- Werbung -

Martin Bucer – der vergessene Reformator

Im Elsass wird er gefeiert, in Deutschland ist er fast vergessen: Martin Bucer steht noch immer im Schatten anderer Reformatoren. Vor 475 Jahren ist er gestorben.

Von Alexander Lang (epd)

- Werbung -

Er gilt als der Erfinder der Konfirmation und war ein Brückenbauer zwischen den Konfessionen: Dennoch ist Martin Bucer (1491-1551) in Deutschland fast vergessen. Anders im Elsass: Nach seiner Flucht in die frühere Reichsstadt Straßburg im Jahr 1523 schuf er dort eine evangelische Kirchenordnung und führte die Reformation weiter. Am 28. Februar vor 475 Jahren ist Bucer gestorben.

In Deutschland fristet der in Sélestat (Schlettstadt) im Elsass geborene Theologe noch immer ein Schattendasein. Ein Trauerspiel sei es, dass man stets aufs Neue erklären müsse, wie wichtig er für die evangelische Kirchengeschichte bis heute sei, findet der emeritierte Heidelberger Kirchenhistoriker Johannes Ehmann. Bucer habe sich gerade in seiner Zeit in Straßburg als Vermittler zwischen lutherischer und reformierter Theologie für die protestantische Einheit hervorgetan, vor allem im Streit um die Bedeutung des Abendmahls.

Doch andere Reformatoren, allen voran Martin Luther (1483-1546), hätten Bucer im Laufe der Zeit aus dem Blick gedrängt, klagt der ehemalige Theologieprofessor Ehmann. Schon sehr früh sei die in religiösen Fragen tolerante Stadt Straßburg besonders durch den Einfluss des einstigen Dominikanermönches zur Reformation übergegangen. Die Zunft der Gärtner wählte Bucer 1524 zum Pfarrer – er blieb fast 25 Jahre. Dann musste er erneut fliehen, ins englische Exil nach Cambridge, wo er auch starb.

Konfirmation ergänzt die Taufe

Wegen seiner Glaubensüberzeugungen verfolgt, führte Bucer ein rastloses Leben. Schon früh zog er als Priester in das westpfälzische Landstuhl, heiratete eine ehemalige Nonne, wurde daraufhin vom Speyerer Bischof exkommuniziert. Zuflucht fand er 1522 auf der Ebernburg an der Nahe und im elsässischen Wissembourg (Weißenburg), bevor er nach Straßburg kam. Im Jahr 1539 handelte Bucer im nordhessischen Ziegenhain einen Kompromiss im Streit darüber aus, wann Protestanten getauft werden sollen: Die Kindertaufe blieb, Heranwachsende sollten aber zusätzlich ein Taufbekenntnis ablegen – die Konfirmation war geboren.

- Werbung -

Als Reformator in Straßburg habe Bucer ein evangelisches Gemeindeleben aufgebaut, das durch Bibelarbeit und diakonische Hilfe für bedürftige Menschen geprägt gewesen sei, sagt der ehemalige elsässische Kirchenpräsident Marc Lienhard. Dass Bucer einem breiteren Publikum, besonders in Deutschland, kaum bekannt sei, führt der Straßburger Kirchenhistoriker Lienhard auch auf dessen wenig lesefreundlichen Schreibstil zurück. «Bucer war sehr gut im Reden, aber weniger gut im Schreiben.»

Nach dem Augsburger Religionsfrieden (1555) habe die evangelische Welt den Vermittlungstheologen Bucer, der mit Reformatoren in ganz Europa im Briefwechsel stand, «nicht mehr gebraucht», sagt Kirchenhistoriker Ehmann. Straßburg mit seinem evangelischen Münster wurde schließlich um 1580 eine Hochburg der Lutheraner – bis zur Rekatholisierung 1681.

Nach 1945 «zaghafte» Bucer-Forschung

Erst spät, nach 1945, habe die Bucer-Forschung zaghaft eingesetzt, berichten Ehmann und Lienhard. Von dem «deutschen Reformator» Bucer aus Straßburg hätten viele Franzosen und Deutsche nach leidvollen Kriegserfahrungen lieber die Finger gelassen. Auch heute würden dessen Schriften kaum gelesen, sagt Ehmann. Doch die Kirchen am Oberrhein – im Elsass, der Pfalz, Baden und in der Nordschweiz – sollten den aus dem Blick geratenen Grenzgänger in Ehren halten: als «oberdeutschen Reformator».

Wachsende Sprachbarrieren und auch eine politische Abkühlung zwischen Frankreich und Deutschland erschwerten ein gemeinsames Erinnern an Bucer, bemerkt Alt-Kirchenpräsident Lienhard. Der Mitverfasser der Leuenberger Konkordie, die vor 50 Jahren eine Kirchengemeinschaft zwischen den lutherischen, unierten und reformierten Kirchen Europas gründete, sagt: «Die Kirchen müssen ein Bewusstsein der Zusammengehörigkeit wachhalten.»

Daten aus Bucers Leben

1491 Martin Bucer wird am 11. November in der Freien Reichsstadt Schlettstadt (Sélestat) im Elsass geboren.
1507 Eintritt als Novize ins Dominikanerkloster, 1508 Ablegung des Mönchsgelübdes.
1510 Zulassung zum philosophischen Grundstudium, Diakonweihe.
1515/16 Priesterweihe.
1517 Zulassung zum Generalstudium und Immatrikulation in Heidelberg.
1518 Erste Begegnung mit Martin Luther.
1520 Entschluss, das Kloster zu verlassen.
1521 Entbindung von seinen Ordensgelübden; Bucer wird Weltpriester.
1522 Mai: Umzug nach Landstuhl. Sommer: Heirat mit Elisabeth Silbereisen. November: Umzug nach Weißenburg. Exkommunikation durch den Speyerer Bischof.
1523 Umzug nach Straßburg. 1524 wird Bucer dort Bürger und rund 25 Jahre Pfarrer der Stadt.
1525 Vermittlung zwischen Martin Luther und Ulrich Zwingli im Abendmahlstreit.
1529 Marburger Religionsgespräch u. a. mit Luther und Zwingli über das Abendmahl.
1536 Beschluss der Wittenberger Konkordie – Einigung im Abendmahlstreit (ohne Schweiz & Konstanz).
1539 «Geburt» der Konfirmation: Kompromiss in Ziegenhain zur Verbindung von Kindertaufe und Taufbekenntnis.
1540/41 Religionsgespräche zwischen Protestanten und Katholiken.
1542 Bucer kommt nach Bonn, um Reformen im Kölner Erzbistum zu unterstützen.
1546/47 Schmalkaldischer Krieg; 1548 Augsburger Interim.
1547 Straßburg verweigert Bucer die Druckerlaubnis.
1549 Bucer wird entlassen und geht ins Exil nach England.
1551 Bucer stirbt am 28. Februar in Cambridge.
Quelleepd

NEWS & Themen

Konnten wir dich inspirieren?

Jesus.de ist gemeinnützig und spendenfinanziert – christlicher, positiver Journalismus für Menschen, die aus dem Glauben leben wollen. Magst du uns helfen, das Angebot finanziell mitzutragen?

NEWSLETTER

BLICKPUNKT – unser Tagesrückblick
täglich von Mo. bis Fr.
Wir liefern dir die interessantesten NEWS,
Interviews und Geschichten aus der christlichen Welt.
Kompakt, relevant, inspirierend.

Wie wir Deine persönlichen Daten schützen, erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.
Abmeldung im NL selbst oder per Mail an info@jesus.de

WAS KANNST DU ZUM GESPRÄCH BEITRAGEN?

Bitte gib hier deinen Kommentar ein
Bitte gib hier deinen Namen ein