Pop-Gottesdienste mit Songs von Lady Gaga haben in Heidelberg für volle Kirchenbänke gesorgt. Der evangelische Pfarrer Vincenzo Petracca griff dabei auch Kritik der Sängerin an der Kirche auf.
Rund 1.200 Menschen haben am Sonntag zwei Lady-Gaga-Gottesdienste in der Heidelberger Heiliggeistkirche besucht. Die italoamerikanische Pop-Ikone bekenne sich seit vielen Jahren öffentlich zum christlichen Glauben, sagte der evangelische Pfarrer Vincenzo Petracca laut Predigtmanuskript. Das Gespräch mit Gott sei der Sängerin, die streng katholisch aufwuchs, wichtig.
Allerdings seien für Lady Gaga Religion und Kirche zwei völlig getrennte Dinge. Sie werfe der Institution Kirche vor, rassistisch, homophob oder intolerant gegenüber anderen Religionsgemeinschaften zu sein. Lady Gaga glaube an einen liebenden Gott, der von den Menschen einen friedfertigen Umgang untereinander erwartet. Diese Ansicht teile er, sagte der evangelische Theologe. Die Kirche müsse für Gewaltfreiheit und Frieden, Liebe und Achtung einstehen sowie Vielfalt feiern. „Ich selbst träume von einer Kirche, die eine Gemeinschaft ist, in der alle willkommen und zur Partizipation eingeladen sind.“ In dem Gottesdienst spielte eine Band um die Sängerin Tine Wiechmann sieben Songs von Lady Gaga.
Seit 2015 gibt es die Pop-Gottesdienste in der Heiliggeistkirche. Sie sollen durch die Verbindung von Pop-Kultur und Liturgie neue Formen der spirituellen Erfahrung ermöglichen und besonders junge Menschen ansprechen. Ende Juni ist ein Rio-Reiser-Gottesdienst geplant und im Oktober ein Pop-Gottesdienst zu Ed Sheeran. Der Taylor-Swift-Gottesdienst im Mai 2024 fand ein internationales Echo. Die Kirchengemeinde setzt auf musikalische Vielfalt: Jeden Samstag findet in der Heiliggeistkirche die „Stunde der Kirchenmusik“ statt – mit Orgelmusik aus verschiedenen Jahrhunderten.
„Ich glaube an Jesus“
Lady Gagas Aussagen über Glaube, Kirche und Religion vereinen individuelle Spiritualität mit kirchenkritischen Aussagen. In einem Interview mit Talkshow-Legende Larry King sagte die Künstlerin 2010: „Ich bin katholisch erzogen worden. Ich glaube an Jesus. Ich glaube an Gott.“ Gleichzeitig habe sie Probleme mit Religion [und Kirche], denn es gebe keine einzige Religion, die nicht andere ethnische, religiöse oder sexuelle Gruppen hasse. Gegenüber dem katholischen Portal CatholicLink, das Promis mit „unchristlichem Lebensstil“ kritisierte, verteidigte sie ihren Glauben und griff das Beispiel der Maria Magdalena auf: Jesus habe eine Prostituierte geliebt und nicht verurteilt, und auch „Celebrities“ („Promis“) seien „Menschen und Sünder“.
2012 kritisierte sie in einem Interview mit dem französischen Radiosender Europe 1 Papst Benedikts Ablehnung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Das sei nicht, was alle Christen denken, so die Sängerin. Die Meinung des Papstes sei „irrelevant“. Für Kritik bei US-Katholiken sorgte im Jahr 2010 das Video zu ihrem Lied „Alejandro“, weil sie in einer Szene ein Nonnenkostüm trägt und einen Rosenkranz in den Mund nimmt. Bill Donohue, Präsident der US‑amerikanischen Catholic League, sprach von einem „respektlosen Umgang“ mit katholischer Symbolik. Andere theologisch konservative Organisationen und Kommentatoren kritisierten Lady Gaga einerseits für ihre Aussagen zu Gender und Homosexualität, andererseits für ihre Vereinnahmung religiöser Symbole zum Zwecke des „Skandalmarketing“.
In einem viel zitierten Instagram‑Post bedankte sie sich 2016 bei dem New Yorker Priester John Duffell. Sie sei bewegt gewesen, als er predigte: „Die Eucharistie ist kein Preis für die Vollkommenen, sondern die Speise, die Gott uns schenkt.“ Dazu postete sie ein Foto mit Bibel in der Hand und betonte, wie sehr sie diese Sicht auf Gottes Barmherzigkeit berührt. Michael Rossmann würdigte dies in einem Beitrag („Lady Gaga, die Theologin“) für das Onlineportal „thejesuitpost“ positiv.
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