Das Oberste Gericht Pakistans hat das Todesurteil gegen den Christen Qaisar Ayub wegen angeblicher Blasphemie bestätigt. Sein Bruder wurde dagegen nach jahrelangem Rechtsstreit freigesprochen.
Das Oberste Gericht Pakistans hat das Todesurteil gegen den Christen Qaisar Ayub bestätigt. Wie Christian Daily International und Morning Star News berichten, wurde sein Bruder Amoon Ayub dagegen freigesprochen. Die Brüder aus dem Großraum Lahore waren 2018 wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilt worden. Hintergrund waren Inhalte auf einer Internetseite, die auf den Namen von Qaisar Ayub registriert war. Dort soll er im Jahr 2010 „blasphemisches Material“ veröffentlicht haben. Konkret: beleidigende oder herabsetzende Aussagen über Mohammed.
Der heute 49-jährige Ayub beteuert, die Seite bereits 2009 aufgegeben zu haben. Nach Angaben der Verteidigung könnten andere Personen die Plattform später weitergeführt haben.
Gericht wertet Beweise unterschiedlich
Das Oberste Gericht sah bei Qaisar Ayub ausreichende digitale und dokumentarische Beweise für eine Verurteilung. Bei seinem Bruder Amoon Ayub gelangte es dagegen zu dem Schluss, dass dessen persönliche Beteiligung nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Deshalb wurde er freigesprochen und seine Freilassung angeordnet.
Menschenrechtler kritisieren Urteil
Die Organisation American Center for Law and Justice (ACLJ), die die Brüder unterstützte, kündigte an, gegen die Entscheidung vorzugehen. Der Jurist Shaheryar Gill sprach von einem „zutiefst beunruhigenden“ Urteil. Menschenrechtsgruppen weisen seit Jahren darauf hin, dass Pakistans Blasphemiegesetze häufig missbraucht werden und insbesondere religiöse Minderheiten treffen.
Der Fall weckt Erinnerungen an die Christin Asia Bibi, die 2009 nach einem Streit mit muslimischen Feldarbeiterinnen wegen angeblicher Blasphemie angeklagt und später zum Tode verurteilt wurde. Nach Jahren in der Todeszelle sprach das Oberste Gericht Pakistans sie im Oktober 2018 aus Mangel an Beweisen frei. Im Anschluss kam es in Pakistan landesweit zu massiven Protesten radikal-islamischer Gruppen. Demonstranten blockierten Straßen, legten Teile des öffentlichen Lebens lahm und forderten sogar die Tötung der beteiligten Richter. Aus Sicherheitsgründen wurde Asia Bibi zunächst an einem geheimen Ort untergebracht. 2019 verließ sie Pakistan.
Pakistans Blasphemiegesetze sehen für die Beleidigung des Propheten Mohammed teils drastische Strafen bis hin zur Todesstrafe vor. Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren, dass die Vorschriften häufig auf schwachen Beweisen beruhen und für persönliche Rache, Eigentumsstreitigkeiten oder die Verfolgung religiöser Minderheiten missbraucht werden. Besonders Christen, Ahmadis und Hindus geraten immer wieder ins Visier von Anschuldigungen, die nicht selten zu Gewalt durch aufgebrachte Menschenmengen führen.
