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Buber-Rosenzweig-Medaille: Rutishauer warnt vor Schwarz-Weiß-Denken

Domradio, Deutscher Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit

Der Jesuit und Judaist Christian Rutishauer ist mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet worden. In seiner Rede warnte er vor einem erstarkenden Antisemitismus – und vor gefährlichen Vereinfachungen.

Der Jesuit und Judaist Rutishauer ist am Sonntag in Köln mit der Buber-Rosenzweig Medaille ausgezeichnet worden. Damit würdigte der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit (DKR) Rutishauers „jahrzehntelanges Engagement für den christlich-jüdischen Dialog“, heißt es auf der DKR-Homepage.

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In seiner Dankesrede sagte Rutishauer, dass man seit dem 7. Oktober feststellen müsse, „dass für viele mit dem Staat Israel die alte europäische ,Judenfrage‘ auf globaler Ebene zurück ist.“ Im Antisemitismus verbänden sich heute „die naiv Gefährlichen mit den Aggressiven“ und glaubten, eine neue Weltordnung ohne den Staat Israel sei gerechter. Die Aufgabe von Juden und Christen sei es, „Schulter an Schulter tiefer zu verstehen.“

„Dialog als Alternative zur Gewalt“

Anlässlich der Auszeichnung sprach Rutishauer in einem Interview mit dem Webportal Domradio außerdem über die Gefährlichkeit von Schwarz-Weiß-Denken: „Wenn die Welt zu komplex erscheint, suchen manche nach einfachen Erklärungen.“ Dann entstünden Verschwörungstheorien und ein „Sündenbockmechanismus“. Und dieser richte sich in unserer Gesellschaft häufig gegen Juden, so Rutishauer. Diese Art des Denkens führe nicht nur zu Fehlschlüssen, sondern auch kritischen Vereinfachungen: „Wer über den Nahostkonflikt spricht, muss versuchen, die historischen, politischen und religiösen Hintergründe zu verstehen. Nur so kann ein sachlicher und vernünftiger Diskurs entstehen“, erklärte Rutishauer.

Der Papst betone zwar immer wieder, Religion dürfe nicht für politische oder wirtschaftliche Zwecke instrumentalisiert werden. Doch die Religion spiele im Nahen Osten eine öffentliche Rolle und habe auch politischen Einfluss. „Es wäre naiv zu glauben, man könne Religion einfach ausblenden und damit die Probleme lösen“, so Rutishauer. Es gehe darum, internationale Ordnungen zu stärken, Menschenrechte zu schützen und humanitäre Fragen zu lösen. Dialog durch Gespräch und Vernunft sei die eigentliche Alternative zur Gewalt. Dafür brauche es Bildung und die Bereitschaft, „sich ernsthaft mit dem Konflikt auseinanderzusetzen.“

>>>> Zum gesamte Interview mit Christian Rutishauer

Die Buber-Rosenzweig-Medaille gehört zu den wichtigsten Auszeichnungen im christlich-jüdischen Dialog in Deutschland. Sie wird seit 1968 vom Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit verliehen.

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4 Kommentare

  1. Möglich, dass auch der Islam eine Transformation erlebt, sich von der religiösen Eroberung anderer Länder und Völker verabschiedet, aber bis heute scheinen kriegerische Mittel zur Ausbreitung ihres Glaubens legitim zu sein.
    Die Juden hatten dagegen nie einen besonderen Missionseifer an den Tag gelegt, nur die Landfrage war und ist immer präsent und über viele Jahrhunderte wurde daran festgehalten „nächstes Jahr in Jerusalem“. Die Stadt Davids, in der Jesus mit seinen Jüngern unterwegs war ist untrennbar mit dem Volk Israel verknüpft. Eine vergleichbare Geschichte können die Araber nicht vorweisen, aber natürlich lebt jetzt eine große Zahl Palästinenser seit vielen Generationen in diesem Landstrich und alles drängt nach einer Lösung. Ein eigener Staat wird es vermutlich nicht mehr geben, aber friedliche Araber sind und können im Staat Israel intergriert werden.
    Einen Dialog über diesen Konflikt kann man natürlich führen, aber mir scheint die Fronten sind ziemlich verhärtet.
    Wen wunderts, dass der zunehmende weltweite Antisemitismus viele Juden regelrecht nach Israel treibt und die Menschen brauchen Lebensraum. Eine verzwickte Situation !
    Den Judenstaat von der Landkarte verschwinden zu lassen mag der Traum von Islamisten und ihren Proxys sein, aber ich glaube daraus wird nichts, die Zerstreung der Juden in alle Welt war ein angekündigtes sichtbares Zeichen des Allmächtigen, aber die Rückführung ins verheißene Land noch einmal mehr. Daran wird sich vermutlich nichts mehr ändern !

    • Die Einstaatenlösung hat ein gravierendes Problem. Israel ist eine Demokratie. Wenn es die (friedlichen) Palästinenser eingliedert, werden irgendwann die Juden zur Minderheit in Israel.

      Deshalb ja die 2-Staaten-Lösung.

      Es gäbe noch eine weitere Möglichkeit: Die besetzten und umstrittenen Gebiete den Nachbarstaaten geben einschließlich der Bevölkerung. Denen gehörte es ja eh früher (z.b. Transjordanien). Das setzt eine stabile durchsetzungsfähige Regierung voraus. Mit Jordanien ginge es, mit dem Libanon (siehe Macht der Hisbollah) nicht. Dann könnten dort sogar Juden leben bleiben, was ja wünschenswert wäre.

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