Ist Nachhaltigkeit ein Trendthema? Nein, meint Theologe Ulrich Wendel: Schon die Bibel hat etwas dazu zu sagen.
Wenn uns als Teenager zu Hause die Süßigkeiten ausgingen, dann hatten wir immer noch einen Notfallplan: Wir vergriffen uns an Mamas „Backschokolade“. Die war zwar dunkel und bitter, aber in der größten Not … Blöd war nur: Wenn unsere Mutter dann backen wollte und die Schokolade fehlte, dann wurde es schwierig mit dem Kuchen. Der schnelle „kleine Genuss“ hat verhindert, dass der größere Genuss (wir sprechen von Kuchen!) möglich wurde. Unser Schokoladenraub war nicht nachhaltig.
Viele Menschen haben jedoch nicht die Wahl zwischen kurzfristigem oder nachhaltigem Handeln: Vor einigen Jahren wurde über die langanhaltende Dürre auf Madagaskar berichtet, während der die Menschen dort verzweifelt ihr Saatgut verzehrten – auch wenn sie dann keine Aussaat fürs nächste Jahr hatten. Wer solche Not erlebt, käme nie auf die Idee, nur weil es angenehm und süß ist, heute die Ressourcen für morgen aufzubrauchen. Allerdings habe ich das Gefühl, wir in der westlichen Welt tun genau dies.
Wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen, sind manche Christen der Meinung: „Was soll das? Die Bibel jedenfalls sagt zu diesem (modernen) Thema nichts.“ Weit gefehlt! Es ist ja gar kein modernes Thema, sondern spielt in agrarischen Kulturen immer eine Rolle. Daher überrascht es nicht, dass die Bibel darüber spricht. An einer Stelle enthält sie sogar ein regelrechtes Gebot zu nachhaltigem Handeln!
An einer Stelle enthält die Bibel ein regelrechtes Gebot zu nachhaltigem Handeln.
Das biblische Nachhaltigkeits-Gebot
„Wenn ihr unterwegs auf dem Boden oder in einem Baum ein Vogelnest findet, in dem junge Vögel oder Eier mit der Vogelmutter sind, dann sollt ihr nicht die Mutter zusammen mit den Jungen nehmen. Die Jungen dürft ihr nehmen, die Mutter sollt ihr aber fliegen lassen. Dann wird es euch gut gehen und ihr werdet lange leben.“ (5. Mose 22,6-7)
Zum kulturellen Hintergrund: Vögel werden im Mittelmeerraum bis heute gern mal in der Pfanne zubereitet oder frittiert, und dass Eier ein Grundnahrungsmittel sind, ist klar. Und nun enthält das Gesetz Gottes ein Gebot, das besagt: Man darf alles sammeln und verzehren, was nachwächst. Doch die „Quelle“ muss unangetastet bleiben. Die Ressource muss sich reproduzieren können.
Schnell stellt sich die Frage: Ist das tatsächlich so gemeint? So wörtlich, so „ökologisch“? Zunächst ist schon auffällig, wo dieses Gebot steht. Es steht im 5. Buch Mose, im Gesetzbuch Gottes. Es ist logisch sehr schnell nachvollziehbar für jeden, der eine Rechnung aufmacht. Dennoch ist es mehr als Klugheit und Erfahrungsweisheit – es ist ein Gebot.
Was der Kontext sagt
Der betreffende Abschnitt, in dem die Anweisung steht, wird oft mit „Verschiedene Vorschriften“ oder ähnlich überschrieben. Diese Vorschriften werden unterschiedlich begründet – und manchmal auch gar nicht. Die Begründung des Gebotes über die Vögel sticht demgegenüber heraus: „damit es dir gut geht und du deine Tage verlängerst“, das heißt lange lebst.
So, oder so ähnlich, werden auch andere Gebote begründet – unter anderem auch das Dekalog-Gebot, die Eltern zu ehren (2. Mose 20,12) und überhaupt die Gesamtheit aller Gebote. Das ist ein Signal: Es handelt sich um ein nicht unwichtiges Gebot, wenn es ausgerechnet so begründet wird; es steht im Zentrum der Interessen Gottes.
Der Kontext erlaubt eine weitere Beobachtung. In der ersten Hälfte des besagten Kapitels 5. Mose 22 sind Tiere mehrfach ein Thema. Das entlaufene Nutzvieh des Volksgenossen muss unbedingt wieder zurückgebracht werden. Die Weisungen sind so formuliert, dass nicht nur der „Bruder“ vor Verlust geschützt werden soll, sondern dass auch die Tiere an sich schützenswert sind: „du darfst dich ihnen (Plural!) nicht entziehen“ (Vers 4).
Es ist nicht zu viel hineingedeutet, wenn man davon ausgeht, dass Gott am Schutz der Tiere gelegen ist. So mahnt das Buch der Sprüche: „Der Gottesfürchtige sorgt für das Wohl seiner Tiere, die Gottlosen aber sind herzlos“ (Sprüche 12,10).
Das Vogel-Gebot hat demgegenüber noch eine weitere Dimension. Wir haben ja notiert, dass Vogelfleisch und Eier auch zum Speisezettel der Menschen gehör(t)en. Diese Nahrungsquelle wird vom Vogel-Gebot geschützt. Gott ist offenbar interessiert daran, dass Menschen nur das konsumieren, was nachwachsen kann. Gott möchte Menschen und Schöpfung davor schützen, dass man die Quelle zuschüttet, aus der man trinkt; dass man den Ast absägt, auf dem man sitzt.
Gott ist offenbar interessiert daran, dass Menschen nur das konsumieren, was nachwachsen kann.
Die Sünde der Ressourcenvernichtung
Dieses Interesse wird auch anderweitig in der Bibel bestätigt. In diesem Zusammenhang ist eine prophetische Anklage in Hesekiel 34 aussagekräftig. Die Verantwortungsträger in Gottes Volk werden angeprangert, weil sie die Erträge des Volks allein zum eigenen Wohlergehen konsumieren. Hesekiel verwendet das Bild von Hirten, die Milch, Wolle und Schlachtfleisch verbrauchen, die Herde aber weder weiden noch führen noch gesunden lassen.
Später erweitert Hesekiel die Anklage noch. Sie gilt dann nicht nur dem Führungspersonal, sondern allen in der „Herde“. Gott richtet „zwischen Schaf und Schaf, den Widdern und den Böcken“, genauer: „zwischen fettem Schaf und magerem Schaf“. Die Sünde besteht nicht nur im Konsumieren von guter Weide und klarem Wasser, sondern auch darin, dass der Rest der Weide und des Wassers beschädigt („zerstampft“ und „getrübt“) wird.
Es werden also ohne Not Ressourcen vernichtet, nicht durch übermäßigen und egoistischen Konsum, sondern als Kollateralschaden dieses Konsums. Die Lebensgrundlage anderer wird so entzogen. Der Lebensstil ist nicht nachhaltig, und zwar aus Gedankenlosigkeit und Gleichgültigkeit.
„Gottes Leute müssen nachhaltig leben“
Das wiegt so schwer, dass Gott selbst sich des Missstandes annimmt, er erklärt die Lage sozusagen zur Chefsache. Dabei sorgt er nicht nur für neue Gemeinschaft für die Versprengten und Heilung für die Verletzten, sondern auch für Recht, und das schließt Gerichtshandeln an dem „Fetten und Starken“ ein.
Rückfrage: Verwendet das Prophetenwort von Hesekiel denn nicht Bilder, die auf geistliche Leitung zu beziehen sind? Der Hirte?! Antwort: Im Alten Testament ist „Hirte“ zunächst einmal Ehrentitel für irdische Könige. Und die waren auch für Rechtssicherheit und wirtschaftliches Wohlergehen verantwortlich.
Hinzu kommt: Hesekiel prangert in seiner Verkündigung nicht nur Götzendienst an – sondern auch „irdisches“ Unrecht: Gewalt, Mord, Wucherzinsen, Arme berauben, Erpressung, Bestechung, sexueller Missbrauch. Die Politiker haben daran Anteil. In der Bildrede von Kapitel 34 schimmern also sehr reale Missstände durch. Es geht auch um die Lebensressource der Nächsten.
Zurück zum Vogelmutterschutzgebot: In ihm verdichtet sich – als alltägliche Situation – das Interesse Gottes: Ressourcen sollen bewahrt bleiben. Gottes Leute müssen nachhaltig leben.
Dr. Ulrich Wendel ist Theologe und Chefredakteur von Faszination Bibel und sela. Das Gebetsmagazin.

Dieser Artikel ist in der Zeitschrift andersLEBEN erschienen. andersLEBEN erscheint im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört.

Alles gut ! Tierwohl, Umweltschutz, Nachhaltigkeit, alles gute wichtige Dinge und biblisch angeraten. Zum Thema Nachhaltigkeit fällt mir ein; da unsere Seele unsterblich ist, ist es sehr wichtig die richtigen „nachhaltigen“ Entscheidungen zu treffen, nämlich Jesus unser Leben anzuvertrauen, bei ihm unsere Schuld abzuladen und die Herrschaft über unser Leben einzuräumen.
Ist wirklich schade und eine Tragödie, wenn eine wertvolle Seele verloren geht !
Kaum Tierethik ist gravierend fehlende Nachhaltigkeit
Der Artikel von Ulrich Wendel ist eine sehr sachliche und gute Darstellung menschheitsgeschichtlich der früheren Nachhaltigkeit der Israeliten. Aber heute – so habe ich leider bisweilen doch immer noch leichte Hoffnung – sind wir trotz vieler massiveren globalen Problemen doch auch in den letzten 3000 Jahren in etwas(!) sozialen Fortschritt eingebogen. Was wir aber völlig aus dem Blick verloren haben, ist immer noch die bodenlos mitleidlose Behandlung der meisten Tiere als unsere Mitkreaturen. Wir lieben gerne unsere Hunde und Katzen, je nach Gusto, also was uns hier zwischen beiden Arten lieber wäre. Allerdings heutezutage sind die sogenannten Nutztiere oft Lebensmittel auf vier Beinen, werden so gnadenlos ausgebeutet, sehen oftmals nicht das Tageslicht, haben nur ein kurzes und jammervolles Leben und werden zu Millionen gemeuchelt und dann weggeworfen, wenn sie krank wurden. Nicht weil man sie nicht hätte auch essen können – darüber kann man immer streiten – aber weil Geld und Verdienst uns über alles geht. Der richtige Tierschutz betrifft im Positiven unsere Streicheltiere und es ist so, daß die normale Lebendfütterung für Schlangen Kindern vorzuführen, bereits grausam und möglicherweise jugendgefährdent wäre. Doch wir schlachten auch das Huhn und essen es.
Die sogenannten Nutztiere sind auch mit Gefühl ausgestattet, sehen oft nur den Stall, haben ein sehr kurzem Leben und/oder haben nie im Boden gewühlt, z.B. als Schweine. Sie müssen es gegebenenfalls wirklich lernen. Während wir als Menschen kleine Affenkinder, weil sie uns so ähnlich erscheinen (und auch sind) müssen, wenn sie ausgewildert werden sollen, in der Affenschule durch Menschen beschult werden. Ist auch sehr gut.
Dabei haben beispielsweise manche Vögel ein stecknadelgroßes Gehirn mit übergroßer Leistung. Affen können am Auswahlautomat ausgebildet, sich theoretisch ihr Wunschessen bestellen und bei Delphinen könnte man sich, wenn man sich darum in unserer Forschung sehr bemühte, auch einfache Gespräche führen. Sie mögen uns seltsamerweise und in seltenen Fällen haben sie Menschen gerettet. Es kann sein, dass Jona nicht von einem Walfisch gerettet wurde, sondern von diesem Säugetier im Wasser. Ein Tiger fraß nicht das kleine Schaf auf, sondern tränkte es. Das gute Kindchen-Schema lässt freundlich grüßen. Aber in Hühnerfarmen dürfte die kurze Halbwertszeit dieser Vögel kaum jemand wirklich interessieren
Unsere angeblich so zurückgebliebenen Vorfahren, oder Menschen die heute gegebenenfalls noch in der Steinzeit wohnen würden, haben ihre Miteschöpfe vor 100.000 Jahren nur gegessen, weil sie es mussten und sie haben sich nicht selten als Brauch bei den Tieren rituell entschuldigt. Da man dem Esel beim Dreschen nicht das Maul verbinden darf, setzte zur Zeit Jesu voraus, daß man in ihm ein Geschöpf Gottes sah. Vielleicht gibt es in der Zukunft irgendwann einmal gezüchtetes Fleisch, sodass jedes Schlachten mit Todesangst entfällt. Wir könnten tatsächlich auf das Hegen und bei Bedarf das sportliche Abschießen der Tiere verzichten. Unsere Hühner haben nie Bomben geworfen, die Schweine keine KZ errichtet und Millionen Menschen ermordet und auch alle Löwen und Tiger bauen keine Zoo`s, um uns auszustellen und als ein Freizeitvergnügen vorzuführen.
Größere Tierethik etwa wie bei den östlichen Religionen, hat es leider beim christlichen Glauben nicht gegeben. Aber wir zeigen unseren Kindern nicht, wie es in Schlachthäusern zugeht und blenden alles aus, wenn wir unsere Wurst essen. Ich plädiere hier (noch) nicht dafür, alle müssten nun auch Vegetarier sein, aber doch auch etwas mit Mitleid. Ich bin als 11Jähriger einmal absolut irrtümlich durch eine Großschlachterei gegangen und habe gesehen, welche hohe Panik Tiere dort vor ihren Tode haben, weil sie intuitiv fühlen, dass es ihnen nun an den Kragen geht. Damals haben manche Schweine noch geschrien, weil man bereits anfing sie zu kochen. Menschen die dort auch heute arbeiten müssen, können ggfls.Hornhaut auf der Seele haben. Aber vielleicht wird bald unsere KI dies erledigen, die tötet dann auch im Krieg durchgehend und exakt den Feind, niemand muss ein schlechtes Gewissen haben und ist so bösartig nachhaltig. Das könnte man ja auch mit Tieren so machen und dann – ist hier mindestens ironisch gemeint – muss sich niemand mehr selbst das Elend ansehen. Ich habe auch noch nie von einer Schulklasse gehört, die durch laufende Betriebe von Schlachthöfen geführt wird. Das wäre emotional zu anstrengend. Die Eltern würden sofort auf die Barrikaden gehen. Heute bereits bezweifelt kaum noch ein Astrophysiker, daß das fast unendliche Universum nicht auch Mächte und Gewalten vorhält, die aus noch intelligenteren Lebewesen bestehen, nachdem das SETI-Programm verzweifelt danach sucht. Ich hoffe nicht daß wir uns nicht täuschen und diese uns auch nur als Lebensmittel betrachten, denn immerhin könnten wir nicht in ihr Schema intelligenten Lebens passen. Oder man will mit uns einfach nichts zu zu tun haben, weil wir unter einem ethischen Grundniveau sind. Irgendwann werden wir im Ewigen Leben alles wissen und es wird uns vielleicht erstaunen, wie Gott darüber denkt. Vielleicht wird es uns dann auch erschrecken, denn das menschliche Denken und Handeln ist eben nicht eine Art von Vernunft pur und zudem öfters so extrem gefühllos. Es war irgendwie eine doppelte Moral, als man uns noch als Kindern beibrachte, daß auch Tiere Schmerzen haben, dann kaum etwas fressen und furchtbare Angst vor unseren Tötungen haben. Sie denken, aber niemals menschlich.