Der Stern über Betlehem
Simon Lehmann / iStock / Getty Images Plus

Ein seltenes Himmelsphänomen ist derzeit am vorweihnachtlichen Abendhimmel zu sehen. Die Planeten Jupiter und Saturn kommen sich ganz nah. Das könnte Experten zufolge eine Erklärung für den „Stern von Bethlehem“ in der Weihnachtsgeschichte sein.

Werbung

Von Christine Süß-Demuth (epd)

Wer derzeit in den vorweihnachtlichen Abendhimmel schaut, kann ein seltenes Schauspiel beobachten: In diesem Jahr nähert sich Jupiter und Saturn so sehr aneinander an, dass beide Planeten am 21. Dezember zu verschmelzen scheinen und als eine Art heller Doppelstern leuchten. Dies könnte auch eine Erklärung für den «Stern von Bethlehem» sein, wie er in der Weihnachtsgeschichte beschrieben wird, sagt der Freiburger Astrophysiker Wolfgang Schmidt. Einen solch geringen Abstand von 0,1 Grad, rund ein Fünftel des Vollmonddurchmessers, haben die Planeten erst wieder im Jahr 2080.

Dass diese Konstellation auch im Jahr sieben vor Christus beobachtet werden konnte, hatte bereits der Theologe und Astronom Johannes Kepler (1571-1630) berechnet. Damals hatten sich die beiden Planeten sogar gleich drei Mal in einem Jahr am Firmament angenähert: im Mai, im Oktober und letztendlich im Dezember. Diese dreimalige Konjunktion sei ein noch wesentlich selteneres Ereignis, erläuterte Schmidt, und werde erst wieder im Jahr 2238 zu sehen sein.

„Und siehe, der Stern…“

Werbung

Zur Geburt von Jesus hatten die Weisen aus dem Morgenland laut biblischer Überlieferung ein besonders helles Licht am Himmel gesehen. Im Matthäus-Evangelium heißt es: «Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.»

«Die Sterndeuter der damaligen Zeit haben dieses ‚Fang-Mich-Spiel‘ der zwei Planeten sicher genau beobachtet und als Zeichen gewertet, dass etwas Besonderes passiert», ist der Astrophysiker überzeugt. Grund des Phänomens ist, dass sich Jupiter viel schneller um die Sonne dreht als Saturn. Gelegentlich erreichten ihn auch Anfragen, ob Saturn und Jupiter nun kollidieren könnten. Diese Angst sei unbegründet, versichert Schmidt. Denn die Planeten bewegten sich auf unterschiedlichen Umlaufbahnen: Der Saturn ist mit 1.620 Millionen Kilometern etwa doppelt soweit von der Erde entfernt wie der viel hellere Jupiter.

Noch einen weiteren Effekt am Himmel macht der Experte für Sonnenphysik aus: In der dunklen Wüste hätten die Sterndeuter außerdem noch das Zodiakallicht gesehen, also Sonnenlicht, das durch den interplanetaren Staub reflektiert wird. Das habe dann ausgesehen wie eine Art «kosmische Taschenlampe» mit Jupiter an der Spitze. Mit bloßen Augen sei dies wegen der Lichtverschmutzung in Europa allerdings nicht zu sehen.

Keine Sternexplosion

Andere Theorien, wonach die Sterndeuter vor 2.000 Jahren eine Sternenexplosion oder einen Kometen sahen, hält er für unwahrscheinlich. Zwar werde der Weihnachtsstern seit dem 14. Jahrhundert in der Kunst meist mit Schweif abgebildet, inspiriert durch den italienischen Maler Giotto di Bondone (1266-1337), der den Halley’schen Kometen gesehen hatte. Dieser sei auch im Jahr 12 vor Christus sichtbar gewesen, damit aber zu früh, erklärte Schmidt. Experten sind sich heute einig, das Jesus nicht im Jahr 0, sondern fünf bis sieben Jahre früher geboren ist.

Bereits jetzt lässt sich die Annäherung der beiden Planeten tief über dem Horizont am südwestlichen Abendhimmel gegen 18 Uhr beobachten. Wem Berge oder Wolken den Blick verstellen, kann die «Große Konjunktion» auch im Internet sehen: Die britische University of Exeter will das himmlische Jahrhundertereignis live übertragen.

3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Das Wunder von dem Stern

    Das Wunder von dem Stern über Bethlehem lässt sich (heute) erklären. Meines Wissens gibt es mindestens drei auch
    verschiedene unterschiedliche Erklärungen für Wunder, die sich gegenseitig nicht ausschließen und daher nebeneinander bestehen können. Dies hatte uns eine Prädikantin in einer sehr interessanten Predigt in meiner alten Heimatstadt erklärt. Leider kann ich mich daran nur noch fragmentarisch erinnern, aber inhaltlich war das sehr einleuchend. Damals wurde mir ziemlich deutlich, dass die erklärbaren und (noch) nicht erklärbaren Wunder immer mit den Naturgesetzen übereinstimmen. Denn schon Albert Einstein war davon überzeugt, dass Gott nicht würfeln – positiv ausgedrückt: Alle Dinge, Geschehnisse und jede Wirklichkeit sind die Gedanken Gottes. Als ich an vielen Orten und Straßen längere Zeit immer wieder der gleichen Plakataufschrift begegnete, sprach darin Gott unmissverständlich zu mir. Genauso wenn ein Bibeltext zufällig so zu meiner Lebenssituation passte wie die Faust aufs Auge. Das waren für mich Wunder, etwa wenn etwas Augenblicke später eintrat, wofür die flehentlich betete. Das Plakat wurde an vielen Orten ausgehängt, der von mir gelesene Bibeltext wurde aus der Urgemeinde überliefert und reflektiert Glaubenserfahrung als eine Gottesbegegnung. So spricht Gott, ohne dass die Ordnung in Raum und Zeit durch himmlischen Eingriff geändert wird. Ein solches Wunder erlebten auch die amerikanischen Mondastronauten, als über dem Mond die Erde aufging und sie daher die Schöpfungsgeschichte gelesen haben. Ebenso erging es den Hirten und den drei Weisen aus dem Morgenland. Ihnen ist Gott so tief in ihrem Herzen begegnet, als sie den Stern sahen und das Kind in der Krippe. Das Baby wurde für sie zum Bild der Liebe des Schöpfers zu allen Menschen. Aber
    so redet Gott, auch wenn er Jesus als einen Menschen schickt, in dem er als Schöpfer aller Dinge so tief wohnt, dass wir in ihm das freundliche Gesicht Gottes sehen. Nach meiner Erfahrung sieht man überall in der Natur die tiefen Spuren der Weisheit und Liebe Gottes. Und man kann ihm in den kleinen Dingen des Lebens begegnen und manchmal werden uns die Augen hierfür geschenkt. Das größte Wunder ist die Auferstehung Jesu, nicht nur weil sein Leben in Gottes Neuer Welt ewig weitergeht, sondern weil sein Tod am Kreuz uns unverdient von unserer Schuld freispricht. Auch Gottes Gericht ist deshalb Liebe und es geschieht in Golgatha.

HINTERLASSE EINEN KOMMENTAR

Please enter your comment!
Bitte gib deinen Namen ein