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Allianz: Überblendung von Bibelversen kein Angriff auf Religionsfreiheit

Eine biblische Inschrift am Berliner Schloss soll im Rahmen eines Kunstprojekts überblendet werden. Die Evangelische Allianz in Deutschland ist nicht grundsätzlich dagegen, wünscht sich jedoch eine Beteiligung der Kirchen am Projekt.

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Die Evangelische Allianz sieht in der möglichen Überblendung der Bibelverse am Berliner Schloss keinen Angriff auf die Religionsfreiheit, heißt es in einer Stellungnahme des theologisch konservativen Verbands. Das Humboldt-Forum sei keine Kirche, daher sei es das Recht der Politik, Inschriften oder Skulpturen daran infrage zu stellen.

Nach Ansicht der Allianz könne ein Kunstprojekt unter Einbezug der Kirchen die Diskussion über den Inhalt der Verse voranbringen. „Es sollte auch nicht ansatzweise der Eindruck entstehen, dass hier christliche Werte diffamiert und aus der Gesellschaft verbannt werden sollen“, heißt es. „Das Christentum und die Bibel gehören untrennbar zu Deutschlands Geschichte und Kultur, wer das leugnet, der liegt falsch.“

Weltlicher Machtanspruch christlich begründet

Die Inschrift besteht aus einer Kombination von zwei Bibelversen, die König Friedrich Wilhelm IV anbringen ließ: „Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“ (Apostelgeschichte 4,12 und Philipper 2,10)

Kritiker hatten eingewandt, dass damit ein weltlicher Machtanspruch christlich begründet wurde („Gottesgnadentum“), der der Intention der Demokratie und dem völker- und religionsverbindenden Ansatz des Humboldt-Forums widerspräche. Seit 2020 ist das Berliner Schloss Sitz des Humboldt-Forums, einem Kulturforum und Universalmuseum.

Allianz: Bekenntnis zur Herrschaft Christi ist Absage an Diktatur

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Der Bibelvers am Forum kann nach Auffassung der Evangelischen Allianz durchaus missbraucht werden. Er könne aber auch anders verstanden werden. „Wer vor Christus die Knie beugt, kann (und muss) vor jedem Herrscher mit Heilsanspruch geradestehen und sich ihm gerade nicht beugen“, heißt es. Das Bekenntnis zur Herrschaft Christi sei – ähnlich wie der Gottesbezug im Grundgesetz – eine Absage an Diktatur und Tyrannei.

In der vergangenen Woche hatte Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) sich dafür ausgesprochen, die Verse im Rahmen eines Kunstprojekts zeitweilig zu überblenden. Das Humboldt-Forum hatte dieses Projekt bereits Ende vergangenen Jahres vorgestellt. Dabei solle der ursprüngliche Text tagsüber sichtbar sein, bei Dunkelheit würden andere Texte darübergelegt, die die historische Inschrift kommentierten. Das solle der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit dienen.

Das ab 1443 erbaute Berliner Schloss diente als Residenz der preußischen Könige und deutschen Kaiser. 1950 ließ die DDR-Regierung es sprengen. Auf Beschluss des Bundestages erfolgte der Wiederaufbau als historische Rekonstruktion. Während des Baus wurde darüber diskutiert, ob auch das Kreuz und die Inschrift auf der Kuppel in ihrer historischen Gestalt wieder errichtet werden.

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6 Kommentare

  1. Haarspalterei

    Es geht ja eigentlich nicht darum, den Bibelvers im Sinne von Thron und Altar interpretieren zu müssen, sondern so wie er in dem biblischen Zusammenhang gemeint ist. Daneben streiten sich bekanntlich auch Theologen gern. Von daher halte ich das Argument für eher schwach.

    Allerdings: Im Sinne von Religionsfreiheit gibt es in unserem Lande Kirchen, Synagogen, Tempel, Moscheen und jede Form von Bethäusern. Trotzdem ich mich als frommer Christ empfinde, und dies auch gerne möchte, glaube ich dass auch die Gebete von Menschen anderer Religionen im Himmel gehört werden.. Aber warum soll es dann den Bibelvers am Berliner Schloss nicht geben bzw. dieser zeitweise überblendet werden ? Selbstverständlich haben wir keine deutsche christliche Staatsreligion und selbst unsere großen Kirchen erreichen nur maximal 5 % der deutschen Bürger/innen, auch wenn viel mehr Leute Kirchensteuer zahlen. (Übrigens ist das bei unseren jüdischen Mitbürgern ähnlich) Aber auch das . der Staat hat doch kulturell mit den Kirchen keinerlei Berührungsprobleme. Wie oft sitzen unsere lieben Parlamentarier/innen anlassbezogen in den Kirchenbänken, und das soll auch so sein. Mein damaliger Pfarrer in der Kleinstadt folgte ebenso der Einladung in die eher kleine (Wohnzimmer)-Moschee, und auch umgekehrt, wenn es dazu einen besonderen Anlass gab. Obwohl wir keine Staatsreligion vorfinden, sind doch die christlichen Werte bis in unsere Verfassung hinein Teil der Wirklichkeit. Also was soll es, einen Bibelvers zu überblenden und welche (sinnvolle ?) Diskussion soll daraus entstehen ? Ich halte daher die Stellungnahme unter der Nummer 3) der Ev. Allianz für nicht zielführend. Jeder halbwegs logisch denkende Hobbypsychologe wird hier sofort wissen, dass daraus nur Streit und der übliche Hickhack in der Politik entsteht – und kein wirklicher Diskurs. Das gesamte Problem ist ein Produkt von Haarspalterei der besonderen juristisch-staatlich-christlichen Form. Das erinnert mich an die Diskussion über die Kreuze in den Gerichtssälen und den bayerischen Amtsstuben. Die Sau, die da damals durchs Dorf getrieben wurde, ist längst vergessen.

  2. Das enttäuscht mich wirklich sehr, diese Reaktion der evangelischen Allianz. Die Gründe, die Claudia Roth (Grüne) vorgebracht hat, werden hier überhaupt nicht erwähnt und sollten schon für mehr Empörung sorgen. Sie stellt den Bibelvers total in Frage, ob der Herrschaftsanspruch Jesus Christus tatsächlich noch mit der heutigen Zeit kompatibel ist, denn schließlich müssen Rücksichten auf alle anderen Religionen dieser Welt genommen werden.
    https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2022/roth-moniert-bibelzitat/
    Lest das hier, da versteht man diese zahme Reaktion der evangelischen Allianz nicht mehr.
    Es geht ja noch weiter, das Abmontieren eines historischen Kreuzes
    “ Nach Angaben der Stadt Münster baten Mitarbeiter des Außenamts um Entfernung des Kreuzes, da Menschen mit unterschiedlichen religiösen Hintergründen am G-7-Treffen teilnähmen.“
    https://www.sueddeutsche.de/politik/kreuz-auswaertiges-amt-1.5687596
    Da habe ich hier auch nichts gelesen.
    Wir lassen uns als Christen in die Ecke stellen und verwahren uns nicht dagegen?
    Warum?
    Wir müssen klar Position beziehen! Und genau das erwarte ich von der evangelischen Allianz und kein weich gespültes Verständnis, da es sich nicht um eine Kirche handelt, ist es halt nicht so wichtig, was die mit einer der wichtigsten Aussagen der Heiligen Schrift machen.

  3. Darum treten die Leute aus der Kirche aus, weil die Kirche mittlerweile eine kapitalistische und politische Institution ist. Aber es steht schon in der Offenbarung: „Es werden Menschen auftauchen, denen nichts mehr heilig ist“

  4. Als Evangelische Allianz in Deutschland nehmen wir wie folgt Stellung:

    1) Das Humboldt Forum ist keine Kirche, es ist das Recht der Politik, eine Inschrift oder eine Skulptur an einem öffentlichen Gebäude infrage zu stellen und nach deren Verständlichkeit und Bedeutung für die heutige Gesellschaft zu fragen. Darin sehen wir keinen Angriff auf die Religionsfreiheit. Da es sich beim Stadtschloss um eine historische Rekonstruktion handelt, die als solche vom Bundestag beschlossen wurde, erkennen wir aber auch keinen Grund, die gleichen Debatten alle paar Jahre erneut zu führen. Das Christentum und die Bibel gehören untrennbar zu Deutschlands Geschichte und Kultur, wer das leugnet, der liegt falsch.

    2) Natürlich kann der Bibelvers missbraucht werden, man denke an die unselige Verknüpfung von Thron und Altar (nicht nur) in der deutschen Geschichte, und natürlich wurde er von Friedrich Wilhelm IV genutzt, um die eigene Macht als gottgegeben zu legitimieren. Zugleich kann dieser Bibelvers genau andersherum verstanden werden, und so ist er auch von den Autoren der Texte intendiert: Wer vor Christus die Knie beugt, kann (und muss) vor jedem Herrscher mit Heilsanspruch geradestehen und sich ihm gerade nicht beugen. Ähnlich wie der Gottesbezug im Grundgesetz ist das Bekenntnis zur Herrschaft Christi eine Absage an Diktatur und Tyrannei.

    3) Ein befristetes Kunstprojekt mit einer abendlichen Überblendung der Bibelzitate kann durchaus dazu beitragen, den Diskurs über den Inhalt der Verse voranzubringen. In dieses Projekt sollten nach unserer Auffassung die christlichen Kirchen federführend miteinbezogen werden. Es sollte auch nicht ansatzweise der Eindruck entstehen, dass hier christliche Werte diffamiert und aus der Gesellschaft verbannt werden sollen.

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