Angefangen hat alles mit einem BBC-Video, das der Juristin Maïmouna Obot von einer Freundin gezeigt wurde. Darin geht es um Kinder, die als Hexen gebrandmarkt werden, um krude Ansichten und einzelne Bibelverse, die kontextlos zum Gesetz erhoben werden.
„Wir müssen etwas unternehmen“, lautet das Fazit ihrer Freundin Bea. Maïmouna ist zunächst zögerlich, aber ein Jahr später sitzt sie im Flugzeug nach Nigeria. In einem Heim, wo verstoßene Kinder unterkommen, wird sie vom Schicksal der Kinder überwältigt. Schnell sind ihre finanziellen Mittel vor Ort aufgebraucht und sie beschließt, in Deutschland einen Verein zu gründen. Damit sollen Kinder unterstützt, Aufklärungsarbeit betrieben und ganz praktisch Hoffnung vermittelt werden.
Es sind die Geschichten von sechs Kindern, die durch Maïmouna Obots Arbeit gerettet wurden, die mich bewegen. Hope, Joy, Promise – alles sprechende Namen. Namen voller Hoffnung und Zuversicht. Dass die Lebensberichte der Kinder – in der Ich-Perspektive formuliert – immer wieder die Gedanken der Autorin unterbrechen, ist ein sinnvolles literarisches Stilmittel.
Spannend war es zu lesen, wie die Autorin ihre eigene Rolle reflektiert und andeutet, welche persönliche Herausforderung für sie dahintersteckt: Sie will nicht als reiche und privilegierte Wohltäterin in Nigeria angesehen werden, die von Nigerianern als „weiß“ und von Deutschen als „Schwarze“ bezeichnet wird.
Dass Hexenverfolgung nicht nur 21. Jahrhundert, sondern auch noch in Europa stattfindet, hat mich schockiert. Das hätte ich immer ins finstere Mittelalter einsortiert. Die Autorin leistet mit ihrem Buch und ihrem Verein Storychanger wichtige Aufklärungsarbeit. Es hat mir zudem gezeigt, wie wichtig eine gründliche Bibelauslegung ist, damit Menschen nicht einem Irrglauben verfallen, der in diesem Fall für die Kinder, die als Hexen bezeichnet werden, fatale Folgen hat.
Am Ende des Buches hat mir eine Seite gefehlt, wo eine Spendenmöglichkeit und Kontaktdaten zu ihrem Verein aufgelistet sind.
Von Andreas Schmierer
