Martinsfeuer und Laternenumzug
Martinsfeuer und Laternenumzug (Bild: Gettyimages.de)

Normalerweise laufen am 11. November Scharen von Kindern singend mit bunten Laternen durch die Straßen, vorneweg ein Soldat auf einem Pferd, mit obligatorischem roten Mantel. Doch wer war dieser Martin – und woher kommen die Bräuche wie Martinsgans, Martinsfeuer oder Martinssingen?

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Jung. Stark. Mutig. Hilfsbereit. Der heilige Martin war Soldat. Kämpfte für Gerechtigkeit. Für die Menschen. Und er half den Menschen, die ihm begegneten. Gab ihnen zu essen. Versorgte ihre Wunden. Teilte seine Kleidung. Eines Nachts begegnete ihm Jesus im Traum und er hing daraufhin seinen Soldatenberuf an den Nagel, um noch näher an den Menschen dran zu sein, um ihnen noch besser helfen zu können, um noch stärker seine Berufung zu leben. Und die Menschen vertrauten ihm. So sehr, dass sie ihn eines Tages baten, einen wichtigen Posten zu übernehmen. Doch demütig wie der inzwischen nicht mehr ganz so junge Mann war, war ihm das zu viel. Und so versteckte er sich. In einem Gänsestall. Die Leute suchten ihn, wollten ihn überreden, doch diese wichtige Aufgabe zu übernehmen, weil sie sich keinen besseren dafür vorstellen konnten. Doch sie fanden ihn nicht. Er war spurlos verschwunden. Mit einem Mal hörten die Menschen ein Geräusch. Ein Geschnatter. Aufgeregtes Schnabelgeklapper. Es kam aus dem Gänsestall. Sie gingen hinein und fanden den Gesuchten. Und sie überredeten ihn, mit ihnen zu kommen. So wurde aus dem einfachen Mann, aus dem hilfsbereiten Soldaten ein Bischof. Bischof Martin von Tours. Der heilige Martin. Sankt Martin. Der Tag der Grablegung Martin von Tours‘, der 11. November 397, wurde zum Gedenktag. Ein Tag, an dem man sich an Nächstenliebe, Demut und Barmherzigkeit erinnern soll.

So besagt es die Legende. So erzählen es die Geschichten rund um den Martinstag, Martinistag oder Sankt-Martins-Tag. Doch die Geschichte, die auch in dem bekannten Martinslied besungen wird, trat erst im 19. Jahrhundert als inhaltlicher Bezug zu dem bereits vorherrschenden Brauchtum.

St. Martin: Viele Bräuche, eine Legende

Der 11. November war bereits im Mittelalter der Tag, an dem die Bauern ihr Erntejahr beendeten. Neuer Wein konnte probiert werden und weil man die meisten Tiere eh nicht durch den Winter bringen konnte, wurde noch mal geschlachtet. Pacht-, Zins- und Besoldungsfristen begannen und endeten an dem Tag. Außerdem startete man in die Fastenzeit vor Weihnachten und schlemmte vorher noch mal so richtig. Kinder zogen am Abend des 10. November von Haus zu Haus, sangen Lieder und erbaten Süßigkeiten. Dieser sogenannte Heischebrauch erinnert stark an das amerikanische Halloween. Überall entbrannten am Abend des 10. Und 11. November Feuer auf, die Menschen wärmten sich und tanzten um die Feuer herum.

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Damit der Gedenktag Sankt Martins nicht nur aus Bräuchen bestand, sondern auch inhaltlich untermauert war, trat später die Legende des Bischofs von Tours hinzu, ebenso die Erzählung von der Mantelteilung, die stark an die Geschichte vom barmherzigen Samariter erinnert. Zudem sollten die Heischeläufe der Kinder und die vielen Feuerstellen geordneter und kontrollierter stattfinden. So entstanden der Laternenumzug, der das Martinssingen umfasste, und das Sankt Martinsfeuer.

Martinstag in Zeiten von Corona

Einen großer Laternenumzug durch die Straßen der Stadt, vorweg der Soldat im roten Mantel auf seinem Pferd – dieses Bild wird man im Jahr 2020 vermutlich nicht sehen. Doch an Sankt Martin kann sich in vielerlei Form erinnert werden. Die Christoffel Blindemission hat für interessierte Kirchen und Gemeinden einen Stationenlauf zu Sankt Martin erarbeitet. Ein ökumenisches Bündnis ermutigt, die Kirchen am Abend des 11. November zu öffnen, passende Lieder zu spielen (oder vom Band laufen zu lassen) und Kindern die Möglichkeit zu geben, mit ihren Laternen in den dunklen Kirchen herumlaufen zu können. Andere motivieren, am diesjährigen Martinstag demütiges Teilen in den Vordergrund zu rücken, und erbitten sich Kleiderspenden. Kleinere Gruppen oder Familien verabreden sich zum gemeinsamen Laternelaufen und Martinslieder singen, in Kindergärten und Schulklassen finden Lichterspiele und kleinere Lichterfeste statt.

Und einem Martinsgansessen im Kreise der Familie steht ja auch in diesem Jahr nichts entgegen. Und wer es lieber vegetarisch mag, der backt mit den Kindern Hefegänse.

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