Verlag: epubli
Seitenzahl: 84
ISBN: 9783756539635

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Thomas Bergrich: Doch mehr als grau

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Weihnachten und Advent ist eine Zeit, in der Gegensätze einen Ausgleich suchen: Ruhe und Besinnlichkeit eine Verbindung zu Stress, Jahresendgeschäft und erhöhten Erwartungshaltungen. Licht und Hoffnung auf Dunkelheit, Einsamkeit und Verletzungen. Dünne Nervenkostüme und Gereizt-sein auf Sicherheit, Annahme und Liebe.

Thomas Begrich, einst Finanzabteilungsleiter im Kirchenamt der EKD, aktiv bei der Friedlichen Revolution 1989 in Sachsen-Anhalt, stellt zwölf Geschichten vor, in denen es um solche Verbindungen geht. Diese Suche ist der rote Faden aller Geschichten. Sie sind in drei Blöcke gegliedert. Im ersten Teil kommen Josef, Maria und der Esel zu Wort und erzählen die Ereignisse rund um Geburt und Flucht aus ihrer eigenen Perspektive. Der zweite Block gibt Einblicke in die gelebte Weihnachtszeit im geteilten Deutschland, jeweils in der DDR und der Bundesrepublik. Nummer drei fokussiert auf die Gegenwart im vereinigten Deutschland. Abgerundet wird der Band durch die Wiedergabe einiger biblischen Stellen des Alten und Neuen Testamentes zu Jesu Geburt. Die Illustrationen von Petra Wachter kommen leider durch den SW-Druck nicht zu der Geltung, die sie verdienen.

Die Texte lesen sich flüssig, ohne sprachlich beliebig oder gar platt zu wirken. Auch sind sie weit weg von einem belehrenden, pastoralen Ton. Dennoch sind diese in ihrer Aussage nicht beliebig. Am Ende jeder Geschichte ist eine eindeutige Position erkennbar. Selbst in den Geschichten, die inhaltlich hart sind, werden alle Figuren zwar ungeschönt, dennoch nicht verurteilend beschrieben. Die Sympathie liegt jedoch bei der jeweiligen Hauptfigur, die überwiegend den Ausgleich der Gegensätze erfährt.

Die Geschichten, die in der DDR verortet sind, wirken deutlich authentischer und damit lebendiger als z. B. die, die in den alten Ländern spielen. Die Versöhnung des Weihnachtsmannes durch Petrus kann für viele schwer erträglich sein. Die Erzählungen des Josef und der Maria wurden literarisch erweitert. Viele Details sind so nicht in der Bibel zu finden. Diese Ergänzungen sind jedoch notwendig, um überhaupt eine literarische Erzählung zu ermöglichen. Ob der Stall aus Not wegen der kurz bevorstehende Geburt einfach ausgesucht und bewohnt wurde, kann ich so im biblischen Zeugnis nicht herauslesen. Insofern erscheint es mir wichtig, dass hier die Geschichten als das genommen werden, was sie sind: Literatur, die keinen Anspruch auf korrekte Wiedergabe aller historischen Details legt, sondern auf die Figuren, deren Not und deren Hoffnung.

Wer hier dem literarischen Ansinnen und nicht dem historischen folgt, wird die Kurzgeschichten mit Gewinn lesen.

von Björn Röhrer-Ertl

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Die vermutlich autobiografisch geprägten Geschichten gehören zu den besten und authentischsten Kurzgeschichten. Gut geeignet für Gespräche in Hauskreisen sowie die Erweiterung des eigenen Blickfeldes.

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