Gibt es jemand, dem in der Jugend oder als jungem Erwachsenen von den Einschränkungen des Alters so einprägsam berichtet wurde, dass er gut vorbereitet in den Herbst des Lebens hineinwuchs? Selbst der betroffenen Generation angehörend, muss ich sagen: Die eigenen Begrenzungen kamen manchmal plötzlich, manchmal schleichend, doch immer unwillkommen.
Lutz Barth widmet sich diesem Thema mit einem erfrischenden, fluffig zu lesenden Buch. Humorvoll, aber mit Tiefgang begegnet er der geriatrischen Lethargie. Dabei gelingt es ihm, dass die Waage sich eindeutig auf die Seite der Akzeptanz, der Annahme und der positiven Aspekte dieser Lebensphase neigt, statt sich der psychischen und physischen Degeneration hilflos zu unterwerfen.
Humor, Sinne und Glauben hat der Autor (Jahrgang 1957) – Religionspädagoge, Diakon und Beauftragter für Sinnenarbeit der Landeskirche Baden – in den Mittelpunkt dieses Kleinods der Altersweisheit gestellt. Immer wieder erkennt sich der Leser in den Sätzen und ruft gedanklich. „So ist es“!
Doch Barth beschränkt sich nicht auf eigene Lebenserfahrungen. Das Buch enthält wertvolle Ratschläge, wie unter anderem die bewusste Retrospektive auf die mit dem Alter langsam nachlassenden Sinneseindrücke wie Schmecken, Riechen, Hören, Fühlen etc. Wen wundert es, denn Barth entwickelte im Jahr 2000 mit seiner Frau Annette die Idee des Ostergartens als Sinnenpark, was sich zu einem höchst erfolgreichen Projekt entwickelte. Hervorragend meistert er die Hürden, die Vorurteile über die Wertlosigkeit des Alters zu entkräften. Er fasst in Worte, was eine Generation, die im Dunstkreis unserer narzisstischen, dem Jugendkult huldigenden Zeit, kaum noch eine Lobby hat, nicht tatenlos hinnehmen sollte.
Innovative Ideen oder etwa die Aufforderung, Neues in ungeahnten Betätigungsfeldern anzugehen, sind nur zwei Beispiele aus dem reichen Konglomerat dieses Handbuches für reife Menschen – ergänzt durch viele Hinweise auf die segensreichen Worte der Bibel für bereits Glaubende, aber auch noch Suchende, bietet der Autor „Wertworte“ für jeden. Der durchgängig optimistische Tenor ermutigt zur Neuorientierung, zum Einbringen vorhandener Gaben und der Entdeckung ungeahnter Talente. Alles ohne Blauäugigkeit im Hinblick auf die kontinuierlich rückläufigen gesundheitlichen Perspektiven. Der Rezipient spürt, hier schreibt jemand, dessen Glauben ihm Geborgenheit im Letzten und Gelassenheit im Vorletzten gibt. Somit gelingt es ihm, die dritte bzw. vierte Lebensphase mehr als Chance denn als Abgesang zu betrachten.
Von Hans.Georg Wigge
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