hinrichten ließ: Er liebte dort alle seine Feinde. Aber dies waren nicht nur Juden, die (Ur-)Christen, oder die friedfertigen Leute aller Zeiten, sondern auch jene die wie die Römische Soldateska im damaligen Heiligen Land auch fürs Grobe zuständig, als Besatzungsmacht das Blutgericht bedienten, die also die Lizenz zum Töten besaßen. Aber Gott ließ kein Feuer auf die Erde fallen auf die Römer, die blutrünstigen Soldaten, Pilatus, die damaligen Theologen, den Kaiser in Rom oder die ganze Menschheit, die sogar den Schöpfer eines unendlichen Universums an ein Kreuz nagelten. Aber Jesus wurde aufgeweckt und mit ihm beginnt Gottes Neue Welt, die noch im Werden ist. Am Ende gibt es aber einen Neuen Himmel und eine Neue Erde, also ein völlig anderes Universum mit geänderten Naturgesetzen. In dem nur die Liebe Gottes relevant ist und in der es keinen Tod gibt. Ich bin zudem davon überzeugt, daß im Himmel nicht nur die Armen getröstet werden, sondern jene die sich aller ihrer Schuld in allen Einzelheiten als Strafe ihres eigenen Gewissens erinnern. Da wird es viele Tränen geben, die Gott persönlich trocknen wird. Denn wenn wir Gottes Ebenbild sind, besitzen wir alle die Gabe der Empathie. Dann hat Gott Mitgefühl mit allen seinen Geschöpfen, denen Erlösung versprochen wird.

    Jesus erlöst jedes seiner Geschöpfe, wie einst auch den mordgierigen Saulus, der dann vor Damaskus zum Völkerapostel Paulus wurde. Ich glaube, daß sich niemand auch in seinem Tode an Gott vorbeidrücken kann. Ich glaube aber auch nicht, daß auch nur ein einziger Mensch in der Lage sein würde, sich nicht völlig freiwillig mit Gott zu versöhnen. Daher haben wir schon in meiner Jugendzeit, vor 60 Jahren, nach langer Diskussion aber unverbrüchlich einstimmig, wirklich daran geglaubt: Jesus ist nicht nur für die guten Menschen, die Christinnen und Christen oder nur für unsere Israeliten gestorben: Sondern auch für die allergrößten Verbrecher. Aber dann habe ich erst so richtig verstanden, warum das Kreuz eine Botschaft ausstrahlt, die ein Skandal ist. Skandal ist abgeleitet von dem Wort „Fallstrick“. Wer sich nicht schon sehr über diese (Un-)Gerechtigkeit des Kreuzes geärgert hat, über diesen Fallstrick nicht stolperte, der wird es vielleicht schwer haben Gott überhaupt zu verstehen. Immerhin war es auch unser damaliger Saulus, der brutal die Christen verfolgte, vor Damaskus aber von der Begegnung mit Jesus so schockiert war, daß er aus psychischen Gründen kurzzeitig völlig erblindete. Er konnte und wollte niemals der Liebe Christi, die ihm in diesem großen Licht begegnete, dort widerstehen. Denn auch die Schlange die sich häutet, besitzt durchaus auch Schmerzen. Wenn Menschen Christen werden, erleben sie nicht nur ein Wohlfühl-Evangelium: Unser Glaube hat wie jedes Medikament auch Nebenwirkungen, aber Gott schenkt Geborgenheit. Wir müssen vor Gott keine Angst haben, er ist die LIEBE pur. Dies war auch die Erkenntnis Martin Luthers, daß er nämlich schon von Gott geliebt wurde, als er doch gar nicht an ihn dachte. (Die Bibel meint sogar, daß wir vor Erschaffung unseres unendlichen großen Universums bereits von Gott geliebt wurden, aber dann ist das Leben auch ganz grundsätzlich ein Geschenk).

  3. In „Die Verbreitung von Traktaten – praktische und biblische Hinweise“ steht „´Geht´(!) steht im Evangelium und nicht etwa, sitzt bequem und gleichgültig zu Hause und wartet, bis Euch jemand auf Jesus anspricht“.

    So können zum Beispiel Traktate mit dem vollen Evangelium verbreitet werden, aber kein Wohlfühlevangelium (Galater 1,8), um die Empfänger mit schönen Bildchen und Geschichten zur Spendenzahlung bei Laune zu halten!

    Oft wird nicht beachtet, dass Jesus Christus laue Christen aus Seinem Mund ausspucken wird (Offenbarung 3, 14-22).

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