Die Glocken der Martinskirche in Neckartailfingen schlagen alle 15 Minuten – auch nachts. Genervte Anwohner fordern das Ende des Glockenschlags. Ein Experte weiß: Das ist kein Einzelfall.
Beschwerden über nächtliche Kirchenglocken häufen sich nach Einschätzung des Glockenexperten Michael Kaufmann vor allem im Sommer. Offene Fenster und der Zuzug in ländliche Regionen seien häufige Auslöser, erklärte er in einem Interview mit dem SWR. Manche Menschen zögen bewusst ins ruhige Grüne und stellten erst nach dem Umzug fest, dass der Kirchturm in unmittelbarer Nähe steht und die Glocken rund um die Uhr die Zeit schlagen.
In Deutschland gebe es unterschiedliche Traditionen. Während manche Gemeinden den Uhrschlag nachts abschalten, lasse man ihn andernorts rund um die Uhr erklingen, so Kaufmann. Der Brauch reiche Jahrhunderte zurück: Kirchturmuhren machten die Zeit einst hörbar und sichtbar und gaben den Menschen Orientierung.
Als Berater in Glockenkonflikten setzt Kaufmann auf Dialog. Wo sich Anwohner gestört fühlen, könnten technische Lösungen helfen, etwa eine Drosselung der Schlaglautstärke oder bauliche Veränderungen am Kirchturm. Halte eine Kirchengemeinde die gesetzlichen Lärmgrenzwerte ein, könne ihr der nächtliche Glockenschlag allerdings nicht untersagt werden.
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